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1969

Protestkultur Aktion Roter Punkt



2 Debattenbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Werner Donner

18. Juni 2009, 20:22
Erinnerung nach 40 Jahren ist in der Regel nicht perfekt. Daher empfehle ich, sich die 1969 erschienene Zusammenfassung der Ereignisse von Agnes Hüfner, in "Der Rote Punkt" erschienen, nachzulesen. Auf diese wird auch auf der Wikipedia-Seite zu demselben Thema hingewiesen.

Die mehr...

Detlef Mantz
7. Juni 2009, 22:23
Ein wenig sehr anders, als im Bericht erzählt, war es schon damals in Hannover.

Als Mitbeteilgter der Demonstrationen am Steintorkreisel (damals 18 J. alt) möchte ich folgende sehr wichtigen Kleinigkeiten hinzufügen:

Die Demos fanden zunächst zwar sehr friedlich statt, aber die "Bevölkerung" verhielt sich passiv bis ablehnend.
Der große Durchbruch kam in wenigen Stunden:
Die Polizei setzte (IMHO erstmals in Hannover) Tränengas ein und kesselte die Demonstranten recht brutal ein. Viele Passanten beobachteten das vom Rand aus. Ich selbst war mittendrin und wurde in einer Ausbruchbewegung mitgerissen und war draußen (an etliche umgerissene Polizisten, denen "im Vorbeilaufen" Helme und sogar Waffen entrissen wirden erinnere ich mich bis heute - deren fassungslose Gesichter waren kaum älter als ich).

Danach- am gleichen Nachmittag war plötzlich alles anders - viel Sympathie der Bevölkerung bis hin zu Ladenbesitzern, die Kuchen, Kaffee usw. rausbrachten und verteilten.
Eine solch spontane Emergente Ordnung ist in dieser Größe wohl erstmals passiert und womöglich auch so nie wieder in Deutschland.

Irgendwelche Personen oder gar Gruppen waren an diesem Umschwung ganz sicher nicht beteiligt - bis zu diesem Punkt war es eine ganz "normale" Bewegung.

2. Die Verkehrsgesellschaft (Üstra) ließ danach (am gleichen späten Abend) absichtlich einen Anhänger mitten auf dem "Steintor" stehen - ganz deutlich mit der Absicht, dass Demonstranten diesen zerstören.
Stattdessen diente der viele Tage lang als Kulisse für Reden und Kabarett (der erwähnte D.Kittner profilierte sich damit zum späteren Volkskabarettisten).
Auch das war ein wichtiges Detail.
Die Üstra stellte dann am folgenden Tag den Verkehr komplett ein, und daraufhin bildete sich der "Rote Punkt" als Volksbewegung. Die sehr konservative Zeitung "HAZ" druckte erst zwei Tage später einen Roten Punkt auf die Titelseite zum Ausschneiden.
Der Anhänger war sofort und später die Tribüne für die Verbreitung der Nachrichten vom Erfolg der Demonstrationen.

Diese Respektierung von "Volkseigentum" war selbstverständlich aus der Mitte der Bewegung entstanden - gewaltbereite Gruppen waren weder zu sehen noch hätten die irgendeine Chance gehabt.

3. Erst in den folgenden Jahren (als wieder erhöht wurde) wurden Demonstrationen zielgerichtet von Parteien beschlagnahmt - vor Allem von der unsäglich DDR-anhänglichen DKP (leider auch mit D.Kittner). Die Hannoveraner wollten sich nicht vor deren "Karren spannen" lassen und die Demos wurden schnell kleiner bis hin zur späteren Bedeutungslosigkeit.
Ich bin sicher, dass ohne diese Vereinnahmung durch Parteien die Hannoveraner mit der gleichen Begeisterung weiter gemacht hätten - wahrscheinlich erfolgreich, denn der erkämpfte Fahrpreis im 1. Jahr war ungeheuer niedrig - praktisch ein Nulltarif (50 Pfennig Einheitstarif). Es ging also im Grunde um die Frage, ob ÖPNV praktisch vollständig von Steuern finanziert werden sollte oder kostendeckende Fahrpreise haben soll.

Es wurde von Seiten der Stadt Letzteres angestrebt und dann auch sehr schnell mangels Gegenbewegung durchgesetzt.
IMHO war es der Einfluss der unsäglichen K-Parteien aller Art, die das durch ihre Vereinnahmung der Volksbewegung ermöglicht haben.
Werner Donner
18. Juni 2009, 20:22
Erinnerung nach 40 Jahren ist in der Regel nicht perfekt. Daher empfehle ich, sich die 1969 erschienene Zusammenfassung der Ereignisse von Agnes Hüfner, in "Der Rote Punkt" erschienen, nachzulesen. Auf diese wird auch auf der Wikipedia-Seite zu demselben Thema hingewiesen.

Die Aktion war anfangs von Studenten- und Schülervertretungen sowie von
meist linken politischen Gruppierungen getragen worden. Z. B. entwickelte sich z. Bdie Aktion Roter Punkt aus einer studentischen Mitfahrermöglichkeit für Studierende an der TU Hannover. Schon nach wenigen Tagen weitete sich der Protest zu einem fröhlichen Anliegen vieler Hannoveraner aus, die sich spontan selbst-organisierten und den Demonstranten mit großer Sympathie begegneten.

In dem Artikel von Andrea Jonischkies gibt es eine Reihe kleinerer
Unrichtigkeiten, u.a. wird die Rolle des SDS, der zunächst
eifrig mitmachte, dann sich aber leider nach Utopia aufmachte, überschätzt, oder auch bei der Einordnung einzelner "Aktivisten".

In jedem Falle verdient die Aktion Roter Punkt, bei der die Hannoveraner
erst die ÜStra ersetzten und dann zu ihren Konditionen von
Privataktionären übernahmen, eine liebevolle Erinnerung-auch und gerade jetzt nach 40 Jahren.

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