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Veröffentlicht: 18.06.2010 Eingereicht von: Philine Gebhardt

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Das Fundbüro fragt:

Wer weiß etwas zu diesem Bild?

Verschwundene Berufe - Wer kennt sie noch?

"Einen Augenblick, ich verbinde", sagte das "Fräulein vom Amt" am anderen Ende der Leitung. Heute gibt es keine Telefonvermittlerinnen mehr - wie so viele Berufe, wie Schriftsetzer, Parkplatzwächter, Tankwarte, Korbflechter oder Programmansagerin. Die meisten Tätigkeiten fielen dem Fortschritt zum Opfer. Nur manche alte Handwerksberufe haben überlebt, führen allerdings meist ein Nischendasein und lediglich ein elitärer Kreis von Kunden kann ihre Dienste heute noch in Anspruch nehmen.

Erinnern Sie sich noch an den Milchmann oder daran, wie der Scherenschleifer nach Hause kam? Kennen Sie Unternehmen, die ihre Arbeiter durch Maschinen ersetzt haben? Oder arbeiteten Sie früher vielleicht selbst als Straßenbahnschaffnerin, Parkplatzwärter oder Kino-Platzanweiser - in Berufen, die mittlerweile verschwunden sind?

Dann zeigen Sie uns Ihre Fotos und erzählen uns Ihre Geschichten! Helfen Sie mit, an Berufe zu erinnern, die es heute nur noch selten oder gar nicht mehr gibt. Welche fallen Ihnen ein?

252 Hinweise

Ralf Bülow 18. Juni 2010, 19:36

Als erstes fällt mir der Klüngelskerl ein (mobiler Schrotthändler im Ruhrgebiet). Ein paar scheint es aber noch zu geben, bitte mal googeln. Und dann erinnere ich mich an die mutigen Piloten, die mit kleinen Flugzeugen lange schmale Reklame-Fahnen durch die Lüfte zogen.

Katharina Sokiran 29. Juni 2010, 15:08

Der Gaslaternenanzuender kam jeden Abend gegen 17.00 auf seinem Fahrrad, um mittels einer mitgebrachten Stange die Gaslaternen in unserer kleinen Strasse unweit des Dresdner Hauptbahnhofes anzuzuenden - soweit mir in Erinnerung ist, sogar noch 1984!
Frueh nach Tagesanbruch sollte er sie eigentlich wieder ausschalten, aber manchmal brannten sie noch lange in den hellerlichten Tag hinein.

walter schmuck 29. Juni 2010, 15:34

Mir fällt hier der Bruder meiner Grossmutter ein, der "Onkel Franz" (Reimer)aus Münsing am Starnberger See ein, der sich als Maulwurfsfänger dort betätigt hat.

Friederike Degner 29. Juni 2010, 17:35

Meine Mutter (Jahrgang 1960) ist gelernte Schriftsetzerin, hat einige Jahre für die Leipziger Volkszeitung gearbeiet. Sie hat gesagt, der Beruf habe ihr Spaß gemacht, wenn es auch schwere körperliche Arbeit war. Heute arbeitet sie bei einem Copyshop, der teilweise sozusagen "modernen Version" ihres Ausbildungsberufes. Ich werde mich zu Hause mal nach Unterlagen umsehen...Ich weiß, dass wir welche haben- Nur wo?

Heino Bernhardt 29. Juni 2010, 23:25

Mir fällt ein, dass in unserem Dorf im nördlichen Saarland ein Mann lebte, denen sie alle "de alt Karremacher" nannten. Er war einer der letzten Stellmacher weit und breit. Sein Beruf war es bis in die 50er-Jahre, neben der Landwirtschaft, hölzerne Wagen für Pferde-, Kuh- und Ochsengespanne herzustellen. Zu seinen Produkten zählten auch Bollerwagen für den Hausgebrauch. Im Zug der fortschreitenden Technisierung in der Landwirtschaft wurden kaum mehr Erntewagen (Leiterwagen) aus Holz gebraucht. Fortan beschränkte der Stellmacher seine Produktion noch bis ans Ende seines Lebens auf Leitern und Futterkrippen für Pferde.

