
BPK
Weltberühmt wurde der Seefahrer
Christoph Kolumbus bekanntlich durch einen Irrtum: 1492 brach er von Spanien aus nach Westen auf, um auf diesem Wege nach Ostasien zu gelangen. Asien fanden der Entdecker und seine Mannschaft auf dieser Route nicht - dafür aber die Inseln der Karibik und Südamerika.
Weniger bekannt ist allerdings, was sie auf ihren Expeditionsfahrten ebenfalls entdeckten. Während Kolumbus' zweiter Fahrt von 1493 bis 1496 bemerkte eines seiner Besatzungsmitglieder, der spanische Mönch Ramón Pané, einen sonderbaren Brauch unter den Ureinwohnern von Haiti: Immer wenn die Könige ihre Götter um Rat fragten, so notierte Pané 1496, schnupften sie in ihren Tempeln ein Pulver in ihre Nasenlöcher - und dieses sei "von solcher Kraft, dass es einem völlig den Verstand raubt". Das mysteriöse Zauberpulver entpuppte sich nach genaueren Untersuchungen als...
1. Schritt: Land entdeckt, Verstand weg
2. Schritt: Blätter in der Nase
3. Schritt: Königin auf Droge
4. Schritt: Nasenschleim und Liebesbeweise
5. Schritt: Heimwerker-Dessous
6. Schritt: Kinderidol im Blindflug
7. Schritt: Den Vogel abgeschossen

Corbis
...Schnupftabak. Mittel- und südamerikanische Völker schätzten schon lange vor Kolumbus' Ankunft die anregende Wirkung der zu Pulver zerstoßenen Blätter von Tabakpflanzen.
Doch erst nach der Entdeckung des Brauchs durch Kolumbus' Expeditionsteam schwappte der Schnupftabakkonsum auch in die Alte Welt herüber - vor allem nach Spanien und Portugal. Während das Tabakrauchen sich schnell in ganz Europa verbreitete, war der Schnupftabak zunächst weit weniger salonfähig. Das änderte sich jedoch bald durch eine besonders prominente Schnupferin, nämlich...
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7. Schritt: Den Vogel abgeschossen

Getty Images
...Katharina von Medici, die Königin Frankreichs. Im Jahr 1561 schickte ihr Jean Nicot (der später zum Namenspaten des "Nicotin" werden sollte) erstmals Schnupftabak aus Portugal, wo er als französischer Botschafter tätig war.
Eigentlich sollte Nicots Geschenk nur der Behandlung ihres Sohnes dienen, der an Migräne litt. Doch auch die Königin war über die Wirkung des Tabaks ganz aus dem Häuschen: Binnen kurzer Zeit machte sie selbst so ausgiebigen Gebrauch von dem Wunderpulver, dass Schnupftabak in ihrem Reich bald nur noch "poudre de la reine" genannt wurde - das "Pulver der Königin".
Als eine der ersten prominenten Konsumentinnen steigerte Katharina von Medici die Beliebtheit des Schnupfens in Europa ganz erheblich. Das wiederum hatte unvorhergesehene Folgen für eine andere Modeerscheinung, nämlich...
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...das
Taschentuch. Eigentlich hatte sich das Textiltaschentuch in Europa bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts verbreitet, allerdings als reines Ziertuch, das in der Hand gehalten wurde und mit dekorativen Stickereien überzogen war. Damen bestäubten die auch als "Schnüffeltücher" bekannten Textilien mit erlesenen Parfums und verschenkten sie als Liebespfand an Herren, denen sie besonders zugetan waren. Auf die absurde Idee, sich damit die Nase zu schnäuzen, wäre damals allerdings niemand gekommen. Dafür verwendete man ausschließlich seine Finger.
Das änderte sich erst, als der Schnupftabak in Europa in Mode kam: Immer häufiger wurden die "Schnüffeltücher" nun auch zum Säubern der Nase benutzt. Offenbar war man es leid, seinen vom Tabak braunen Nasenschleim an den Händen kleben zu haben. Und so setzte sich das Stofftaschentuch durch - eine Erfindung, die weitreichende Folgen für Emanzipation und Bekleidungsindustrie haben sollte, denn....
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...aus einigen zusammengeknüpften Stofftaschentüchern und einem Paar Männerhosenträgern bastelte die Dresdnerin Christine Hardt den ersten modernen
Büstenhalter - patentiert am 5. September 1889.
Obwohl ihre Erfindung eigentlich nur eine geringfügige Verbesserung des schon in der römischen Antike getragenen Busenbandes, der "Fascia", war, erfreute sie sich bald größter Beliebtheit - und das nicht nur unter Frauen, Schneidern und Herrenmagazinfotografen. Fast ein Jahrhundert später sollte sie auch Kinderherzen höher schlagen lassen, denn...
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Corbis
...1969 wurde den Puppenspiel-Pionieren und "Sesamstraßen"-Machern Frank Oz und Jim Henson von einem ihrer Puppenmacher eine neue Figur präsentiert - ein riesiger gelber Vogel namens
Big Bird (in Deutschland bekannt als Bibo).
Der Name war Programm: Big Bird war so groß, dass der Puppenspieler Caroll Spinney mit seinem ganzen Körper hineinschlüpfen musste, um ihn spielen zu können. Das Problem bestand darin, dass keine Löcher im Big-Bird-Kostüm vorhanden waren, die es Spinney erlaubt hätten, nach draußen zu sehen.
Henson und Oz fanden eine ungewöhnliche Lösung. Sie konstruierten einen "elektronischen BH", eine Art Büstenhalter, der dem Darsteller um die Brust gebunden wurde und in dem ein kleiner Monitor lag. Über den konnte Spinney das Bild sehen, das eine Studiokamera von ihm aufnahm.
Generationen amerikanischer Kinder schlossen Big Bird in ihr Herz. Er wurde für Tausende zu einem geliebten Teil ihrer Kindheit - für einen US-Politiker aber schließlich auch zu einer Gefahr, denn...
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...als
Mitt Romney 2012 in den Wahlkampf trat, leistete er sich eine Reihe von verbalen Aussetzern, mit denen er die Gunst der Wähler verspielte. Und der vielleicht empfindlichste dieser Fehltritte drehte sich um Big Bird. Am 3. Oktober 2012 wählte Romney in der ersten Präsidentschaftsdebatte den beliebten gelben Vogel als Beispiel für eine Ankündigung, dem Public Broadcasting Service (PBS) die Regierungszuschüsse streichen zu wollen: "Ich mag PBS, Ich liebe Big Bird. Aber ich werde nicht weiter Geld für Dinge ausgeben, für die ich mir Geld aus China leihen muss."
Eine Welle der Empörung ging durch die Nation. Obamas Wahlkampfteam griff Romneys Fehltritt dankbar auf und spottete, der Multimillionär Romney investiere mehr Energie darin, Big Bird unschädlich zu machen, als sich um reale Wirtschaftskriminelle zu kümmern.
Und so ging Mitt Romney am 6. November 2012 aus den Präsidentschaftswahlen der USA als Verlierer hervor: Während Barack Obama rund 51 Prozent der Stimmen erhielt, blieb Romney selbst mit 48 Prozent hinter ihm zurück. Er scheiterte an einem kleinen Vorsprung seines Rivalen - der diesem möglicherweise von einem großen, gelben Vogel verschafft worden war.
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