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1939

September 1939 "Was ist so schrecklich an einem Krieg?"


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Hans Sönnke DAS BUNDESARCHIV
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Kriegsbeginn: Bedingungslos glaubte ich 1939 als Achtjähriger den offiziellen Verlautbarungen, die Polen hätten durch ihren Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz das Fass zum Überlaufen gebracht. Deutschland hatte keine andere Wahl, fand ich, als in das Nachbarland einzumarschieren.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-51909-0003

Er wünschte sich nichts sehnlicher, als rasch zu wachsen und Soldat zu sein: Bei Ausbruch des Zweiten Krieges war Ernst Woll sieben Jahre alt. Warum seine Eltern ihn aus dem Zimmer schickten, wenn sie über Politik sprachen, verstand er nicht. Zunächst jedenfalls.


Ab 1937 besaßen meine Eltern einen modernen Radioapparat. Bis der Krieg begann, war er das einzige Gerät dieser Art in unserer Nachbarschaft. Wichtige Sendungen, vor allem die Reden von Adolf Hitler, hörten wir gemeinsam in unserer Wohnstube an. Zu diesen Anlässen versammelten sich bei uns regelmäßig um die 15 Männer und Frauen, allesamt Eigentümer kleiner Bauernwirtschaften der näheren Umgebung.

1938 war ich sieben Jahre alt. Ich erinnere mich daran, dass die Erwachsenen während der Rundfunkstunden immer vom Krieg sprachen. Vom Krieg, der nicht mehr fern sei. Sie stellten Vergleiche zum Ersten Weltkrieg an, und sie waren der Überzeugung, dass ein neuer Krieg furchtbar werden würde. Uns Kinder beeindruckte eher die schnarrende, laute, ja manchmal sich überschlagende Stimme Hitlers, und ich kann mich daran erinnern, bei den Gesprächen herausgehört zu haben, dass die Erwachsenen den Friedensbeteuerungen des Führers misstrauten.

Meine Sicht auf die Dinge war eine andere. Ich fragte: "Warum soll ein Krieg etwas Schreckliches sein? Deutschland siegt und wird ein großes Reich, in das wir alle Deutschen, die jetzt noch im Ausland leben müssen, zurückholen." So oder ähnlich hatte ich es in der Schule vom Lehrer gehört und begeistert aufgenommen.

Böses Vorzeichen

Auf tiefgründige Gespräche mit uns ließen sich die Erwachsenen damals nicht ein. Häufig wurden wir, wenn es um Politik ging, sogar aus dem Zimmer geschickt. Den Grund dafür verstand ich erst später: Unsere Eltern hatten Angst davor, dass wir Äußerungen, die nicht im Sinne des Naziregimes waren, an ungeeigneter Stelle ausplauderten.

Auf meine Frage nach den Schrecken des Krieges erhielt ich also nur eine vage Antwort: "Hoffentlich bleibt es dir erspart, Soldat werden zu müssen." Aber auch das wollte ich nicht verstehen und nahm lieber so manche Gelegenheit wahr, heimlich zu lauschen, wenn sich Erwachsene über den bald zu erwartenden Krieg unterhielten.

In dieser Vorkriegszeit sahen wir ein Nordpolarlicht. In Deutschland kann man dieses Phänomen nur selten beobachten. Das Naturschauspiel - ein großflächig, rot-grün streifig verfärbter Himmel - beeindruckte mich damals ungemein. Die älteren Leute und auch meine Großeltern sagten: "Das ist ein böses Vorzeichen und bedeutet Krieg." Diesmal traf ihre abergläubische Prophezeiung sogar ein.

schnell größer werden

An den 1. September 1939 erinnere ich mich noch sehr gut. Meine Eltern gingen auch in diesem Jahr mit mir zum Schützenfest, das wir Vogelschießen nannten. Es fand traditionell in jedem Jahr am letzten Wochenende im August statt. Ein mit meinem Vater gut bekannter Angestellter der Stadtverwaltung schaute aus dem Fenster seines Hauses, als wir auf dem Weg zum Festplatz waren, und rief: "Esst euch nur noch mal richtig an Rostbratwürsten satt, denn morgen geben wir Lebensmittelkarten aus!"

Alles war für den Kriegsbeginn vorbereitet worden. Am Montag wurden die Marken an die Familien ausgeteilt. Meine Eltern kannten diese Gepflogenheiten schon vom Ersten Weltkrieg, und mein Vater sagte: "Jetzt ist der Krieg nicht mehr aufzuhalten. Der wird schlimmer als wir ahnen." Ich war anderer Meinung. Bedingungslos glaubte ich damals die offizielle Propaganda, die Polen hätten durch ihren Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz das Fass zum Überlaufen gebracht. Deutschland hatte meiner kindlichen Ansicht nach keine andere Wahl, als in das Nachbarland einzumarschieren. Ich wollte schnell größer werden, um Soldat werden zu können.

Als 14-Jähriger, nach vielen entbehrungsreichen Jahren des Krieges, wurde ich in den letzten Kriegswochen noch tauglich gemustert und durfte mich freiwillig zum Kriegsdienst melden. Meine Mutter verhinderte mein Einrücken. Heute bin ich ihr dafür dankbar. Damals - welch Widersinn! - schmollte ich.


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