Ferdinand Philipp Keuter 2. Juli 2010, 16:20


Von Ferdinand Philipp Keuter so beschrieben im eigenen Zeitzeugenbericht

Scherenschleifer ist ein alter Beruf. Früher kam er durch die Dörfer, um Messer und Scheren zu schleifen. Dabei hatte er ein zweirädriges Wägelchen, das oft von einem Hund gezogen wurde. Er zog durch die Straßen und rief immer wieder sein Sprüchlein: "Der Scherenschleifer ist da!" Die Leute brachten ihm alles, was stumpf war und mit seinem Schleifstein, den er mit dem Fuß in Gang brachte, machte er es wieder scharf. Gelegentlich hatte der Scherenschleifer, um Publikum anzuziehen, ein dressiertes Äffchen dabei.

Einen solchen Scherenschleifer kenne ich noch aus meiner Kindheit nach dem Krieg. Er stand an Kirmesfesten in der damaligen Eschweiler Judenstraße vor dem Hotel Wanzen. Daneben bot ein italienischer Blumenverkäufer marktschreierisch seine Ware an. In der Zeit zwischen den Volksfesten kamen die Scherenschleifer an den Haustüren vorbei, sammelten die stumpfen Schneidwerkzeug ein und brachten diese nach einiger Zeit geschärft wieder zurück.

Ferdinand Philipp Keuter 4. Juli 2010, 14:00

Der „Straßenmeister“ Becker

Herr Becker wohnte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Arnsberg auf der Kreisstraße, Haus Nummer 21
Er hatte im Dorf den Titel „Straßenmeister“. Als städtischer Angestellter war er zuständig für die Kreisstaße / Bundesstraße 229 von Arnsberg nach Hachen. Geschätzt sind das für die einfache Strecke 8 Km
Hier arbeitete er mit Schaufel, Hacke und Besen. Becker entfernte am Straßenrand das Unkraut und schnitt die überhängenden Äste der Bäume und Büsche ab. Er war für ein Stück der Kreisstraße verantwortlich. Alle waren der Überzeugung dass ohne die Tätigkeit von „Straßenmeister“ Becker auf der Straße nichts laufen könne.
Noch viel wichtiger war seine soziale Verantwortung für die Bürger, die zu Fuß den Weg in die Stadt erledigten. Irgendwo traf man Herrn Becker mit seinen weißen Haaren und roten Backen immer. Er gab Tipps und Rat in allen Lebensfragen und zudem ein Gefühl der Sicherheit auf der Strecke. Heute erledigt diese Arbeit ein motorisiertes Gefährt in einigen Minuten. Ein „Straßenmeister“ sitzt auch nicht mehr am Steuer der die Bürger, der Orte kennt und mit ihnen ein Schwätzchen hält.

Ferdinand Philipp Keuter 4. Juli 2010, 17:00

Der „Holz-Gerüst-Bauer“

Einige Berufe kamen ohne ein Gerüst nicht an die Flächen, die bearbeitet werden sollten. So die Anstreicher, Putzer und Dachdecker. Stahlgerüste gab es in den Jahren vor 1965 im Handwerk fast gar nicht. Holzleitern bis zu einer Höhe von 10 Metern ergaben den festen Rahmen für das Gerüst insgesamt. Meister Keuter wollte keine Rechnungen mehr für Gerüste zahlen, also schaffte er sich selber die notwendigen Leitern, Bretter, Schrauben und Querverbinder an. Da sollten die Seile nicht vergessen werden. Da Philipp 1949 noch in einer Mietwohnung wohnte, die keine Lagermöglichkeit bot, musste alles von der Straße aus, durch die Wohnung auf den Hof gehievt werden. Also Fenster im Schlafzimmer und in der Küche auf, die Zwischentüre nicht vergessen. Dann auf der ganzen Linie Gesellen platzieren, die langen Leitern auf der Straße in die richtige Lage bringen und dann ab die Post über Bett und Tisch. Es soll mancher Blumentopf dabei kaputt gegangen sein. In der Zeit der Ausrichtung war die Straße komplett gesperrt, aber Autos kamen sehr selten. Die wenigen warteten geduldig. Aber mit der Zeit wurde die Firma immer größer, eine Werkstatt-Halle kam dazu. Die Gerüst-Aufträge erforderten neues Material, das Kapital dafür musste erst erarbeiten werden. Oft wurde improvisiert. Über die Folgen der Improvisation lesen Sie auch den Artikel in einestages.de mit dem Titel: >Sturz aus großer Höhe <




