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1980-1990

Ostseebilder aus der DDR Sonnenbad am Todesstreifen



17 Debattenbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Siegfried Wittenburg

17. Dezember 2010, 11:11
Sehr geehrter Herr Reyer,
ich werde mich davor hüten, drastische Beispiele vom Leben in der DDR anzuführen. Die Spannweite dieses untergegangenen Staates reicht vom Palast der Republik über den Kreml bis nach Hohenschönhausen. Jeder der 17 Millionen Menschen hatte darin seine mehr...

Thorsten Goldberg
4. Dezember 2010, 23:12
Für den Zeltplatz Prerow kann das nächtliche Strandverbot kaum gegolten haben, denn dort standen die Zelte auf dem Strand und die Bewohner hielten sich logischerweise dort also auch nachts auf. Ich erinnere mich auch nicht daran, dort patrouillierende Grenzsoldaten gesehen zu haben, was in meinen damaligen Kinderaugen schwer enttäuschend gewesen sein musste – damals haben mich Uniformen und Maschinenpistolen nämlich noch mächtig fasziniert.

Der ersten und einzigen Strandpatrouille bin ich Jahre später mit ein paar Armee-Kumpels zusammen auf Usdeom begegnet. Wir hatten uns über das Wochenende aus unserem Regiment in der Nähe Berlins verdrückt, waren – völlig illegal – an die Ostsee gefahren, hatten uns dort, wie es sich für Soldaten im Ausgang gehörte, schwer betrunken und übernachteten schließlich am Strand. Mitten in der Nacht weckte uns eine Strandpatrouille. Die Grenzer fragten auch nach unseren Personalausweisen, die die meisten von uns aber nicht hatten. (Grundwehrdienstleistende musste ihre Ausweise für die Dauer ihrer Dienstzeit abgeben und konnten sie nur manchmal durch Schummelei behalten oder wieder bekommen.) Passiert ist aber trotzdem nichts. Den Grenzern, die in unserem Alter waren, war eben klar, dass wir in keiner Verfassung waren, um nach Bornholm zu schwimmen.

Kurz und gut: ja, es gab Schikanen an der Ostsee und auch dort ist, wie überall in der DDR, fürchterliches Unrecht geschehen, aber man hat sich dort eben auch nicht permanent nur zwischen Uniformen und Kalaschnikows bewegt.
Frank Jeschek
5. Dezember 2010, 17:57
Sehr gelungene Fotos! Doch muss man wirklich immer alle DDR-Klischees bedienen, um ein paar Bilder aus der „Ostzone“ im Spiegel zu platzieren: Todesstreifen, Dauermangel, und fast alle Ossis wohnten früher natürlich in Bitterfeld.
Auch ich bin ein Kind der Ostsee und habe meine Kindheit/Jugend dort verbracht, aber an eine Ausweiskontrolle am FKK-Strand auf Hiddensee würde ich mich sicher erinnern, und beim Sex in den Dünen gab es eher Probleme mit dem Landschaftsschutz (aus heutiger Sicht zu Recht).


Dornbusch 1962
Steffen Klotzsch
6. Dezember 2010, 07:34
Sehr schöne Fotos! Die damals noch vorherrschende Schwarz-Weiß-Technologie unterstützt das heute propagierte Ambiente der Trostlosigkeit, Depression und Kälte in DDR-Zeiten. Sorry von einer Pflicht für Familien, über Besuche Buch zu führen, habe ich (als Ex-DDR-Bürger) noch nie was gehört. Auch der Titel des Beitrages ("Todesstreifen") ist sicher fördernde Voraussetzung, dass dieser Beitrag hier veröffentlicht wird. Wahr ist, dass Essen gehen und einkaufen immer bissel schwierig war. Aber wir warens ja nicht anders gewohnt. Naja. Aber trotzdem schöne Erinnerungsbilder. Sorry, dass ich alle meine fast jährlichen Ostsee-Urlaube (die ich mir seit der Wende nicht mehr leisten kann,) geliebt habe und mich die Westgrenze überhaupt nicht interessiert hat.
Rolf Dießner
6. Dezember 2010, 13:58
Die DDR-Oberen entwickelten eine regelrechte Phobie vor Fluchtversuchen zu Wasser. Ein Verwandter musste seine Wehrpflicht bei den See-Grenztruppen ableisten - er war Nichtschwimmer...
katrin ehmke
6. Dezember 2010, 15:40
Sehr geehrter Herr Wittenburg,

vielen dank für diese schönen fotos.
bin 1967 in rostock geboren und in evershagen, später diedrichshagen aufgewachsen.
kann alle aussagen ihres artikels komplett bestätigen.
insbesondere die ausweiskontrollen am strand, wenn wir mit ein paar jugendlichen dort anbaden wollten zum maisprung o.ä.

