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40 Jahre "A Clockwork Orange" "Wir fühlten: Das ist unser Film"



34 Debattenbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Jo Frank

30. Juni 2011, 17:53
Na es soll ja auch nicht jeder feiern dürfen! Nur Herr Campino. Und die, die bei seinen Konzerten Eintritt gelatzt haben!

Wo kämen wir hin, wenn Jugendliche einfach zuhause feiern, wenn die Eltern weg sind??? Da geht man doch rein und macht alles kaputt, damit die das nie wieder mehr...

Marina Sandtke
22. Juni 2011, 16:53
Der Film hat auch mich fasziniert und gleichzeitig erschreckt. Allerdings geht mir diese distanzlose Verherrlichung von Campino und einiger der Kommentator/innen hier doch etwas zu weit. Auch auf die Gefahr hin, als Spießerin zu gelten: es ist eine Sache, sich zu prügeln und Sachen zu zerstören, eine andere, in diesem Kontext auch (Gruppen-)vergewaltigungen künstlerisch zu inszenieren. Ich hoffe, darüber spricht Campino mit seinem Sohn dann auch. Sonst vergleicht der am Ende auch noch die Verführung Minderjähriger oder Fälschung mit einem Kapitalverbrechen mit Todesfolge.
Ilija Kuttruff
22. Juni 2011, 17:12
Liebe Leser!
Regt Euch doch nicht so über den Herrn Campino auf. Der Mann ist doch überhaupt kein Punk und kann gar nicht mitreden, meint es aber immer tun zu müssen. Ich kenne nicht ein Punklied der Toten Hosen und der Sohn eines Richters und einer Lehrerin und offenbar aus einem wohlbehüteten Heim, kann nur sehr schwer ein von sich überzeugter Punk sein. Als Punk wird man durch die Erfahrungen in seiner Jugend, die meistens leider nur durch zerrüttete Verhältnisse zu Hause und in den ersten Schuljahren/Leben allgemein herrührt. Herr Campino hätte wohl eher zu den BWL Studenten gepasst, deswegen sehr wahrscheinlich der abfällige Kommentar zu Beginn:) Clockwork Orange ist auch kein Film der über die Punkszene handelt, sondern Subkulturen generell anspricht. Ob es die Mods, Rocker, Punks, Hippies war egal was. Es ging darum anders zu sein und aufzufallen und natürlich zu provozieren um sich das ersehnte Gehör und die im echten Leben fehlende Anerkennung zu verschaffen.
Volker Walossek
22. Juni 2011, 17:46
Das ist also die Art wie Punks linke Ideale von Brüderlichkeit und Solidarität umsetzen. Telefonzellen und Laternen kaputtschlagen, damit Vergewaltiger auch ein leichtes Spiel haben.
Nicht BWL studieren, damit man auch bloß nichts konstruktiv Verändern kann am Scheißkalpitalismus, da man sich erfolgreich dagegen gewehrt Fachwissen zu erlangen.
"Wir haben der Fratze der Gesellschaft ins Gesicht gelacht." soll wohl heißen, wir haben gezeigt, dass Linke nichts als durchgeknallte Taugenichtse sind.
"Natürlich hatten wir auch irgendwie Spaß daran, ein kleines bisschen Horrorshow zu verbreiten. Manchmal haben wir mit 50 Mann Feten gestürmt, in drei, vier Minuten alles ausgetrunken und hochprozentigen Alkohol in Aquarien mit Zierfischen geschüttet. Dann wurde noch das Schlafzimmer der Eltern auseinandergenommen und wir sind lachend abgehauen."
