Über einestages

1950-2011

Modeklassiker Leute machen Kleider


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MGM/Courtesy Everett Collection
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Verräterisches Kleidungsstück: "Der Bikini ist so klein, dass er alles über die Trägerin verrät - bis auf den Geburtsnamen ihrer Mutter", soll der Ingenieur Louis Réard einmal über den Zweiteiler gesagt haben, den er 1946 erfand. Filmemacher nutzen ihn vor allem, um alles über die körperlichen Vorzüge ihrer Darstellerinnen zu verraten - wie hier jene der ehemaligen Schönheitskönigin Halle Berry im James-Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" von 2002. Berrys Bikini-Szene war eine direkte Anspielung auf jene Szene, durch die der Bikini-Boom erst ausgelöst wurde, nämlich...

Jahrzehntelang war sie nur Arbeitskluft der Cowboys und Holzfäller, dann machten James Dean und Marlon Brando die Jeans zur Legende: Viele Kleidungsstücke wurden erst durch Stars in den Outfit-Olymp gehoben. einestages zeigt die größten Mode-Klassiker - und welche Stars sie berühmt machten. Von Danny Kringiel


Ein Mann und eine Frau stehen sich in der schwülen Hitze von New Orleans in einem heruntergekommenen Zimmer gegenüber. Lange starren sie sich wortlos an. Dann sagt sie: "Du musst Stanley sein. Ich bin Blanche." Stanley, gespielt vom jungen Marlon Brando, fixiert die Fremde weiter mit Blicken, knöpft seine Trainingsjacke auf und wirft sie in eine Ecke des Zimmers. Das vom Bowling noch schweißnasse T-Shirt spannt sich über seinem Körper, während er an Blanche vorbeischlendert. "Macht es dir etwas aus, wenn ich es mir bequem mache?", fragt Stanley. Dann streift er sein Hemd ab, entblößt seinen muskulösen Körper - und zieht sich gleich wieder ein frisches T-Shirt über.

Sein Auftritt als animalischer Stanley Kowalski in der Tennessee-Williams-Verfilmung "Endstation Sehnsucht" von 1951 ebnete Brandos Weg zur Schauspiellegende. Zumindest einen Teil seiner rabiat-urgewaltigen Ausstrahlung verdankte Brando dabei seinem Film-Outfit: dem T-Shirt, das bis dahin allenfalls verschämt als Unterwäsche unter der Kleidung getragen worden war. Doch Brando ignorierte dieses Tabu - er spielte Stanley als vulgäres Kraftpaket, das sich um bürgerliche Konventionen herzlich wenig schert - zuallerletzt um Dresscodes. Filmgeschichte schrieb die Szene, in der Stanley unter einem Balkon wie von Sinnen immer wieder nach seiner Frau Stella schreit - in einem völlig durchnässten und zerfetzten T-Shirt.

Nach dem Erfolg von "Endstation Sehnsucht" fingen Männer überall auf der Welt an, ihre T-Shirts als ganz normale Oberbekleidung zu tragen - vielleicht in der Hoffnung, damit ein ebenso starkes Charisma zu versprühen wie Brando. Sie verhalfen dem billigen Stück Baumwolle so zu einer Bilderbuchkarriere, die selbst die von Marlon Brando weit überstrahlen sollte: Heute, sechs Jahrzehnte nach dieser filmischen Moderevolution, gehört das T-Shirt noch immer zu den größten Klassikern der Modegeschichte - mit langen oder kurzen Ärmeln, mit V- oder U-Boot-Ausschnitt, klassisch weiß oder bunt bedruckt mit "I Love NY", Che Guevara oder einem von Millionen anderen Motiven und Logos.

Der fast symbiotische Karrieredurchbruch von Marlon Brando und dem T-Shirt ist kein Einzelfall. Etliche Modeklassiker, die heute aus den Kleiderschränken nicht mehr wegzudenken sind, sind erst durch einen Star, der sie trug, richtig bekannt geworden. Ob Bikini oder Jeans, ob Hotpants oder das "Kleine Schwarze" - sie alle erlangten ihre Bekanntheit erst am Körper eines ganz bestimmten prominenten Trägers.

Gesellschaftskritik in Hotpants

"Wer mich liebt, folgt mir" - so spricht Jesus im neuen Testament zu seinen Jüngern. "Wer mich liebt, folgt mir" - so stand es auch in einer Werbeanzeige, die 1973 in Italien erschien und für einen Riesenskandal sorgte. Nicht nur wegen des Bibelzitats, das darin für eine Hosenwerbung zweckentfremdet wurde. Auch nicht allein, weil der Hersteller der beworbenen Hose den Markennamen "Jesus Jeans" gewählt hatte. Vielmehr war es die Kombination dieser biblischen Anspielungen mit der Länge der Jeans, die auf der Werbeanzeige zu sehen war: Ein Frauenhintern reckte sich dort formatfüllend dem Betrachter entgegen - und die Jeans-Shorts darüber waren so knapp, dass sie ihn kaum zur Hälfte bedeckten.

