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1900-2012

Briefpapier von Stars Sie haben Post - von Einstein


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Boxer-Brief: Der Bogen von 1983 verrät auch die Adresse von Muhammed Ali - "55 Fremont Place, Los Angeles, CA 90005". Dort wohnte die Boxlegende in den siebziger Jahren.

Können wir mal Ihre Briefpapiere sehen? Ob Elizabeth Taylor, Arnold Schwarzenegger oder Sigmund Freud: Die Stars der vordigitalen Zeit legten viel Wert auf ihre Briefköpfe. Doch wer stand auf Whiskey-Typo? Wessen Post war ein abstraktes Kunstwerk? Und wer zeigte sich halbnackt auf seinem Briefbogen? Von Christoph Gunkel


Normalerweise würden die drei Zeilen, gedruckt in einem blauen und leicht verspielten Schrifttyp, gar nicht weiter auffallen. Wäre da nicht dieser Name in der ersten Zeile. Drei Silben, die ein Feuerwerk an Assoziationen auslösen:

James Dean
8966 Sunset Blvd.
Hollywood 46, Calif.


Wer in den fünfziger Jahren eine Nachricht mit diesem Briefkopf in den Händen hielt, hatte es geschafft. Er hatte Post von einem Gott bekommen, dem wahrscheinlich größtem Jugendidol aller Zeiten. Dem ewig aufsässigen, lässig Zigarette rauchenden, schmollmundigen James Dean. Diesem gleichzeitig verletzlich und doch so cool wirkenden Schauspieler. Und genau diese Lebenshaltung spiegelt sich in den drei Zeilen wider, die James Dean auf seine Briefköpfe drucken ließ. Selbst in einem so banalen Detail wie der Wahl der Typografie bewies der Amerikaner Stil.

Und nicht nur er machte sich darüber Gedanken. Im Zeitalter der rasanten elektronischen Kommunikation ist fast schon in Vergessenheit geraten, wie wichtig das Design von Briefköpfen einst war. Es war der Fingerabdruck des Absenders.

Post von Albert Einstein und Frank Sinatra

Heute gehören grußlose und mit Tippfehlern garnierte Mails fast schon zum Alltag. Was zählt, ist die Geschwindigkeit. Doch vor der digitalen Revolution war die Wahl des Briefpapiers, seiner Textur, Dicke und Farbe entscheidend. Ebenso wie die Gestaltung des Briefkopfs. Welche Schriftart nehme ich? Mit oder ohne Serifen? Welche Farbe? Wie groß soll der Abstand zwischen den Buchstaben sein?

Wer sich solche Gedanken machte, wollte schon mit dem Papier seinem Brief eine Seele einhauchen. Ihm eine Identität, eine ganze besondere, mitunter intime Note geben.

Sicher: Die Kultur des Briefschreibens und der Gestaltung von Umschlägen und Bogen ist nicht akut vom Aussterben bedroht und es sind nicht nur ergraute Wertkonservative und Schöngeister mit Zeitüberschuss, die sie noch betreiben. Dennoch hat die Bereitschaft, sich Gedanken über das Design seiner Briefe zu machen, spürbar nachgelassen. Die persönliche Note in der Korrespondenz beschränkt sich inzwischen oft auf blinkende und hüpfende Smileys.


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Umso reizvoller ist ein Blick in die Vergangenheit. Was für Briefköpfe zierten eigentlich die Botschaften von Weltenlenkern wie Abraham Lincoln? Oder die von Genies wie Albert Einstein? Und wie sahen die Bogen aus, auf denen Stars wie Frank Sinatra ihre Post beantwortete?

Spiegel der Persönlichkeit

Fasziniert von historischer Korrespondenz hat der 33-jährige Brite Shaun Usher Hunderte Briefpapierbogen von Prominenten sowie bekannten Unternehmen gesammelt, sie eingescannt und auf seiner Seite Letterheady.com veröffentlicht.

Überraschend oft kann man auf den Bogen Facetten der Persönlichkeit wiedererkennen. Bei John Wayne etwa erinnert der flache Schrifttyp mit den weit auseinandergezogenen Buchstaben sofort an die Western, die ihn berühmt machten. Oder die breite, zerfranste Typografie von Johnny Cash, die ein Gefühl von Country-Musik verströmt, während Ozzy Osbournes riesige, schwarze Buchstaben wie ein aggressiver Gitarren-Riff wirken. Und irgendwie ist es wenig überraschend, dass Marilyn Monroe zeitweise roséfarbene Briefbogen verwendete, auf dem der Schriftzug "Marilyn Monroe" nur als Prägung zu erahnen war - sie war schon zu bekannt, als dass man diesen Namen übersehen hätte.

Überhaupt liebten gerade Hollywood-Stars eher puristische Briefköpfe. Meist stand da nur ihr Name, je berühmter, desto zurückhaltender. In der großen Bildergalerie präsentiert einestages die Briefbogen von einigen der berühmtesten Stars des 20. Jahrhunderts.

James Dean übrigens erhielt noch drei Jahre nach seinem frühen Tod im Jahr 1955 mehr Fanpost als jeder lebende Hollywood-Star. Vielleicht hätte es gereicht, wenn jemand seinen Fans einfach leere Briefbogen geschickt hätte, mit diesen drei blauen, geschwungenen Zeilen, die auch ihr Idol recht gerne gemocht haben dürfte.



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