Arme Zierfische qualvoll verecken lassen und Jugendlichen, die sich ein bißchen Freiheit wie eine Fete im Haus der Eltern durch Verantwortungsbewußtsein erkämpft haben, alles kaputt machen. Das ist Linke Solidarität.
Oh und da finden sie in einem verlassenen Haus noch gut brauchbare Möbel, aber anstatt sie an Arme zu verteilen hauen sie die kaputt. Voll super.
Wer so erfolgreich in seiner Jugend Linke Ideale verraten und die Linke in Verruf gebracht hat, kann sich natürlich eines Ehrenplatz im Establishment sicher sein. Gratuliere Campino. Wir brauchen mehr wie dich.
Michael Mucha
22. Juni 2011, 18:06
Wie schön, das mal wieder nur kritisiert wird.
Für den einen sind und waren die Hosen nie eine Punkband, für den anderen scheint Campino ein Verbrecher zu sein. Irgendwie typisch Deutsch.
Und zum Thema Punk, das war und ist eine Art Lebensgefühl, das kann man an nichts festmachen.Und das man sich im Laufe der Zeit ändert ist auch nichts außergewöhnliches.
Zumindest für mich waren die Hosen von Anfang an eine geniale band, zum ersten mal in Marl gesehen und die Sache war klar.
Dazu das früher mal eine Party gestürmt wurde und evtl. das eine oder andere zu Bruch ging, klar, heute sieht man das anders, aber früher gehörte das dazu.Aber direkt deshalb mit Vergewaltigern und Mördern verglichen zu werden ist mehr als engstirnig.
Achja, Linke Ideale sitzen heute mit ihrer Pfeife im Ledersofa und sinnieren über die Ungerechtigkeit der Welt, Respekt :
Domenico Giannino
22. Juni 2011, 18:08
"Clockwork Orange" ist ein Film, der wichtige philosophische Grundfragen stellt: Wie weit darf eine Gesellschaft gehen, um ihre Werte durchsetzen? Darf sie dabei sogar ihr eigenes Wertefundament verlassen, nur, damit der Zweck die Mittel heiligt? Darf der freie Wille gebrochen werden, um einen Verbrecher zu bestrafen, der gerade durch das hemmungslose Ausleben desselben Schuld auf sich geladen hat?
Kubricks Film gefällt mir besser als der Roman von Burgess. Während die Buchvorlage einen optimistischen Schluss besitzt, lässt Kubrick seinen Alex am Ende einen faustischen Handel mit dem "Minister of the Inferior" eingehen. Damit die Regierung weiterhin ihr Programm zur Umerziehung von Schwerverbrechern verfolgen kann, welches durch den Selbstmordversuch des konditionierten Alex so schwer in die öffentliche Kritik geraten war, vereinnahmen sie den Rekonvaleszenten in einem zynischen Deal: Sie machen die "Ludovico - Behandlung" bei ihm rückgängig und geben ihm materielle Sicherheit und Schutz vor der Strafverfolgung, damit er dafür Werbung für eben das Programm der Behörden macht, damit es fortgeführt werden kann.
Kunst um der Kunst willen, mit einer hoffnungslosen, dystopischen Botschaft. Einer der besten Filme des 20. Jahrhunderts und zugleich sein ehrlichster Kommentar!
Hendrik Wachman
22. Juni 2011, 19:01
Mich würde interessieren, wie Campino heute reagieren würde, wenn Jugendliche eine Party seines Sohnes "überrennnen" und in seiner Wohnung randalieren würden.

