Veröffentlicht: 12.04.2009 Eingereicht von: Peter Wacker
Das Bild zeigt meinen Großvater (Mitte) mit ehemaligen Kameraden, nachdem sie wahrscheinlich gerade einen Kranz zum Gedenken der gefallenen Kameraden an der Westfront von 1914 bis 1918 niedergelegt haben. Im Stein zu lesen sind die Orte, an denen die Würth.Inf. Div. eingesetzt war: Priesterwald, Somme, Aisne, Champagne, Verdun, Moreoil, Villers, Bretonneux, Albert, Le Cateau. Auf den Schleifen steht geschrieben: "Die ehem. 478. ..." und: "Unseren gefallenen Kameraden". Auf dem hellen Denkmalstein hinten rechts steht: "Den Gefallenen der Württemb. Nachrichtentruppen". Mein Großvater ging gerne im Waldfriedhof bei Degerloch/Stuttgart spazieren. Könnte das der Ort sein? Wo wurde dieses Denkmal aufgestellt? Steht es heute noch?
Lieber Herr Wacker,
zu den Militärdokumenten aus den 30er Jahren melde ich mich noch, dies hier ist aber einfach und aus dem hohlen Bauch heraus zu beantworten (da ich - aus völlig anderen Gründen - schon auf dem betreffenden Friedhof war, und mir der Ehrenhain für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aus architektonischen Gründen in Erinnerung ist - der Architekt ist Paul Bonatz, der recht bekannte Erbauer u.a. des Stuttgarter Hauptbahnhofes, der Tübinger Universitätsbibliothek etc.)
Ihr Verdacht ist richtig: Das gezeigte Denkmal ist Teil des 1923 von Bonatz gestalteten Ehrenhaines auf dem Stuttgarter (Degerlocher) Waldfriedhof (Koordinaten etwa: 48°44'56.40" N 9°08'34.20" O, wenn Sie das nachvollziehen wollen). Ich nehme an, daß es heute noch steht. Möglicherweise sieht man es (von hinten/unten) auf dem ersten, vor allem aber dem dritten Bild von links in der oberen Reihe unter folgender Adresse: <http://friedhof-ansichten.de/archives/1037>. Die Mauer scheint mir in jedem Fall die Richtige zu sein, der Stein der Stele ist typisch Bonatz und könnte den abgebildeten entsprechen.
Sehr geehrter Herr Berger, Sie haben wie immer einen Volltreffer gelandet! Der Waldfriedhof liegt tatsächlich in der Nähe seines damaligen Wohnortes Heslach. Mit der Seilbahn war es für ihn ein leichtes, dorthin zu gelangen. Jetzt weiß ich, dass das Denkmal 1923 zu Ehren von 8000 gefallenen Soldaten errichtet wurde. Auch auf Google Earth hat es 4 Fotos vom Waldfriedhof zum anklicken. Auf dem Einen könnte im Hintergrund die Stelle auf dem Foto zu sehen sein. Der Ort sieht für mich unwirklich schön aus. Ich denke, bei meinem nächsten Aufenthalt in Deutschland werde ich dort einen Besuch einplanen.
Die Kranzniederlegung 1937 könnte zum Gedenken des 20-jährigen "Einsatz-Jubiläums" seiner Einheit sein. Mein Grossvater war unter andrem im November 1917 in Kämpfe um Höhe 304 und 344 bei Verdun verwickelt gewesen und lag im Mai 1917 in den Schützengräben bei Villers. Beide Ortsnamen sind auf der Stehle in obigem Foto eingemeiselt.
Und 1917 wurde er, trotz von der Arbeiterklasse kommend, zum Gefreiten befördert. Er war sehr stolz darauf. Als weitere Erklärung des 20-jährigen Gedenkens kann ich mir auch vorstellen, dass ihn die Schlachtfelder der Westfront mit all ihren Grausamkeiten geprägt haben. Er erwähnte einmal in seiner Feldpost vom Oktober 1916, dass der neu eingeführte Flammenwerfer in seinem Sturmtrupp "....eines der furchtbarsten Mordinstrumente..." sei.