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1960

Legendäre deutsche Europacup-Spiele Traumafußball


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Witters via Delius Klasing Verlag
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Jaja, die Japaner

Wer gegen wen: Nottingham Forest gegen 1. FC Köln
Wann: 11. April 1979
Wo: City Ground, Nottingham

Wahnsinn! Zu einem außergewöhnlichen Spiel zwischen einer englischen Mannschaft und dem 1. FC Köln kam es auch Ende der Siebziger, nur dass sich die Clubs im Halbfinale des Landesmeistercups diesmal auf Augenhöhe begegneten. Köln war amtierender Deutscher Meister, Forest der englische - und auf dem Platz legten beide gleich jede Zurückhaltung ab.

Köln ging 2:0 in Führung, van Gool und Müller trafen, aber Nottingham führte in der 63. Minute plötzlich 3:2. In der 80. Minute wechselte der deutsche Trainer Hennes Weisweiler einen Japaner ein, die damals in europäischen Clubs ungefähr so selten anzutreffen waren wie Australier oder Grönländer.

Noch überraschender war allerdings, dass jener Yasuhiko Okudera eine Minute später zum 3:3 traf und einem verrückten Spiel die Krone aufsetzte. Das Rückspiel verlor Köln allerdings 0:1, konnte sich aber trösten, gegen den späteren Cupsieger Nottingham ausgeschieden zu sein. Forest gewann das Endspiel gegen Malmö.

Ian Bowyer von Nottingham Forest schießt in der 52. Minute den 2:2-Ausgleich gegen den 1. FC Köln.

Fünf Tore eines Underdogs gegen eine Übermannschaft - das 5:2 von Schalke in Mailand war der Höhepunkt des Fußballjahrs. Die Europacup-Geschichte aber kennt noch ganz andere Sensationen: Bei einer Partie kickte ein Spieler mit Beinbruch weiter, ein anderes Mal entschied ein Büchsenwurf. Von Christian Gödecke


Im Prinzip wurde auch er unsterblich am 5. April dieses Jahres, denn er gab dem Wunder eine Stimme. Wolf-Christoph Fuss, Kommentator bei Sat.1, saß oben in seiner Kabine und redete, rief, schrie, brüllte, während unten auf dem Platz ein deutscher Außenseiter den amtierenden Champions-League-Sieger in dessen eigenem Stadion auseinandernahm. Wer den Wahnsinn dieses Spiels noch einmal erleben möchte, muss ihn gar nicht sehen. Es reicht, die Augen zu schließen und Fuss zuzuhören.

"Großer Gott, was ist hier los?"

"Raúl, Raúl, Raúl, Raúuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuul. Es steht 2:3!"

"Eigentor. Ich fass es nicht, Freunde, das gibt’s nicht."

"Die haben zweimal Aluminium getroffen und vier Dinger gemacht. Hah! Fünf! Fünf! Fünf! Edu, gimme five!"

Schalke führte in diesem Moment 5:2 gegen Inter Mailand und hatte zusätzlich noch zweimal die Latte getroffen. So groß war das, was sich im Mailänder Stadion abspielte, dass Wolf Fuss kurzfristig sogar die Orientierung verlor und dem Zuschauer nicht nur eine Pizza Vier Jahreszeiten auftischte, sondern auch einen neuen Schalker Clubnamen. "Im Moment serviert S 05 Quattro Stagione Gelsenkirchener Art."

Der Fauxpas blieb unkorrigiert, was den Kommentator später in einem Interview mit dem "Westen" selbst wunderte. "Normal korrigiere ich so was sofort. Wie mit den Bayern, über die ich mal 'Bauern' gesagt habe. Aber Schalke in Mailand, das war Rock'n'Roll total. Da kann so was passieren."

Unglaubliches und Unvergessliches

Rock'n'Roll total. Fünf Tore eines Underdogs gegen eine Übermannschaft. Ein Auswärtsspiel wie ein Rausch, trotz zweimaligen Rückstands.

Aber ein legendäres Spiel?

Ein bisschen verwunderlich ist es schon, dass es dieses Spiel bereits in die Geschichtsbücher geschafft hat, jedenfalls das der Autoren Andreas Lampert und Florian Haupt, die für "Als Mittwochs das Flutlicht anging" 75 deutsche Europacup-Klassiker gekürt haben. Der Bildband ist ein Sammelsurium der wichtigsten, dramatischsten und glorreichsten Spiele. Zwischen all den epochalen Partien nimmt sich der Triumph der Schalker in Mailand doch eher klein aus.

