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Mutiger Soldat: Das Foto zeigt den 1906 geborenen Ferdi Blume, Patenonkel des Zeitzeugen, kurz vor vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
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Viel war nicht los, im verwunschenen Wennigloh - es sei denn, Onkel Ferdinand kam auf Heimaturlaub vorbei. Ferdi Keuter, der während des Zweiten Weltkrieges in dem Dorf bei seiner Großmutter lebte, erinnert sich an die Jagd auf unschuldiges Gemüse, an leere Milchkannen und eine tobende Oma.
Während der Kriegsjahre lebte ich bei meiner Großmutter in Wennigloh bei Arnsberg. Der Ort hatte in dieser Zeit etwa 70 Häuser. Manchmal saßen Karoline Blume und ihre Cousine im Sommer auf der Treppe vor dem Haus. Dann konnten sie alle Bewohner des kleinen Dorfes aufzählen. Alle Geburten und Todesfälle bekamen einen besonderen Stellenwert.
Im Herbst 1943 war mein Onkel Ferdinand auf Heimaturlaub in Wennigloh. Er nahm mich mit in sein Zimmer, welches ein Fenster mit sechs Sprossen zum Garten hatte. Dort zeigte er mir seine Uniform und seine Stiefel. Besonders kann ich mich noch an seine Fußlappen erinnern. Damit wurden die Füße eingewickelt, bevor die Stiefel angezogen wurden.
Gefallen "für Volk und Vaterland"
Dann machte er sich und mir eine Riesenfreude. Er sagte, er müsse jetzt sein Gewehr unbedingt putzen. Dazu müsse man aber vorher einen Schuss abgeben. Er lud das Gewehr und zielte auf einen Kohlkopf. Dieser stand direkt neben einem Misthaufen. Ich durfte abziehen, während er das Gewehr hielt. Mit einem für mich ohrenbetäubenden Lärm ging der Schuss los - und die Kugel in den Kohlkopf. Von diesem war anschließend nicht mehr viel übrig.
Meine Oma hörte den Schuss und stand Sekunden später kerzengrade in der Türe. Sie wusch ihrem Sohn Ferdinand gehörig den Kopf. Ich hatte den Eindruck, dass ihn diese Strafpredigt nicht sonderlich gestört hat. Mir jedenfalls imponierte mein Onkel sehr.
Dies war sein letzter Besuch in der Heimat, ich sollte ihn nicht mehr wiedersehen. Am 28. August 1944 fiel er "für Volk und Vaterland" in Bessarabien.
Zerbeulte Milchkanne, erzürnte Großmutter
1945. Die dunkle Jahreszeit war angebrochen. Mehrmals in der Woche wurde ich am Abend zu einem kleinen Bauernhof geschickt, um eine Kanne Milch zu holen. Der Weg führte mich an der Kapelle und dem Ehrenmal vorbei. Hier waren allerdings die Jahre der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges noch nicht verzeichnet. Den Namen des Hofes habe ich leider vergessen. Ich weiß nur noch, dass vor dem Haus große Walnussbäume standen.
Als ich nach Hause kam, erzählte meine Oma mir folgende Geschichte: Ihr Sohn Ferdinand wird vor vielen Jahren ebenfalls zum Milchholen geschickt. Er hat Langeweile und versucht eine neue Technik zu üben. Er versucht, die volle Milchkanne mit einem ausgestreckten Finger zu halten. Diesen will er dann nach unten beugen, bis kurz vor den Punkt, wo die Kanne fallen könnte.
Er hat lange geübt und kam ohne Milch nach Hause. Nur die blecherne Milchkanne hatte ein paar Beulen mehr. Mir wurde geraten, es meinem Onkel lieber nicht gleich zu tun.
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