Die Kameras liefen, als SA-Männer am 30. Januar 1933 vor dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler paradierten. Die Kameras liefen auch, als Rotarmisten im Mai 1945 Berlin eroberten. Zum 75. Jahrestag der "Machtergreifung" dokumentiert SPIEGEL-TV in einer abendfüllenden Filmchronik die zwölf Jahre, in denen Hitler die Welt in den Abgrund stürzte.
Was: SPIEGEL-TV-Dokumentation zum "Dritten Reich"
Wann: Sonnabend, 2. Februar 2008 von 20.15 Uhr bis 23.45 Uhr
Wo: VOX
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Die Kameras liefen, als die langen Kolonnen euphorisierter SA-Männer am Abend des 30. Januar 1933 unter dem Balkon des just ernannten Reichskanzlers Adolf Hitler paradierten; die Kameras liefen auch, als Rotarmisten im Mai 1945 die letzten deutschen Widerstandsnester in Berlin aushoben, als Amerikaner den Reichsmarschall Hermann Göring sistierten und Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reichs paraphierte. Dazwischen lagen 12 Jahre, drei Monate und neun Tage.
Diese Zeitspanne ist durch Aufnahmen für Wochenschauen und Propagandafilme, aber auch durch die unzähligen Aufnahmen von Filmamateuren fast durchgehend festgehalten worden. Den 75. Jahrestag der sogenannten "Machtergreifung" durch die Nazis hat SPIEGEL TV-Autor Michael Kloft jetzt zum Anlass genommen, aus der Materialmenge die Geschichte des Dritten Reiches in einer nach Jahren geordneten Chronik zu montieren.
Die einzigartige Dokumentation strahlt VOX am 2. Februar 2008 von 20.15 Uhr bis 23.45 Uhr aus. "Der Zusammenhang der Informationen ist die größte Attraktion für den Zuschauer", sagt der Filmemacher und dctp-Geschäftsführer Alexander Kluge, der das Projekt mit initiiert hat. "12 Jahre Zeitgeschichte, kompakt in knapp vier Stunden - das hat es noch nicht gegeben."
Kriegsbeginn als Zäsur
In Klofts Film spiegeln sich so auch die Zeitstimmungen, die die unterschiedlichen Phasen der NS-Geschichte begleiten: das vermeintliche Ende der Nöte der Arbeitslosen in den ersten Jahren, die vom Regime verordnete Hochstimmung während der Olympischen Spiele in Berlin 1936, aber auch die privaten Nischen, in die sich viele der neuen "Volksgenossen" zurückzogen.
Womöglich bisweilen auch, um die Augen bequemer vor dem immer offensichtlicher praktizierten Antisemitismus der Nazis zu verschließen. Doch das wird immer schwerer, je fester sich Hitler und sein Regime etablieren. Den Nürnberger Gesetzen von 1935 folgen die Pogrome am 9. November 1938 und schließlich - nach Kriegsbeginn 1939 - die nur oberflächlich verborgenen Deportationen der jüdischen Deutschen.
Der Kriegsbeginn markiert auch für die befragten Historiker die Zäsur der NS-Geschichte. Hitler-Biograph Ian Kershaw schildert Hitlers Expansions-Planungen und die Reaktionen der Wehrmachts-Generalität; Brigitte Hamann, die in ihrem Buch "Hitlers Wien" (1996) die Jugendjahre des Diktators untersucht hatte, beschreibt die merkwürdige Verbindung von Führer und Wagner-Sippe auf dem Hügel in Bayreuth und die besondere Genugtuung, die dem gebürtigen Österreicher 1938 der "Anschluss" seiner Heimat an das Deutsche Reich bereitete. Götz Aly ("Hitlers Volksstaat", 2005) sagt über die NS-Regenten: "Im Grunde waren hier Spieler am Werk."
Militärisch besiegt, moralisch diskreditiert
Der von Deutschland entfesselte Krieg zerfällt in zwei Phasen; zunächst die Serie der sogenannten "Blitzkriege". Die Feldzüge und raschen militärischen Erfolge gegen Polen, Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien und schließlich Frankreich versetzen die Deutschen in einen Siegestaumel. Doch obwohl die Kampagnen der ersten beiden Kriegsjahre auch für die Wehrmacht alles andere als unblutig verliefen, ändert sich der Charakter des Konflikts erst mit dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941.
Auch hier filmen nicht nur PK-Berichter, sondern auch normale Soldaten. Und ihre Bilder enthüllen, dass der Weltanschauungskrieg gegen den ehemaligen Verbündeten zum Vernichtungskrieg wird. Im Windschatten der Wehrmacht (und mit ihre aktiven Duldung) zieht der SS-Apparat seine Infrastruktur zur Vernichtung der europäischen Juden auf.
Es ist der einzige Plan, den die Nazis bis in die letzten Tage des Krieges verfolgen. Während alliierte Bomberflotten systematisch das Reichsgebiet attackieren und die Wehrmacht an allen Fronten zurückgedrängt wird, rollen die Züge in die Vernichtungslager. Im Mai 1945 ist Deutschland nicht nur militärisch besiegt, sondern auch moralisch diskreditiert - ein Paria in der Gemeinschaft der Nationen.
Wie schnell sich das - zumindest auf privater Ebene - wieder änderte, die ersten Avancen "fraternisierender" GIs mit deutschen Frauen und Mädchen, diese Bilder zeigt Michael Kloft nicht mehr. Sie sind einem anderen Zusammenhang vorbehalten.
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