Denn man wird im Buch auf fast jeder Seite an Unglaubliches, Unvergessliches erinnert. Das 2:1 von Borussia Dortmund im Finale des Pokalsieger-Cups gegen den haushohen Favoriten aus Liverpool oder den Schalker Uefa-Cup-Triumph 1997 - ausgerechnet gegen Inter Mailand. Die grausamen Niederlagen von Bayern München gegen Manchester United und die der Gladbacher Borussia gegen den FC Everton. Oder das vielleicht unglaublichste Spiel der Europacup-Geschichte.

An einem kühlen Märzabend 1965 trat der 1. FC Köln in Rotterdam gegen den FC Liverpool an. Dieses Viertelfinale des Landesmeistercups musste wie damals üblich nach zwei Unentschieden in einem dritten Spiel auf neutralem Platz entschieden werden. Schnell führten die hoch favorisierten Engländer 2:0, doch dem deutschen Meister gelang bis zur 48. Minute der Ausgleich.

Ein grausames Ritual

FC-Verteidiger Wolfgang Weber hatte den Siegtreffer auf dem Fuß - und das, obwohl er sich in der ersten Halbzeit das Bein gebrochen hatte. Nach einer Spritze sollte Weber in der Halbzeit von einer Massagebank springen, um sicherzugehen, dass das Bein hält. Dabei brach es endgültig. Auswechslungen gab es zu jener Zeit noch nicht, also musste Weber weiterspielen. Er humpelte in der Folge übers Feld, "jeder Schritt fühlte sich an, als ob mir jemand ein Messer ins Bein rammt", sagte Weber später. Trotzdem hätte er im Strafraum des Gegners beinahe noch ein Tor geschossen.

Es blieb am Ende auch im dritten Spiel bei einem Unentschieden. Das Regelwerk des Fußballs kannte damals zur Entscheidungsfindung nur noch ein grausames Ritual: Eine Münze musste geworfen werden. Und als wenn das nicht schon alles dramatisch genug gewesen wäre, blieb diese beim ersten Wurf von Schiedsrichter Schaut im morastigen Platz stecken. Der zweite Wurf besiegelte das Aus des 1. FC Köln.

Wegen einer Dose verabschiedete sich Borussia Mönchengladbach sechs Jahre später aus dem Landesmeistercup, dabei hatten die "Fohlen" genannten Spieler des Clubs den Gegner Inter Mailand am Bökelberg schwindlig gespielt. 7:1 stand es nach 90 Minuten, aber entscheidend war ein anderer Treffer: Inter-Stürmer Roberto Boninsegna bekam eine Blechbüchse an den Kopf, geworfen von einem Gladbacher Fan.

Wütende Italiener und ein Beinbruch

Inter legte Berufung gegen das Ergebnis ein, und tatsächlich: Die Uefa annullierte die Partie, obwohl der Vorwurf der Schauspielerei nie ausgeräumt werden konnte. Denn genau das warf der Bundesligist dem Italiener vor, nachdem der Verdacht aufkam, die Büchse sei leer gewesen. Das reguläre Heimspiel gewannen wütende Italiener 4:2, das Wiederholungsspiel endete wenige Wochen später 0:0. Netzer und Co. hatten einen hohen Preis bezahlt für den Büchsenwurf. Nicht nur schied Gladbach aus dem Landesmeistercup aus – Ludwig Müller wurde auch noch das Bein gebrochen. Der Täter war ein alter Bekannter: Roberto Boninsegna - der Mann, der im annullierten Hinspiel die Dose an den Kopf bekommen hatte.


Zum Weiterlesen:



Florian Haupt, Andreas Lampert: "Als Mittwochs das Flutlicht anging". Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, 176 Seiten.

Das Buch erhalten Sie im SPIEGEL-Shop.


Debatte

insgesamt 5 Beiträge zur Debatte
Thomas Stock am 4. Januar 2012, 21:29
Außer dem von Thomas Müller bereits genannten 5:0 Sieg des 1.FCK gegen Real Madrid (nach vorausgegangener 1:3 Niederlage in Madrid im Jahr 1982) gab's 1991 auch noch den...

Burkhard Fiegert am 2. Januar 2012, 14:25
Hier hat mal wieder jemand vergessen, dass auch in der DDR Fußball gespielt wurde. Manche lernen es nie. Schade, dass der Spiegel da auch noch mitmacht. Das schon...


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