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Der Untergang einer Familie: Das Deck des Katastrophendampfers wurde 1953 zur Bühne für ein Familiendrama. In "Untergang der Titanic" versucht Julia Sturgess (Barbara Stanwyck) ihren Mann zu verlassen und bucht daher für sich und ihre Kinder eine Passage auf der "Titanic".
Der Film ist ein Fest für Filmfreaks mit einem Faible für die Jagd nach historischen Ungenauigkeiten. So explodierten etwa die Dampfkessel der echten "Titanic" gar nicht, während sie es im Film gleich mehrfach tun. |
Untergang in der Endlosschleife: Seit 100 Jahren geht die "Titanic" dramatisch und mit irren Variationen auf der Leinwand unter. Mal sind zeitreisende Zwerge an Bord, dann peitschen Tsunamis Eisberge auf den Luxusliner zu. Schließlich säuft sogar die "Titanic II" ab - erst im Film, dann in der Realität. Von Christoph Gunkel
Da dümpelt es träge im Hafen, groß genug, um die Bevölkerung einer Kleinstadt aufzunehmen, hoch wie ein Büroturm - eine Konstruktion der Superlative. "Es ist das größte, schnellste und modernste Schiff der Welt", verkündet der Reederei-Chef stolz bei der Einweihung - und verrät schließlich den Namen dieses technischen Wunderwerks: "SS Titanic II".
Natürlich ist es eine verwegene Idee, ein Schiff nach dem Symbol für menschliche Hybris auf hoher See zu benennen. Selbst 2012, ein ganzes Jahrhundert nach der Katastrophe. Noch bekloppter aber ist die Idee, mit dem Luxusliner auch noch auf den Tag genau exakt jene Route einzuschlagen, auf der 1912 die "Titanic" zu ihrer letzten Fahrt aufgebrochen war. Doch diesmal sollte dank verbesserter Technik alles gutgehen. Es gilt, die Geschichte umzuschreiben und die "Titanic" endlich von ihrem schlechten Ruf zu erlösen. Diesmal soll ein wirklich unsinkbares Schiff den Atlantik überqueren.
Nur: So leicht lässt sich die Geschichte nicht hereinlegen. Einmal "Titanic", immer "Titanic". Zumindest im Film.
Wer schafft es diesmal in die Boote?
Zwar gleicht das neue Luxusschiff in der Low-Budget-Produktion "Titanic II" mit seinen Sensoren und dem technischem Schnickschnack einem kleinen Kriegsschiff, doch die Eisberge im Jahr 2012 sind eben auch nicht mehr so lahme weiße Dinger wie noch im Jahr 1912, sondern viel gefährlicher. Zumindest, wenn sie ein Tsunami mit Höllengeschwindigkeit und einer aberwitzigen Präzision über den riesigen Ozean genau auf die "Titanic II" zurasen lässt. Irgendwann merkt das auch die Besatzung. Doch da kann der Kapitän nur noch unheilsschwanger verkünden: "Es sieht so aus, als ob sich die Geschichte wiederholt."
Und wie sie sich wiederholt! Die "Titanic" sinkt und sinkt und sinkt - seit nunmehr einem Jahrhundert. Die Frage ist bei jeder neuen Verfilmung eigentlich nur: Wer wird es diesmal in die Boote schaffen?
Das Ende ist stets dasselbe, der Stoff dutzendfach umgesetzt - und doch sind die Variationen überraschend vielfältig. Da gibt es gelungene und historisch recht akkurate Adaptationen wie "A Night to Remember" aus dem Jahr 1958, dann wieder unterhaltsame Stummfilme aus der Kinderzeit des Kinos oder völlig haarsträubende Variationen wie "Titanic II". Über den schrieben die Kritiker, er sei "Trash der übelsten Sorte" und die schauspielerische Leistung "unterirdisch".
"Kein Feuer mehr! Mehr Wellen!"
Gerade weil der "Titanic"-Untergang in den vergangenen hundert Jahren Dutzende Male neu inszeniert wurde, dürften die unzähligen Umsetzungen für Film- und Kulturhistoriker ein großer Glücksfall sein: Denn sie spiegeln ein Jahrhundert Mentalitätsgeschichte wider; ein Jahrhundert sich wandelnder Vorstellungen von männlichem Heldenmut und der Rolle der Frau; ein Jahrhundert, in dem sich auch die Technik rasant weiterentwickelte.
Was sind das noch für Zeiten, als 1912, nur zwei Monate nach der Katastrophe, in einem winzigen Berliner Hinterhofstudio der "Titanic"-Stummfilm "In Nacht und Eis" produziert wird. Die Produktionsfirma "Deutsche Bioscop" hat anfangs gerade einmal 36 Quadratmeter Platz, um eines der größten Schiffsunglücke aller Zeiten auf die Leinwand zu bringen. Ein Reporter des "Berliner Tageblatts" hält die heute aberwitzig simpel wirkenden Dreharbeiten fest: "Auf eine Leinwand im Hof wurde ein Kesselraum gemalt", schreibt der Journalist. "Ein paar halbnackte Gesellen, berußt, nass, mit wirrem Haar, warten auf das Zeichen des Regisseurs, um die Verzweiflungsbotschaften des Kapitäns zu vernehmen."

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Eine uralte Geschichte, klischeebeladene Figuren, eine...
Auf der "Titanic" sollte sie als Baby mit ihrer Familie nach...