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2001

Bundeswehr 2001 "Ich will keine Frau auf meinem Panzer"


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Kampfeinheiten im Visier von Frauen: Seit dem 1. Januar 2001 stehen Frauen sämtliche Laufbahnen bei der Bundeswehr offen - sie können damit erstmals auch in Kampfeinheiten dienen. Der Bundestag änderte Artikel 12a des Grundgesetzes. Soldatinnen können seitdem Dienst mit der Waffe leisten, dürfen aber nicht dazu verpflichtet werden. Das bis dahin gültige Verfassungsverbot für den Dienst von Frauen an der Waffe wurde damit aufgehoben.

Haarnetze, pin-up-freie Spinde und Dixi-Klos im Wald: Als 2001 erstmals Soldatinnen in die Kampfeinheiten der Bundeswehr einrückten, geriet die maskuline Flecktarn-Welt ins Wanken. Peter Dohlich erinnert an groteske Vorurteile, uralte Machowitze und eine Männerdomäne, die von Frauen im Sturm genommen wurde.


Das Gelächter im Hörsaal ließ sich kaum unterdrücken. Mit 20 anderen Unteroffizieren nahm ich im Herbst 2000 in der Offiziersschule des Heeres in Dresden am Lehrgang "Führen im Einsatz" teil. Es ging dabei um das Zusammenwirken der verschiedenen Truppengattungen im Gefecht, um Menschenführung, um den Umgang mit Verletzungen oder Tod - eine ernsthafte Ausbildung. Bis plötzlich das Thema Sexualität an die Reihe war: "Bestehende Partnerschaften sind stets zu achten", stand beispielsweise auf den Vortragsfolien oder etwas von der "Wahrung sexueller Integrität". Wir schauten uns irritiert an und machten uns dann darüber lustig.

Die Bundeswehr bereitete ihre Soldaten in diesen Tagen auf die ersten Frauen in Kampfeinheiten vor, die zu Jahresbeginn 2001 ihren Dienst antreten sollten. Dass es überhaupt so weit kommen würde, konnte sich zunächst kaum ein Soldat vorstellen - auch nicht in meiner Einheit, einem Panzerbataillon in Niedersachsen.

Als uns unser Kommandeur während einer Besprechung mitteilte, dass demnächst weibliche Soldaten zu uns kommen, dachten wir, er macht einen Scherz. Er wirkte auch selbst nicht überzeugt davon. "Die können ja nicht mal Auto fahren, wie sollen sie da einen Panzer führen?", lautete die typische Reaktion. Und noch bevor im Bataillon über die Besetzung von Dienststellen nachgedacht wurde, sagten die Ersten: "Ich will auf meinem Panzer keine Frau haben."

Angst vor Verweichlichung

Frauen in der Bundeswehr waren bis dahin nur im Sanitätsdienst tätig - die Kampfeinheiten hingegen galten als unumstrittene Männerbastionen, über Jahre gewachsene Macho-Hochburgen: Es herrschte ein rauer Ton; an den Spinden und Wänden vieler Zimmer hingen die obligatorischen Pin-Up-Kalender. Das gehörte selbstverständlich dazu. Wer während der Ausbildung oder beim Sport Schwächen zeigte, wurde umgehend als "Mädchen" bezeichnet. Einer meiner Kameraden, der als etwas "weich" galt, hatte das zu spüren bekommen: Die Feier anlässlich unserer Aufnahme ins Unteroffizierscorps erlebte er - völlig betrunken - in einem Rock, den wir ihm angezogen hatten. Als Panzermänner wurden wir unterdessen wegen der rosafarbenen Litzen an unseren Uniformen regelmäßig von anderen Truppengattungen als "weibisch" verspottet.

Mit dem Gedanken, dass Frauen ebenso hochqualifiziert und leistungsfähig ihren Dienst in der Armee verrichten könnten wie Männer, waren wohl die meisten überfordert. Im Nachhinein glaube ich, dass regelrecht Angst davor herrschte, die Einheit würde mit der Verpflichtung der ersten Soldatin umgehend verweichlichen.

Doch schon die ersten Bewerbungen, die wir von Frauen erhielten, widersprachen diesen Sorgen und Klischees: Von den Bewerbungsfotos lächelten keine grimmigen Hardcore-Emanzen, sondern ganz normale junge Frauen. Und ein Blick in die meisten Lebensläufe machte schnell klar: Hier suchte keine ihre letzte Chance, weil sie im Zivilleben versagt hatte. Allerdings machten wir uns einen Spaß daraus, die Bewerberinnen nach der vermuteten Breite ihrer Becken einzuteilen, nach dem Motto: Die passt noch durch die Turmluke, und die gelangt nur durch den Notausstieg in den Panzer.

