Ryszard Rzedkowski
26. April 2010, 18:04
Ich lebte 1970-1974 in West-Berlin und fuhr tagtäglich zur Schule nach Ost-Berlin (Offiziell : Berlin Hauptstadt der DDR), also 2 Mal am Tag entweder Checkpoint Charly, oder Bhf. Friedrichstrasse. 1974 und 1975 machte ich mein Abitur.
Schon damals war mir klar, dass diese paranoide Teilung einer Nation mitten in Europa ein politischer Konstrukt von nicht ewiger Dauer sein kann. Es hat mich immer wieder gewundert, dass es erst über 10 Jahre Opposition und Tschechien , Kampf der Solidarität und den Ausnahmeztustand in Polen erforderte, bis es dem Volk des "Deutschen Arbeiter- und Bauernstaates" klar wurde, dass man die eigene Geschichte selbst in die Hände nehmen muss.
Mike Leszinski
15. Juni 2012, 19:12
Am 9.11.1989 war ich auf dem Heimweg von einer Gewerkschaftssitzung, als in den Nachrichten die Meldung über die sofortige Genehmigung von Ausreiseanträgen, der berühmte Satz von Schabowski, durchs Autoradio kam. Ich dachte nur: Das gibts doch nicht. Mit allem hatte ich gerechnet, mit zunehmender Gewalt gegen Montagsdemonstranten, eigentlich mit einer Wiederholung von 1953, nur ohne Beteiligung der Sowjetunuion. Denn das war klar, daß mit Gorbatschow kein sowjetischer Einmarsch möglich war.
Ich hatte die "Mauer" von Anfang an bewußt erlebt, obwohl ich beim Mauerbau erst 10 Jahre alt war. Nie werde ich vergessen, wie mein Vater, nachdem er die Nachricht - ebenfalls im Autoradio - gehört hatte, zu uns in die Baracke des Ferienlagers am Rande des kleinen Eifeldorfs Rott kam, ganz bleich, und sagte: Jetzt gibt es Krieg, die Russen mauern Berlin zu.
Später, im Gymnastenalter, las ich manchmal in der BLÖD-Zeitung auf der ersten Seite: Seit xxx Tagen: Die Mauer in Berlin. Wir machten unsere Witze: Berlin bleibt Berlin, die Mauer muß weg, und Togo muß wieder deutsche Kolonie werden!