| Arbeiter-und-Bauern-Strand: Rund vier Meter hoch ist das Denkmal des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, das Fidel Castro am "DDR-Strand" der "Isla Ernesto Thaelmann" aufstellen ließ. Die Insel liegt in der kubanischen Schweinebucht, in der im April 1961 ein Invasionsversuch der USA zurückgeschlagen wurde. |
Brüder, zur Sonne: Vor 40 Jahren widmete Fidel Castro der DDR eine Insel vor Kuba. Honeckers tropischer Außenposten wurde zum Mythos, Schlagerstars besangen seine Schönheit, dann geriet er in Vergessenheit. Bis das Kleinod 2001 wiederentdeckt wurde - als 17. deutsches Bundesland. Von Danny Kringiel
Barfuß schlenderten DDR-Schlagerstar Frank Schöbel und seine Frau Aurora Lacasa den weißen Strand der unbewohnten Palmeninsel hinab. "Die schwere Wärme und der Wind…", so begann er seinen Lobgesang auf die Schönheit des Eilands. Aurora hauchte zurück: "Die Blumen, die so leuchtend sind." Und gemeinsam: "Insel im Golf von Cazones, von Cazoooones!"
Es war der Sommer 1975, als Schöbel und Lacasa für den Dreh eines Musikvideos auf die kleine Insel südlich der Küste Kubas reisten und mit hochgeschlagenen Hosenbeinen den "Playa RDA", den "Strand der DDR" hinabspazierten. Früher hatte man die 20 Kilometer lange Tropeninsel klangvoll "Cayo Blanco del Sur", weiße Insel des Südens, genannt. Jetzt war sie die "Ernst-Thälmann-Insel" - ein Stückchen DDR, mitten in der Karibik. Irgendwie jedenfalls.
Begonnen hatte ihre Geschichte bereits am 19. Juni 1972, vor genau 40 Jahren: An jenem Tag empfing der neue SED-Generalsekretär Erich Honecker am Flughafen Berlin-Schönefeld hohen Besuch: Fidel Castro. Das Empfangskomitee sang kubanische Lieder, adrette Stewardessen überreichten dem Regierungschef Kubas Blumen und einen Berlin-Plüschbären.
Der revanchierte sich mit einem Geschenk der besonderen Art: Vor den Augen der SED-Führungsspitze holte er eine Landkarte hervor und breitete sie feierlich aus. Er zeigte auf ein winziges Eiland in der Schweinebucht und erklärte, dieses solle von nun an "Isla Ernesto Thaelmann" heißen, benannt nach dem KPD-Vorsitzenden, den Hitler im August 1944 erschießen ließ. Zur Besiegelung der symbolischen Überreichung unterzeichneten Castro und Honecker gemeinsam die Karte. Das SED-Organ "Neues Deutschland" berichtete am folgenden Tag voll Begeisterung von dem Akt der "unverbrüchlichen Freundschaft zwischen Kuba und der DDR".
Kommunistisches Denkmal mit Lacheffekt
Reine Freundschaft dürfte jedoch nicht der einzige Hintergrund des Geschenks gewesen sein: Es heißt, Honecker habe den unter US-Embargo stehenden Kubanern damals im Gegenzug sechs Prozent der DDR-Exportanteile für Weißzucker zugesprochen.
Und Castro setzte als Zeichen seiner Dankbarkeit sogar noch einen drauf: Zu Ehren des Namenspaten der Insel ließ er am "Playa RDA" noch im Sommer 1972 eine vier Meter hohe Ernst-Thälmann-Büste errichten und am 18. August im Beisein einer mit Fischerbarkassen eingeschifften DDR-Delegation einweihen. Majestätisch sollte Thälmann auf die Brandung hinausblicken - doch bei der Konstruktion hatte man den Standort bedauerlicherweise ein wenig zu nah am Wasser gewählt, so Frank Schöbel 2007 im Interview mit dem MDR: "Ich sehe noch heute, wie Ernst Thälmann da auf dieser wunderschönen Insel steht, und er kriegt immer volle Kante Wasser ins Gesicht." Er habe sich damals "totgelacht" über diese unbeabsichtigte Ironie.
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