|
Floquet de Neu - die Schneeflocke
Wie alles begann: 1966 erblickte der Farmer Benito Mané im Urwald von Spanisch-Guinea einen ungewöhnlichen weißen Junggorilla in einer Gruppe normaler Gorillas. Er tötete alle anderen Affen, um an das Jungtier zu gelangen. Ein Mitarbeiter des Zoos von Barcelona kaufte ihm den weißen Gorilla ab und brachte ihn in den Tierpark der katalonischen Hauptstadt. Berühmt, weil: Floquet de Neu (katalanisch für Schneeflocke) blieb der bisher einzige weltweit bekannte Albino-Gorilla. Abgesehen von seiner hellen Farbe und einer ausgeprägten Scheu vor Licht unterschied er sich nicht von seinen Artgenossen. Das ungewöhnliche Tier wurde schnell zur international bekannten Attraktion des Zoos - und zu einem inoffiziellen Maskottchen Barcelonas. Karriereende: Ab 2001 erkrankte er an Hautkrebs, höchstwahrscheinlich in Folge seines Albinismus. Am 24. November 2003 wurde Floquet de Neu mit etwa 39 Jahren eingeschläfert. |
Wir woll'n euch Grunzen sehen! Schon vor Knut eroberten besonders niedliche, große oder ungewöhnliche Tierparkbewohner die Herzen der Menschen. Und wie beim Berliner Eisbären nahm manche Zookarriere ein tragisches Ende. einestages über weiße Gorillas, kriegsversehrte Löwen - und Pinguine im Ritterstand. Von Danny Kringiel
Eine solche Zeremonie hatte die Welt noch nicht gesehen: Am 15. August 2008 marschierten 130 Soldaten der Königlichen Norwegischen Leibgarde in Paradeuniform im Zoo von Edinburgh auf, um einen ganz besonderen Ritus zu vollziehen. Ein schottisches Ehrenmitglied ihrer Einheit sollte im Namen des norwegischen Königshauses den Ritterschlag erhalten. Im Gleichschritt marschierten sie an den Gehegen vorbei, hielten vor einem schließlich inne und standen Spalier, Gewehre an der Seite, die Gesichter wie versteinert. Ihre Mienen regten sich nicht einmal, als ihr Ehrengast eintraf: Ein knapp 50 Zentimeter großer Königspinguin namens Nils Olav II.
Erhobenen Schnabels watschelte Nils Olav II. (Dienstgrad: Oberst) an seiner Einheit vorbei, blieb nur hier und dort interessiert stehen und schaute an den gebügelten Uniformen der ehrfürchtigen Soldaten empor. Angesichts der Ehrung, die dem Maskottchen der Königsleibgarde zuteil werden sollte, wirkte der Schwimmvogel erstaunlich gelassen. Erst, als er am Ende der Menschengasse vor Generalmajor Euan Loudon trat, der bereits den Degen zum Ritterschlag in der Hand hielt, ließ Nils vor Aufregung doch ein kleines Häuflein fallen.
"Du als ein Pinguin hast dich in jeder Hinsicht als würdig erwiesen, die Ehre des Ritterstands zu empfangen", wurde König Harald V. von Norwegen zitiert. Sein Land sei "sehr zufrieden mit der Loyalität und dem Mut unseres geliebten Nils Olav". Sodann führte Generalmajor Loudon die Spitze seines Degens über die imaginären Schultern des Vogels, Auslöser klickten, Zuschauer applaudierten. Und der Pinguin watschelte als Sir Nils Olav II. wieder davon - unter den Augen Dutzender Journalisten, Fotografen und Kameramänner.
Zootiere als Medienstars, das war nicht nur beim watschelnden Ritter Nils so: Seit im Dezember 2006 ein knuddeliges Fellknäuel namens Knut im Berliner Zoo geboren wurde und im Sturm die Herzen der Zoobesucher, die Schlagzeilen der deutschen Zeitungen und schließlich die Titelbilder der internationalen Presse eroberte, scheint das VIP-Zootier-Wettrüsten nicht zu stoppen. Ob Heidi, das schielende Opossum, Paul, das Krakenorakel oder das bloggende Lama Horst aus dem Zoo Leipzig: allerorten scheinen Tierparks die Karriere des nächsten Knut zu planen. Doch schon lange vor dem berühmten Berliner Eisbären gab es viel größere Stars in den Zoogehegen der Welt.
Der einäugige König
Manche von ihnen wurden erst durch das Leid, das sie erfuhren, zu Berühmtheiten. So wie der Löwe Marjan. 1978 schenkte der Zoo Köln ihn dem Zoo von Kabul. Inmitten des ringsum wütenden Krieges lebte er dort viele Jahre gemeinsam mit der Löwin Chucha ein vergleichsweise friedliches Leben. Bis zu einem Tag im Jahr 1995.
Um Freunden zu imponieren, kletterte ein junger afghanischer Soldat in das Löwengehege. Marjan beäugte ihn, ohne weiter zu reagieren. Scheinbar fühlte der Mann sich angespornt: Er ging zu Chucha hinüber und begann, die Löwin zu streicheln, die es gleichmütig hinnahm. Augenblicklich sprang Marjan auf und fiel den Eindringling an. Er starb binnen Minuten. Am nächsten Tag erschien der Bruder des Getöteten vor dem Gehege. Er warf einen kleinen Gegenstand hinein. Marjan schien ihn für Futter zu halten und stürzte sich neugierig darauf. Dann explodierte die Handgranate.
Der Löwe überlebte schwer verletzt. Überall in seinem Kiefer steckten Granatensplitter, einige konnten auch nach mehreren Operationen nicht entfernt werden. Die Explosion hatte Marjan ein Auge, sein Gehör und seine Zähne gekostet. Der einstige König der Tiere konnte nun nur noch weiches, knochenfreies Fleisch fressen. Um sich in seinem Gehege zurechtzufinden, musste ein Pfleger das gehörlose, halb blinde Tier führen. Der Löwe erholte sich wieder und wurde für viele Afghanen zum Symbol für das Ringen ihres Landes um Frieden. Als im Oktober 2001 die US-Angriffe begannen und das Land im Chaos versank, konnte der Zoo kein Futter mehr bezahlen. Ein örtlicher Schlachter stiftete Fleisch für Marjan. Mehrfach wurde der Zoo von Bomben getroffen - doch der einäugige Löwe überlebte.
Sie mussten Besucheranstürme, Bombenhagel und Besenspiele...
Sie zicken nicht rum, verlangen keine Gage, und wenn sie...
Eisbär Knut? Kennt jeder. Aber erinnern Sie noch den...