Über einestages

1956

Landschulheim Wegscheide Ein paar unbeschwerte Wochen


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Gruppenbild im Landschulheim: Das Bild entstand 1956 während eines mehrwöchigen Aufenthalts auf dem Landschulheim der Stadt Frankfurt am Main, der Wegscheide bei Bad Orb im Spessart.

Zwischen Abenteuerlust und Gruppendisziplin: Die Wochen in einem Frankfurter Landschulheim brachten in den Fünfzigern willkommene Abwechslung vom Schulalltag. In ungezwungener Atmosphäre kam es auch zu ersten Anbandelungsversuchen mit dem anderen Geschlecht.


Viele Kinder aus Frankfurt am Main werden sich noch an ihren Aufenthalt im in der Nähe von Bad Orb gelegenen Landschulheim Wegscheide erinnern. Nachdem die Gebäude ab 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Stammlager für Kriegsgefangene der Deutschen Wehrmacht und nach Ende des Krieges als Flüchtlingslager für Heimatvertriebene gedient hatten, konnten hier ab Mitte der fünfziger Jahre Schüler und deren Lehrer aus Frankfurter Schulen zur Sommerzeit für einige Wochen unterkommen.

Mit dem Bus oder der Eisenbahn ging es hinauf in den Spessart. Nach Einweisung und Gerangel um den besten Bettplatz wurde erst einmal die nähere Umgebung erkundet. Wer allerdings meinte, er sei nun der Pflichten weitgehend enthoben, sah sich getäuscht, denn bereits ab dem nächsten Tag begann ein geregeltes Leben: nach dem Aufstehen mussten die jungen Besucher "Klar Schiff" auf den Stuben machen, in großen Behältern das Essen aus der Küche heranschaffen, die Tische decken und nach dem gemeinsamen Mahl abwaschen - eine besonders unbeliebte Beschäftigung.

Aber natürlich wurde das Lernen nicht vergessen: Täglich fand Unterricht statt, wenn auch in etwas entspannterer Atmosphäre als in der Schule. Und es blieb auch ausreichend Raum für Freizeitaktivitäten. Die Jungen schnitzten Figuren oder Schiffchen aus Rindenborke, die Mädchen stellten Bommeln her, die sie verschämt ihrem heimlichen Schwarm zusteckten. Mancher wird sich hier erstmals verliebt haben, kamen sich doch Mädchen und Jungen abends "auf der Höhe" beim Volkstanz und gemeinsamen Singen am Lagerfeuer näher.

Schwänzen für den Kinobesuch

Um sich der allgegenwärtigen Reglementierung und Beaufsichtigung durch den "Lehrkörper" wenigstens kurzzeitig entziehen zu können, brauchte man natürlich einen triftigen Grund. Selbstverständlich durfte das Gelände der Wegscheide nicht ohne ausdrückliche Genehmigung verlassen werden. Da meldete mancher sich schon einmal zu einem "dringend" anstehenden Zahnarztbesuch ab, um in Bad Orb ins Kino oder das Eiscafé zu gehen. Ob das die Lehrer wohl geahnt haben?

Rückblickend jedenfalls war der Aufenthalt auf der Wegscheide ein erinnerungswürdiges Erlebnis in einer Gemeinschaft von Freunden.


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