Eigentlich müsste er lächeln und es gut finden. Sind ja alles keine vom "System" gleichgeschalteten Jugendliche gewesen und den Spass, den er hatte, sollte er auch anderen gönnen.
Susanne Almstedt
22. Juni 2011, 19:18
Ich bin erschüttert darüber, dass dieser Campino weder den Film verstanden noch den Roman gelesen hat.

Es geht hier nicht um Randale, sondern um die Frage, ob es ohne das Böse überhaupt Freiheit geben kann. Letztlich rechtfertigt Burgess damit das Böse oder gibt ihm zumindest einen Sinn. Burgess selbst hat sinnlose Gewalt in seinem Leben auf schmerzhafte Weise erfahren müssen, daher eben diese Frage nach der Rolle oder dem Sinn des Bösen.

Was dieser Campino aus "A Clockwork Orange" mitgenommen hat, ist erbärmlich wenig und eines Punks unwürdig. "Kindergarten-Punk" (N. Rutschmann) trifft es ziemlich genau.
Hans Hansen
22. Juni 2011, 19:31
mir hat den film auch mein vater gezeigt als ich 14 war, das war vor 22 jahren. ich fand den film geil, zwischenzeitlich langweilig und dann wieder geil (30 mal gesehen, mindestens), das buch ist aber besser. der film ist übrigens auch in der skinhead/nazi-szene sehr beliebt, die droogs sehen skins auch viel ähnlicher, m.e. passen sie auch vom verhalten viel besser. frauen z.b. sind in dem film nur sexobjekte oder dumme sexgeile luder, das wars, passt nicht so ganz zu "links" … vergewaltigen auch nicht so ganz und bei klassischer musik die erbeuteten reichtümer zählen auch nicht wirklich oder? ich denke die droogs hätten "punks" wie ich es früher war oder wie campino es war sofort auseinandergenommen! also warum punks den film als vorbild sehen kann ich nicht ganz verstehen.

und das rumgehacke auf campino kann ich auch nicht ganz verstehen, sicher, er ist kein hausbesetzender asselpunk ohne schneidezähne aber muss man das sein um sich punk nennen zu können? ich höre auch nichts von den hosen, schon garnichts was jünger ist als 20 jahre, aber das uhrwerk orange album fand ich damals ziemlich geil.
Joern Volkmann
22. Juni 2011, 21:08
"Eine totale Angstvorstellung von mir ist es, alleine in einem großen Haus zu sein und ganz laut klassische Musik hören zu müssen. Für Alex hat sie jedenfalls gepasst wie die Faust aufs Auge. "

Hat der Herr Campino leider auch nicht richtig verstanden. Während der "Therapie" wird als Hintergrundmusik Beethoven eingesetzt. Zitat:

Alex: No. No! NO! Stop it! Stop it, please! I beg you! This is sin! This is sin! This is sin! It's a sin, it's a sin, it's a sin!
Dr. Brodsky: Sin? What's all this about sin?
Alex: That! Using Ludwig van like that! He did no harm to anyone. Beethoven just wrote music!

Alex hat somit keine Angst vor klassischer Musik,sondern liebt diese und wird gegen seinen Willen umgepolt.

Ich frage mich, ob Campino den Film jemals komplett erfasst hat. Der wilde Laternenpunk ;-)
Stefan Hast
22. Juni 2011, 22:28
>Das ist also die Art wie Punks linke Ideale von Brüderlichkeit und Solidarität umsetzen. Telefonzellen und Laternen kaputtschlagen, damit Vergewaltiger auch ein leichtes Spiel haben.
>Nicht BWL studieren, damit man auch bloß nichts konstruktiv Verändern kann am Scheißkalpitalismus, da man sich erfolgreich dagegen gewehrt Fachwissen zu erlangen.
>"Wir haben der Fratze der Gesellschaft ins Gesicht gelacht." soll wohl heißen, wir haben gezeigt, dass Linke nichts als durchgeknallte Taugenichtse sind.
>"Natürlich hatten wir auch irgendwie Spaß daran, ein kleines bisschen Horrorshow zu verbreiten. Manchmal haben wir mit 50 Mann Feten gestürmt, in drei, vier Minuten alles ausgetrunken und hochprozentigen Alkohol in Aquarien mit Zierfischen geschüttet. Dann wurde noch das Schlafzimmer der Eltern auseinandergenommen und wir sind lachend abgehauen."
>Arme Zierfische qualvoll verecken lassen und Jugendlichen, die sich ein bißchen Freiheit wie eine Fete im Haus der Eltern durch Verantwortungsbewußtsein erkämpft haben, alles kaputt machen. Das ist Linke Solidarität.
>Oh und da finden sie in einem verlassenen Haus noch gut brauchbare Möbel, aber anstatt sie an Arme zu verteilen hauen sie die kaputt. Voll super.
>Wer so erfolgreich in seiner Jugend Linke Ideale verraten und die Linke in Verruf gebracht hat, kann sich natürlich eines Ehrenplatz im Establishment sicher sein. Gratuliere Campino. Wir brauchen mehr wie dich.

Punk ist nicht politisch und war es auch nie. Er richtet sich gegen Spießer, die für alles eine Schublade brauchen.

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