Der Ton ändert sich

Als im Januar 2001 die ersten zehn Frauen in unsere Einheit einrückten, änderte sich das Innenleben unserer Unterkünfte schlagartig: Die Nackt-Poster mussten abgehängt werden, der Spieß erklärte einen Teil der Sanitäranlagen kurzerhand zur Frauen-Toilette. Außerdem hatten alle ab sofort festgeschriebene Duschzeiten zu beachten. Trotzdem ließ es sich kaum vermeiden, dass sich morgens Rekruten in ihren dienstlich gelieferten Feinripp-Unterhosen und Frauen in BH und Slip auf den Fluren begegneten.

Tatsächliche Probleme hingegen entstanden im alltäglichen Dienst. Das ging damit los, dass die männlichen Ausbilder ihren Kommando-Ton inhaltlich überarbeiten mussten. Das übliche "Bewegt-eure-Ärsche" traute sich angesichts der Frauen keiner mehr zu brüllen.

Wirklich schwer taten sich manche Unteroffiziere mit Soldatinnen, die wegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung von vornherein mit einem höheren Dienstgrad, meist als Stabsunteroffizier, eingestellt wurden: Nicht nur, dass sie solche Frauen, die im internen Bundeswehr-Slang "SU, w" – Stabsunteroffizier, weiblich – hießen, als "Stabsunteroffizier, wertlos" herabwürdigten. Häufig behandelten sie diese "Neckermann-Stuffze" bewusst unfair: In unserer Personalstelle wurde von Soldatinnen berichtet, die während Übungen unentwegt Verpflegung für ihre Gruppe holen mussten oder bei kleinsten Verfehlungen gleich mehrere Extrarunden unter ABC-Schutz zu laufen hatten.

Die Abwehrstellung bricht zusammen

Als die Bataillonsführung von solchen Schikanen erfuhr, schritt sie umgehend ein. Tatsächlich mussten wir Unteroffiziere uns auch ziemlich schnell von unseren Vorurteilen verabschieden. Es zeigte sich, dass die wenigen Frauen, die in unserer Einheit dienten, diese keineswegs verweichlichten. Was zusammenbrach, war allein unsere über Monate aufgebaute gedankliche Abwehrstellung. Die Soldatinnen, die sich freiwillig zu Kampfeinheiten gemeldet hatten, waren hoch motiviert und willensstark. Sie wussten um ihren Sonderstatus, forderten ihn aber nicht ein und ließen sich auch von uns nicht in Watte packen.

Die meisten Soldaten hat das beeindruckt. Statt sich ausschließlich in frauenfeindlichen Witzen zu ergehen, unterhielten sich Ausbilder in der Kantine bald anerkennend über den Ehrgeiz oder die Zähigkeit ihrer weiblichen Rekruten.

Daran, dass Frauen in Kampfeinheiten der Bundeswehr - im Gegensatz zu anderen Armeen - zunächst eine Ausnahme darstellten, wurden wir dennoch zwangsläufig erinnert. Etwa während der Manöver, bei denen neuerdings immer ein Transporter auf den Übungsplatz fuhr und zwischen den getarnten Gefechtsständen blaue Dixi-Toiletten für die Frauen aufstellte. Oder während des Schwimmunterrichts, an dem mitunter gleich mehrere Soldatinnen nicht teilnehmen konnten, und stattdessen wegen ihrer Regel nur am Beckenrand saßen und uns beim Schwimmen zusahen.

Als meine Dienstzeit 2003 in der Bundeswehr endete, hatte die der Frauen erst richtig begonnen. Weibliche Panzerbesatzungen waren mittlerweile ebenso selbstverständlich, wie weibliche Vorgesetzte oder Ausbilderinnen. Das Sortiment der Bekleidungskammern war binnen zwei Jahren erheblich erweitert worden. Es umfasste inzwischen schmaler geschnittene Kampfstiefel, engere Gefechtshelme, geweitete Feldblusen, Haarnetze und Uniformhosen, die im Schritt keine Belüftungslöcher mehr besaßen, sondern dicht waren, um Blasenentzündungen vorzubeugen. Es gab keinen Zweifel mehr: Die Frauen waren in der Kampfeinheit angekommen.

Aufgezeichnet von Eike Frenzel.


Debatte

insgesamt 90 Beiträge zur Debatte
Alexander Klein am 7. Februar 2011, 12:13
Sagen Sie mal Herr Thaten, wo liegt eigentlich Ihr Problem?
Zu wenig Zuwendung als Kind? Wenn Sie ernsthaft diskutieren wollen rate ich Ihnen dringenst sich erst einmal zu...

Ulrich Thaten am 25. Januar 2011, 09:50
Aktuell bereichtet der Spiegel von angeblichen Saufgelagen und "puffähnlichen" Zuständen auf der Gorch Fock.
Ist es das, was Frauen bei der Marine und der...


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