Erfunden worden waren die "Hotpants" genannten ultrakurzen Shorts bereits in den späten "Swinging Sixties" in London. Ihre Schöpferin war die walisische Modedesignerin Mary Quant. Die textilarmen Shorts, die mehr zeigten als sie verdeckten, passten perfekt zum Zeitgeist der Sechziger: In diesen Jahren des politischen wie gesellschaftlichen Umbruchs, des Vietnam-Kriegs und der Friedensbewegung wurden die Hotpants gemeinsam mit dem Minirock zum Ausdruck einer neuen sexuellen Freiheit in der Mode. Und sie wurden nicht zufällig zu einem Lieblingsaccessoire der Hippie-Subkultur.

Doch schon mehr als ein Jahrzehnt vor Quants Erfindung hatten die Hotpants für Aufsehen gesorgt - nur, dass sie da noch nicht "Hotpants" hießen: Schon 1949 verdrehten die Mini-Shorts auf einer Kinoleinwand an den Beinen einer italienischen Erntehelferin den Männern weit über Italien hinaus die Köpfe: 1949 wollte der Regisseur Giuseppe De Santis mit seinem neorealistischen Film "Bitterer Reis" die Ausbeutung von Saisonarbeiterinnen bei der jährlichen Reispflanzung in der Poebene anprangern. Zugleich wollte er aber auch, dass sein Film möglichst viele Zuschauer erreichte, und so engagierte er für die Hauptrolle die bis dahin unbekannte Sexbombe Silvana Mangano.

Von der Leinwand in den Kleiderschrank

De Santis ließ seine Hauptdarstellerin die harte Landarbeit im Film möglichst leicht bekleidet verrichten: Im hautengen Pullover und ebenso knackengen Shorts, die sie bis zum Schritt hochraffte, watete die Darstellerin als Versuchung vom Lande durch den Schlamm der Reisfelder. Zu einer Zeit, in der es noch als undenkbar galt, unverhüllte Frauenoberschenkel im Film zu zeigen, war dieses Outfit ein unerhörter Tabubruch. Der Film bemühte sich zwar, die hochgezogenen Shorts damit zu begründen, das Beinkleid der Arbeiterinnen solle auf den überfluteten Feldern nicht nass werden - doch warum Mangano darunter noch lasziv zerrissene Nylonstrümpfe auftrug, ließ sich so kaum erklären.

Das Prinzip "Sex sells" wurde schnell zu einem beiderseitig äußerst profitablen Geschäft für Stars und ihre Kleidungsstücke: Wie im Falle Brandos und Manganos nutzten Prominente immer wieder gezielt Mode, um ihren Körper in Szene zu setzen. Und oft lösten sie damit Trends aus, die die von ihnen getragenen Accessoires zu Modeklassikern werden ließen: Zwar wurde der Bikini schon 1946 von dem Franzosen Louis Réard erfunden - doch unsterblich machte ihn erst Ursula Andress, die ihn an ihrem tropfnassen Körper trug, als sie 1962 in "James Bond - 007 jagt Dr. No" dem Karibischen Meer entstieg. Und die Jeans wurde zwar schon in der Renaissance als Marinekleidung genutzt - doch nachdem sie von James Dean in "...denn sie wissen nicht, was sie tun" und von Marilyn Monroe in "Misfits - Nicht Gesellschaftsfähig" getragen wurde, avancierte sie zum Modeklassiker.

Vom "Kleinen Schwarzen" bis zur Caprihose, vom Trenchcoat bis zum Minirock: einestages präsentiert die unvergesslichsten Klassiker der Modewelt - und die Prominenten, die sie mit ihrem Auftritt erst so unvergesslich machten.


Zum Weiterlesen:



Antonio Mancinelli: "Fashion:Box. Modeklassiker und ihre Stars. Von der Jeans bis zum Kleinen Schwarzen ". Dumont Verlag, Köln 2011, 479 Seiten.

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Debatte

insgesamt 5 Beiträge zur Debatte
Siegfried Wittenburg am 17. Mai 2011, 14:04
Und wie wird in den USA das Oralsexverbot kontrolliert?

Friedemann Ludwig am 17. Mai 2011, 11:36
Kleiner Hinweis: Ich kenne den Film nicht, aber das, was Clive Owen da trägt, sieht für mich eher aus wie ein Regenmantel. Ein Trenchcoat hat immer einen Gurt und idR...


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