Können wir mal Ihre Briefpapiere sehen? Ob Elizabeth Taylor, Arnold Schwarzenegger oder Sigmund Freud: Die Stars der vordigitalen Zeit legten viel Wert auf ihre Briefköpfe. Doch wer stand auf Whiskey-Typo? Wessen Post war ein abstraktes Kunstwerk? Und wer zeigte sich halbnackt auf seinem Briefbogen? Von Christoph Gunkel
Normalerweise würden die drei Zeilen, gedruckt in einem blauen und leicht verspielten Schrifttyp, gar nicht weiter auffallen. Wäre da nicht dieser Name in der ersten Zeile. Drei Silben, die ein Feuerwerk an Assoziationen auslösen:
James Dean
8966 Sunset Blvd.
Hollywood 46, Calif.
Wer in den fünfziger Jahren eine Nachricht mit diesem Briefkopf in den Händen hielt, hatte es geschafft. Er hatte Post von einem Gott bekommen, dem wahrscheinlich größtem Jugendidol aller Zeiten. Dem ewig aufsässigen, lässig Zigarette rauchenden, schmollmundigen James Dean. Diesem gleichzeitig verletzlich und doch so cool wirkenden Schauspieler. Und genau diese Lebenshaltung spiegelt sich in den drei Zeilen wider, die James Dean auf seine Briefköpfe drucken ließ. Selbst in einem so banalen Detail wie der Wahl der Typografie bewies der Amerikaner Stil.
Und nicht nur er machte sich darüber Gedanken. Im Zeitalter der rasanten elektronischen Kommunikation ist fast schon in Vergessenheit geraten, wie wichtig das Design von Briefköpfen einst war. Es war der Fingerabdruck des Absenders.
Post von Albert Einstein und Frank Sinatra
Heute gehören grußlose und mit Tippfehlern garnierte Mails fast schon zum Alltag. Was zählt, ist die Geschwindigkeit. Doch vor der digitalen Revolution war die Wahl des Briefpapiers, seiner Textur, Dicke und Farbe entscheidend. Ebenso wie die Gestaltung des Briefkopfs. Welche Schriftart nehme ich? Mit oder ohne Serifen? Welche Farbe? Wie groß soll der Abstand zwischen den Buchstaben sein?
Wer sich solche Gedanken machte, wollte schon mit dem Papier seinem Brief eine Seele einhauchen. Ihm eine Identität, eine ganze besondere, mitunter intime Note geben.
Sicher: Die Kultur des Briefschreibens und der Gestaltung von Umschlägen und Bogen ist nicht akut vom Aussterben bedroht und es sind nicht nur ergraute Wertkonservative und Schöngeister mit Zeitüberschuss, die sie noch betreiben. Dennoch hat die Bereitschaft, sich Gedanken über das Design seiner Briefe zu machen, spürbar nachgelassen. Die persönliche Note in der Korrespondenz beschränkt sich inzwischen oft auf blinkende und hüpfende Smileys.
Exotik mit Angeberpotential: Kofferaufkleber waren zu Beginn...
Was für Haare! So jung! Wie wir damals aussahen! Der...
Mythos auf dem Plastik-Perso: Als Erika Mustermann vor 30...