| Fritz Schatten: Langjähriger Journalist der Deutschen Welle. |
Der Krieg ging dem Ende entgegen, und die Propaganda faselte noch immer vom Endsieg: Fritz Schatten fühlte sich verraten - und dann erlebte er während der sowjetischen Besatzung überraschend den Triumph der Menschlichkeit.
Im Februar 1945 erzwang der Vormarsch der Roten Armee die Evakuierung der Stadt Guben an der Neiße. Der damals 15-jährige Fritz Schatten wurde mit seiner Familie in das zerstörte Berlin gebracht. Die Stadt wurde noch immer bombardiert, verteidigt kaum mehr. Der deutsche Widerstand war gebrochen und der lange propagierte Endsieg ausgeblieben - die Propaganda aber wurde trotzdem nicht müde, ihn zu beteuern. Nur knapp entgingen Fritz und seine Familie einem Fliegerangriff.
Den zu seiner Überraschung friedlichen Einmarsch der Sowjettruppen erlebte der Junge im April 1945 in einer ostbrandenburgischen Kleinstadt. Hatten die Nationalsozialisten nicht immer behauptet, die Sowjets seien wilde Berserker?
Fritz kehrte mit seiner Familie nach Guben zurück. Der Anblick der ausgemergelten KZ-Häftlinge in gestreiften Uniformen, denen er auf dem Treck begegnete, schockierte ihn. Im Angesicht des grausamen Unrechts wuchs in ihm die Überzeugung, dass dergleichen nicht noch einmal passieren dürfe.
In Guben regierte das Besatzungschaos. Polnische Jugendliche überfielen und bedrohten die Familie. In ihren Augen waren alle Deutschen Nazis. Ein polnischer Leutnant stellte sich schützend vor die Familie und gewährte Fritz Unterschlupf, als mehr und mehr junge deutsche Männer von den Sowjets verhaftet wurden. Als aus dem Ostteil der Stadt Guben endgültig alle Deutschen über die Neiße vertrieben wurden, sorgte der Pole für die Unversehrtheit der Familie. Seine Hilfe, so erklärte er, sei die Antwort auf die Taten eines deutschen Offiziers, der während der deutschen Besatzung Polens seinen Eltern schützend zur Seite gestanden hatte.
Es ist ein versöhnliches Resümee, das der Journalist Fritz Schatten, über Jahrzehnte Korrespondent mehrerer Zeitungen sowie der Deutschen Welle, heute zieht: "Menschlichkeit macht an Grenzen nicht Halt. Ich habe diese Einsicht an meine Kinder weitergegeben, und ich bin sicher, dass sie sie an ihre Kinder weitergeben werden."
Im knapp siebenminütigen Video auf www.memoro.org erzählt Fritz Schatten seine Geschichte!