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1885-2008

Kofferaufkleber Ich kleb dir einen!


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Kofferaufkleber : Rudolf Clermont hat seine Liebe zu den farbigen Kofferaufklebern entdeckt - und sie zuhauf gesammelt, wie diese Lithografien aus Ägypten, Italien, Frankreich und Indochina.

Exotik mit Angeberpotential: Kofferaufkleber waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Aushängeschilder von Globetrottern. Wer was auf sich hielt, tapezierte sein Gepäck mit Hotel- und Städte-Stickern. Rudolf Clermont hat die bunten Kleber gesammelt - und zeigt, was oft der wahre Grund des Reisens ist.


"Wenn statt einzelner bunter Zettel
ein Bilderbogen die Wände des Koffers überzieht,
aus dreieckigen, ovalen, viereckigen Bilderreihen,
wenn noch die Kreidezeichen der Zollrevision,
die Flecken von Seewasser, die Beulen
von schlimmen Transporten
ein beredtes Bild geben - dann ist er geadelt,
dann erst prangt er in voller Schönheit."


So beschwor ein namentlich unbekannter Reiseschriftsteller 1914 den weitgereisten Koffer.

Aufkleber auf Koffern hatten ursprünglich ganz praktische Gründe: Hoteldiener brachten Name und Adresse des an- oder abreisenden Gastes auf dessen Gepäck an, um Verwechselungen auszuschließen.

Findige Hotelbesitzer ließen etwa ab 1880 neben den ersten lithografisch gedruckten Postkarten auch typografisch gestaltete Etiketten herstellen. Den Koffer mit Aufklebern, den Visitenkarten bekannter Hotels, schmücken zu lassen, galt von Beginn an als ebenso selbstverständlich wie schick.

"Ich beneidete die Besitzer"

"Wenn ich in irgendeinem großen Hotel in Berlin, Dresden, München, Wien, Montreux, Zürich, London oder Paris Koffer sah, die Etiketten aus allen Erdteilen trugen, aus Kairo, New York, San Francisco, Sidney, Buenos Aires, Schanghai, Yokohama, Kapstadt oder Kalkutta, dann habe ich immer ein wenig Neid empfunden. Vor allem beneidete ich die Besitzer dieser Koffer um die Stunden der Erinnerung, die leuchtend auftauchen, wenn das Auge wieder einmal auf den kleinen, bunten Kunstwerken ruht. Es sind kaleidoskopartige Bilder, die uns, wie ein orientalischer Märchenerzähler, von entschwundenen, glücklichen Tagen und von Zeiten des Weltdurchstreifens vorplaudern," schrieb Harry Nitsch 1927 in seinem Buch "Das Hotel - und Gastgewerbe - Moderne Propaganda-Methoden".

Die Hoteletiketten, in englischsprachigen Ländern "Luggage Labels" genannt, waren die heißgeliebten Clubabzeichen der Globetrotter dieser goldenen Tage - Reisetagebuch und Ansichtskarte zugleich adelten Sie das Gepäck des Reisenden mit seiner ureigensten Geographie, die nicht in wenigen Tagen zu haben war.

Geschichten von fernen Orten

Die farbenfrohe, delikate Gestaltung barg das zentrale Geheimnis für die Attraktivität des Reisens - die Möglichkeit, den Daheimgebliebenen seine Geschichte erzählen zu können. Denn auch wenn diese selbst nie weiter als bis zum Jahrmarkt in der Kreisstadt gereist waren, kannten sie doch die Namen der exotischen, fernen Orte.

Die schönsten Exemplare entstanden in der Zeit zwischen 1900 und 1930. Mit dem einsetzenden Massentourismus der sechziger Jahre und der zunehmenden fotografischen Berichterstattung durch Print und TV wurde diese Form der Reiseandenken nicht mehr gebraucht.


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