Siegfried Wittenburg
6. Dezember 2010, 16:57
Danke, Frau Ehmke. "Maisprung" als Anbadeereignis ist köstlich. Habe ich noch nicht gehört.
Vielste Grüße! S. W.
Gunda Mapache
6. Dezember 2010, 17:09
Nur ein kleiner Hinweis zu Bild 19, der Fähre von Warnemünde nach Gedser, auf der nicht nur Dänen fahren konnten! Ich bin in Westberlin aufgewachsen, also auch ein Mauerkind in gewissem Sinne, und die Fähre war unser Nadelöhr in den Urlaub, nach Dänemark. Ich erinnere mich nur sehr gut, wie wir in den Siebzigern mit unserem nach heutigen Maßstäben winzigen Opel Kadett nach Warnemünde fuhren, um dort im Hafen die Grenzkontrollen über uns ergehen zu lassen. Wir waren zu viert, meine Mutter, meine beiden älteren Schwestern und ich und meine Mutter hatten das Auto packen perfektioniert: jede noch so kleine Ritze wurde als Stauraum genutzt, Socken oder Strickwollknäuel wurden gern auch mal einzeln in Lücken gestopft. Und wenn die Grenzer dann den Kofferraum aufmachten, gab es zwei mögliche Reaktionen: entweder hieß es "auspacken!", was auch mal dazu führen konnte, dass man die Fähre verpasste, oder der Grenzen schlug den Kofferrraum mit einem hilflos-angeekelten Gesichtsausdruck wieder zu und winkte uns durch.

Später, kurz nach der Wende, hatte ich einen dänischen Freund und stieg regelmäßig Freitags um 22 Uhr am Berliner Ostbahnhof in einen Zug, der in Warnemünde auf die Fähre fuhr und Samstags morgens um 8 in Kopenhagen ankam.

Heute fährt der Zug zwar noch bis Warnemünde, aber dann ist Schluss...
Klaus Taubert
7. Dezember 2010, 22:34
Ich bin wieder einmal begeistert von den Aufnahmen Siegfried Wittenburgs, die das Leben einfingen, wie es sich darbot in einer Zeit, in der man aus der geschlossenen Anstalt DDR das Beste zu machen versuchte. Irgendwie spricht dennoch eine gewisse Traurigkeit aus vielen Aufnahmen, ein bisschen Hoffnungslosigkeit und Demut der Natur gegenüber, an der die Großen der Politik bei aller Macht kaum zu rühren mochten.
Schön, dass es diese Bilder gibt.
Ulli Reyer
8. Dezember 2010, 01:41
Na, so schlimm war es nun auch wieder nicht. Es mag einzelne Strände gegeben haben, wo man nachts nicht hindurfte, aber generell galt das jedenfalls nicht. An den meisten Stränden sind doch nachts die ganzen Angler erschienen und in den Dünen, na ja, da waren die Leute auch beschäftigt. Ich bin selbst an der See aufgewachsen, bestimmt ein paar hundert mal nachts am Strand gewesen und bin weder je kontrolliert worden, noch habe ich je Grenzsoldaten mit Kalaschnikows da gesehen. Allenfalls war mal der ABV da um nach dem Rechten zu sehen.

Besuch melden? Nie davon gehört, obwohl ich mir sehr gut vorstellen kann, dass das thoeretisch Pflicht war. Wie sovieles in der DDR war da die Umsetzung wohl eher lax. Haben wir jedenfalls nie gemacht, obwohl wir das Phänomen mit den Sommerbesuchen auch hatten.

Also: Schöne Fotos, aber ein paar Klischees weniger hätten es wohl auch getan.
Siegfried Wittenburg
9. Dezember 2010, 20:35
Ach, Herr Ulli Reyer, und mit den stark gebündelten Scheinwerfern, die nachts die Meeresoberfläche ableuchteten, wurden die Dorsche für die Angler angelockt...

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