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1989

Mauerfall in Westfalen Neuigkeiten für Musculus


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Öffnung der Grenze: Grenzöffnung am 9. November in Berlin. Die Kontrollen werden komplett eingestellt. Ohne Restriktionen können die Ost-Berliner in den Westen - und die West-Berliner in den Ostteil der Stadt spazieren. Der einstige Todesstreifen zwischen Ost- und West-Berlin wird zum Boulevard.

Nicht jeder Deutsche hat den Mauerfall in Berlin erlebt. Oder wenigstens live am Fernseher verfolgt. Im weiten Westen der Bundesrepublik wurde die Nachricht schon mal eher stoisch aufgenommen.


Im Sommer 1989 wurde ich zur Bundeswehr eingezogen. Während unserer Grundausbildung drehte sich erkennbar und immer rasanter die politische Lage in Europa. Die Ausbilder bemühten sich, Gorbatschows Sowjetunion nicht mehr als möglichen Feind darzustellen. Man sprach nicht mehr von "Rotland", sondern von Orange. (Dabei ist die Unterscheidung von Freund und Feind als Blau und Rot viel älter als die Sowjetunion!).

Im Spätsommer wurden Teile der Niedersachsen-Kaserne in Dörverden für Flüchtlinge aus der DDR und Spätaussiedler aus Osteuropa und der Sowjetunion geräumt, weil die eigentlichen Aufnahmelager überfüllt waren.

Der 9. November 1989 war ein Donnerstag. Unser Dienst endete um 16.30 Uhr. In Anbetracht des Dienstbeginns um 7 Uhr lagen alle Rekruten um 22 Uhr zum Zapfenstreich im Bett. Niemand hörte Nachrichten oder sah gar die Spätnachrichten wie "Tagesthemen" oder "heute-journal".

Für den nächsten Morgen, Freitag, an dem wie gewöhnlich mittags Dienstschluss sein sollte, war traditionell Stuben- und Revierreinigen angesetzt. Während sich die anderen Stubenkameraden um unser Revier, den Flur, kümmerten, fegte ich die Stube aus, und hörte dabei Nachrichten.

Damals gab es erst einen Privatradiosender, und der öffentlich-rechtliche Hörfunk gab sich noch betont seriös. Und so hörte ich den NDR-Sprecher emotionslos folgende Sätze lesen (sinngemäß aus der Erinnerung zitiert):

"Gestern Abend kam es in Berlin zu volksfestähnlichen Szenen, als die Bewohner beider Stadtteile die Öffnung der Grenzübergänge auf den Straßen und Plätzen der Stadt feierten."

Was sagte er? Öffnung der Grenzübergänge? Das hieß ja... Ja. Ja, hieß das wirklich...? Niemand hatte mit mir die Nachrichten gehört, so dass ich auf den Flur lief, um die Nachricht weiterzuerzählen.

Hinten auf dem Flur fegte brav ein Stubenkamerad aus Westfalen. Zu ihm lief ich hin, weil ich sonst auch niemanden sah und rief: "Die Mauer ist gefallen!" Er hielt inne, sah mich an, antwortete: "Oh, schön" und fegte weiter - dabei stark an den Legionär Musculus aus "Asterix bei den Olympischen Spielen" erinnernd. Und so kam auch ich wieder aus den emotionalen Überschlägen dieser historischen Nachricht auf den zu fegenden Boden der Kaserne zurück.

Lesen Sie auch:

Leipzig, 9. Oktober 1989: "Wir sind das Volk!"

Die Nacht des Mauerfalls: "Wir fluten jetzt"


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