Ferdinand Philipp Keuter 5. Juli 2010, 14:54

Der Schriftenmaler

„Male niemals Schrift“ So ein Auszug aus dem Bericht in „einestages“ mit dem Titel „Ferdi bekennt Farbe“: ….Im Juli 1960, in der Schriftbogen-Nachprüfung, klappte es wieder nicht, aber der Prüfer drückte ein Auge zu. Er ließ mich hoch und heilig schwören, niemals Schriftenmaler zu werden – und winkte mich durch. Diesen Schwur habe ich nie gebrochen.

Die Schriftenmalerei ist ein Handwerk, das heute droht, verloren zu gehen. Doch bei der Restaurationen alter Schriften weiß kein PC, sondern nur ein gelernter Schriftenmaler wirklich Rat.

Trotz meines Unvermögens für die Schrift allgemein, hat der Beruf eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt. Ein besonderes Vorbild war mein Freund Hans Schneeloch. Er war ein Meister alter Schule in diesem Fach.

Er konnte immer harmonische Schriftbilder erstellen. Offene oder geschlossene Buchstaben erfordern halt andere Abstände. Jede Aufgabe wurde dem Umfeld in Schriftart und Größe angepasst. Das Reklameschild für „Malermeister Ferdinand Keuter“ unter Glas, wurde mit Blattgold unterlegter Schrift erstellt. Ebenso die Schriftzüge auf den Schaufenstern der „Firma Farbenhaus Keuter“.

Besonders präzise Ergebnisse waren gefragt, wenn mit dem Aufziehen von Bleifolie auf Glas, dem bearbeiten mit Schneidemesser, Farbe und Blattgold, Schilder und Lichtreklame hergestellt wurde. Hans wurde auf Grund seiner hohen Kenntnisse Werkstattleiter.

Mit Malstock, Ölfarbe und Malpinsel wurde mal so nebenbei ein preiswertes Bauschild erstellt. Da darf das Beschriften von Grabkreuzen nicht vergessen werden.

Alle diese Arbeiten werden heute schnell und günstig mit PC gesteuerten Maschinen erledigt. Fertige Folien werden nur noch aufgeklebt. Bis auf die Ausnahmen wo der Mensch und Fachmann gefragt ist.
Um den Umfang der Vergolde-Technik nur im Ansatz aufzuzeigen, möchte ich hier einige Materialen und Werkzeug zum Vergolden nennen: Blattgold, Blattsilber, Sturmgold, Vergolderkissen, Vergoldermesser, Anschießer kartongefaßt, Fächer-Anschießer, Anlegepinsel, Formerpinsel, Modlerpinsel, Achatpolierstein.

Mit einem alten Handwerkergruß möchte ich enden: Gott segne das ehrbare Handwerk.


Ernst Woll 5. Juli 2010, 19:41

Ernst Woll, 05.Juli 2010

In den 1930/40er Jahren fuhr in unserer Kleinstadt in Ostthüringen der "Milchmann" mit einem Pferdegespan und Tafelwagen die Milch aus.
Die Kunden brachten die eigenen Milchkrüge mit. Mittels Messbecher am langem Stiel wurde die Milch aus den 20-Liter Kannen geschöpft. Alles geschah unter freiem Himmel bei Sonnenschein, Wind und Regen. Dennoch wurden die Schöpfgefäße erst nach Ende der Tour gründlich gereinigt. Nach den heutigen hygienischen Bestimmungen undenkbar. Damals hörten wir aber kaum etwas von Lebensmittelvergiftungen, über die es auch unter der Bevölkerung wenig Kenntnisse und Aufklärung gab. Wahrscheinlich waren die Menschen, und besonders wir Kinder, durch häufige Kontamination mit Schmutzkeimen aktiv immunisiert. Gern half ich als Kind den Milchmann, weil ich die Zügel des Pferdes allein halten und das Tier damit lenken durfte. Mein Kutschieren war aber meist gar nicht nötig, weil der kluge Gaul Weg und Halteplätze von allein kannte.


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