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1962

Knast für eine Postkarte

Mail-Art



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Wilkommen in Karl-May-Stadt
Birger Jesch Lutz Wohlrab
Wilkommen in Karl-May-Stadt: Um dem Überwachungsstaat ein Schnippchen zu schlagen, gaben Mailartisten wichtige Sendungen als Einschreiben auf - immerhin zahlte die DDR-Post bis zu 40 Ost-Mark für ein verlorenes Einschreiben. Das klappte nicht immer, aber so ließen sich die Funktionäre gelegentlich zum Eingeständnis der Postzensur bewegen. Das Hauptpostamt Dresden 6 etwa teilte Birger Jesch einmal mit, dass er keinen Ersatzanspruch für Sendungen hätte, die "wegen ihrer äußeren Beschaffenheit den Grundsätzen der sozialistischen Moral zuwiderlaufen". Auf dieser Postkarte aus Karl-Marx-Stadt hatte er das zweite R weggekratzt und aus dem X ein Y gemacht. Im Karl-Marx-Jahr 1983 erschienen zum ersten Mal nach dem Krieg Karl-May-Bücher in der DDR. Birger Jesch wurde im Jahr 1960 seine Vorkriegsausgabe vom "Schatz im Silbersee" von der Klassenlehrerin konfisziert. Er meint heute, dass es ihm damals mehr um die Darstellung der wackligen DDR-Ideologie als um das Einklagen einer neuen Karl-May-Rezeption ging.


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