Veröffentlicht: 15.11.2008
Eingereicht von:
Heinz-
Mein Vater war im Zweiten Weltkrieg bei der Polizei. Auf diesem Foto sieht man einen Truppentransporter mit der Aufschrift "J" auf dem Weg zu einer Holzbrücke über einen Fluß (Welcher?). Teile des Transports fahren bereits auf der anderen Seite des Flusses. Am linken Rand der Fahrbahn stehen zwei Pkws, einer mit offenem, einer mit geschlossenem Verdeck. Zwei Personen (Polizei?) sind zu sehen, im Hintergrund ein reetgedecktes russisches Holzhaus. Das Bild im Album hat den Vermerk "Russland 1941". Was machten Angehörige der Polizei 1941 in Russland?
Überall, wo Wehrmacht war, waren auch Polizeitruppen. Die Polizei war auch, anders als heute, militärisch strukturiert.
Ebenso wie Einheiten der Wehrmacht, der Waffen-SS, der SS-Verfügungstruppen (Totenkofverbände), der SS-Polizei-Einheiten, u.a. waren auch normale Polizeieinheiten in Erschiessungen u.ä. verwickelt. Berüchtigt war z.B. das Res.-Polizeibatallion 101 aus Hamburg.
Das Bild scheint m.E. in der Don-Regjion ausgenommen worden zu sein.
Das "J" bedeutet, das es Fahrzeig Nr, 10 der Einheit war.
Das Fahrzeug ist ein sog. "Einheitsdiesel", der aus Gründen der Rationalität von allen deutschen LKW-Herstllern produziert wurde.
Mehr lässt sich anhand dieses Bildes leider nicht sagen. Möglicherwise können der Rest des Albums, die Herkunft des Polizisten, und evtl. der Werdegang bis 1945 (Soldbuch, Wehrpass) mehr Licht in die Sache bringen.
Die Aufgaben der Polizei-Einheiten in den besetzten Ostgebieten (Polen, Baltikum, Russland) bestanden nicht in erster Linie aus normaler Polizeiarbeit, also den alltäglichen Ordnungsfunktionen und Strafverfolgung. Die Hauptaufgabe dieser Polizei-Bataillone war die Sicherung der hinter der Front gelegenen Gebiete.
Die sogenannte "Bandenbekämpfung", das ausschalten von Widerstandszellen, kriminellen Banden, Saboteuren und Partisanen. Diese Bataillone waren außerdem verantwortlich für Massentötungen im rückwärtigen Frontbereich (Partisanen- und Judenvernichtung), wobei sich die Aufgaben aufgrund der geringen Gefahr von Partisanen - diese Bedrohung war hoch gespielt worden, damit unter den Polizisten kein Unmut aufkam - sehr bald auf die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung.
Diese Polizei-Bataillone unterstanden dem Reichssicherheitshauptamt der SS. Während dieser Einsätze kamen mehr Juden ums Leben, als insgesamt in Auschwitz. Dabei wurden sie meist mit Kopfschüssen einzeln erschossen.
Die einfachen Polizisten, häufig aus Reserve-Einheiten, waren meist keine SS-Leute oder überzeugte Nazis. Sie waren ganz normale Bürger, die in Friedenszeiten anderen Berufen nachgingen und sich aufgrund ihres Alters (meist über 30) oder damit sie nicht zur Wehrmacht einberufen wurden freiwillig zum Polizeidienst gemeldet hatten. Ein Ersatzdienst also. die Offiziere dagegen waren meistens SS-Angehörige im Polizeidienst, darunter viele, die nicht für die Waffen-SS geeignet waren. Sie unterstanden direkt der SS-Hierarchie und empfingen ihre Befehle von der SS-Führung.
Wo genau diese Aufnahme entstanden ist, kann ich nicht beurteilen.
Über die Rolle/Verwendung der Polizeieinheiten ist ja bereits einiges an Information geflossen.
Ich möchte darau fhinweisen, dass die Kennzeichnung der Fahrzeuge kein J sondern ein grosses I darstellt und "Istandsetzung" bedeutet. Es gibt zahlreiche Fotos von Fahrzeugen mit dieser Kennzeichnung, die auf Fahrzeuge der Instandsetzungseinheiten hinweist. Sie hat mit einer Nummerierung nichts zu tun.
Ergänzend zu meienm ersten Hinweis sei noch angefügt, dass die Kennzeichnung mit dem großen J dazu dienete,den Fahrzeugen der Instandsetzung entsprechenden Vorrang auf den oft überlasteten Nachschubwegen einzuräumen. Fotos andere Fahzeuge mit der Kennzeichnung: "Die Panzerinstandsetzung der Wehrmacht", Lukas Friedli,Schweiz 2005, ISBN: 3-935107-08-0,Seite 23, Seite47.
Zum Thema Polizeibataillone in besetzten Gebieten gibt es ein interessantes Buch von Christopher R. Browning: "Ganz normale Männer: Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die 'Endlösung' in Polen". Hierbei geht es insbesondere um die Umstände, die aus "ganz normalen Männern" Täter machen.
Die Berliner Polizeihistorische Sammlung hat sich dieses grauenhaften Abschnitts deutscher Polizeigeschichte angenommen. Ein kurzer Hinweis findet sich auf http://www.berlin.de/polizei/wir-ueber-uns/historie/nazizeit.html. Mehr davon in der Sammlung (Platz der Luftbrücke 6,
12101 Berlin - Gebäude "Flughafen Tempelhof")
Die Frage "Was machten Angehörige ..." ist sehr allgemein gestellt, hier möchte ich einen Beitrag zum Themenbereich Armee und Polizei posten. Erstens hat jede Armee Militärpolizei ("Feldjäger"), Angehörige der Polizei wurden nicht unbedingt zur Militärpolizei mobilisiert, während manche Einheiten der Bereitschafts- bzw. kasernierten (usw.) Polizei auch in die Armee eingegliedert werden konnten.
"Polizei" kann auch der Name eines Verbands sein. Oktober 1939
(verfügt am 03.10.1939) begann die Aufstellung der 300. Infanterie-Division (ID), Offiziere und Unteroffiziere kamen von der Polizei, die Mannschaft wurde einberufen, ein Polizei-Bat. wurde auch eingegliedert. Die 300. ID wurde "Polizei"-Division benannt und im selben Monat in die SS eingegliedert; längere Zeit hieß sie dann "4. SS-Polizei-Panzer-Grenadier-Division" und wurde an der (Ost-)Front eingesetzt. Formell wurde die Einheit am 04.05.1945 aufgelöst.
Interessant zu diesem Thema wird unbedingt die am 22. Februar 2009 im Jenaer Stadtmuseum eröffnende Ausstellung zu den Verbrechen des Jenaer Polizeibataillons im II. Weltkrieg.
Zum Foto :
ich kann es leider nicht erkennen, dafür ist das Foto zu klein.
Wenn aber die Brücke auf dem Foto aus Holz gebaut ist, mit 60 Jochen und ca 1300 m Länge, so ist es die Brücke von Wyszogrod über die Weichsel. Erbaut von den Deutschen im I Weltkrieg 1916 und 1999 mit einer modernen Brücke ersetzt.
Sie liegt auf dem historischen Handels- und Pilgerweg über die Weichsel, nicht weit entfernt von den alten Städten Czerwinsk und Plock (Warschau wurde erst Ende XVI Jh. zur Stadt)