EINESTAGES - 25. Mai 2013 9:24
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Bedrohte Geräusche

Rrrrrrrrt - rrrrrrrrrrrrrrt - rrrt

Bedrohte Geräusche

Wir hassten und liebten und hörten sie ständig: Ratternde Wählscheiben, fiepende Modems, surrende Kassettenrekorder. Doch viele Geräusche von früher sind vom Aussterben bedroht. Nun will ein Museum sie alle retten. einestages präsentiert die schönsten Audio-Antiquitäten - zum Horchen und Erraten. Von Benjamin Maack

Pssst. Machen Sie mal kurz eine Pause. Nicht mit der Maus klicken oder auf der Tastatur tippen. Nun schließen Sie die Augen und horchen genau hin. Hören Sie das auch? Das kreischende "Drrriiiiiiiiiiiiii, drrriiiiiiiiiiiiiiiii" des Nadeldruckers, das Piepsen, Fiepen, Rauschen des Modems, das sich ins Internet einwählt, oder das stoische Rattern der Wählscheibentelefone. Nein, hören Sie nicht. Natürlich nicht.

In den letzten Jahrzehnten ist es immer stiller geworden um uns. Denn auch wenn ständig darüber gesprochen wird, wie schädlich der Verkehrslärm von Autobahnen und Kopfsteinpflasterstraßen ist, sind wir dabei, eine andere Geräuschquelle langsam, aber sicher zum Schweigen zu bringen: die Technik, die uns im Alltag umgibt. Was früher in unseren Büros und Wohnzimmern klickte, knackte und summte, wird mehr und mehr zu einem Heer stiller Dienstleister, die lautlos ihre Aufgaben für uns verrichten. Mit einem schüchternen Klicken der Maus verschicken wir eine E-Mail, unser Lieblingslied spielen wir mit einer stummen Geste auf dem Touchpad unseres MP3-Players ab und navigieren uns ebenso geräuschlos einen Song weiter.

All diese Dinge hatten früher einen Klang: das dumpfe Knacken der Plattenspielernadel auf dem Vinyl, das eilige Eiern des Kassettentonbandes, wenn es im Schnellvorlauf durch unseren Walkman knatterte. Oder das gemächliche Rascheln eines Blattes Papier, das von einem Faxgerät geschluckt wurde, um durch eine Telefonleitung zu seinem Empfänger zu sausen.

Nach und nach verschwinden diese Geräusche. Ein Faxgerät werden viele noch im Büro stehen haben, der tragbare Kassettenrekorder hingegen wird bei den meisten Leuten längst auf dem Dachboden oder gar im Müll gelandet sein. Und mit ihm die Geräusche, die so viele Erinnerungen in uns wecken.

"Die Symphonie einer startenden Windows-95-Maschine"

Deshalb hat vor einiger Zeit still und heimlich im Internet das "Museum der bedrohten Geräusche" eröffnet. Auf der Website savethesounds.info piepst ein altes Nokia-Telefon neben dem Rauschen eines Fernsehers und einem Videorecorder, der sich mit einer ganzen Kakophonie mechanischer Laute eine VHS-Kassette einverleibt.

Unter den Artefakten grinst den Besucher der Kurator der Website an, ein Vollblutnerd mit dickrandiger Brille und aufgescheuchtem Blick. Sein Name: Brendan Chilcutt. Sein Projekt: die Rettung alter Geräusche. "Stellt euch eine Welt vor", steht da mit sattem Pathos, "in der wir niemals wieder die Symphonie einer startenden Windows-95-Maschine hören. Stellt euch Generationen von Kindern vor, die nicht mit dem Geschwätz der Engel aufwachsen, die in den Tiefen eines Röhrenfernsehers wohnen." Bis 2015 will er deshalb alle bedrohten Geräusche gesammelt und das Museum vervollständigt haben. Denn: "Wer wird meinen Gameboy spielen, wenn ich weg bin."


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Tatsächlich ist der Retro-Klänge-Enthusiast, der in seiner Selbstauskunft verrät, dass er acht Wüstenrennmäuse besitzt, nur eine Erfindung dreier Kommunikationsdesign-Studenten aus Richmond, Virginia. "Wir haben uns Brendan ausgedacht", erklärt Phil Hadad, "damit die Geschichte um die Entstehung der Seite mehr Spaß macht und die Idee bei den Leuten leichter hängenbleibt." Mit dem Projekt meinen es die drei dennoch ernst. Hadad, Marybeth Ledesma und Greg Elwood arbeiten daran, die Seite in ein umfangreiches Archiv zu verwandeln und so eine ganze Reihe von Geräuschen vor dem Vergessen zu bewahren. Damit scheinen sie etwas in den Menschen angestoßen zu haben. Savethesounds.info wurde bereits mehr als 19.000-mal auf Facebook geliked und rund 4300-mal über Twitter geteilt.

Auch in der einestages-Redaktion versetzte uns die Entdeckung der Seite in spontane Begeisterung. Sofort begannen wir, die Geräusche von etlichen halbvergessenen Elektrogeräten nachzumachen, imitierten alte Modems, das Rascheln von Film in einer Super-8-Kamera und stimmten das fröhliche Pling an, das ein Gameboy beim Einschalten macht.

Damit Sie genau so viel Freude an den alten Geräuschen haben wie wir, haben wir uns ein kleines Ratespiel ausgedacht. In der Bildergalerie zu diesem Artikel spielen wir 15 fast vergessene Sounds ab. Können Sie den Rückspulsound eines Kassettenrecorders von dem eines Videorecorders unterscheiden? Und wissen Sie wirklich noch genau, wie schräg und lang der Gesang eines Modems ist, wenn es sich ins Internet einwählt? Finden Sie es heraus! Viel Spaß beim Raten und erinnern!

Es fehlen noch Sounds? Verraten Sie der Redaktion und den anderen einestages-Lesern in der Debatte, welche!

Eingereicht von: Benjamin Maack

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