Bill Clinton weinte vor Rührung: Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta wurde das olympische Feuer von einer Legende entzündet, die viele längst vergessen hatten. Zur Einstimmung auf London 2012 zeigt einestages zehn unvergessliche Olympia-Momente. In Teil neun: Muhammad Alis berührendes Comeback. Von Christian Gödecke
Janet Evans läuft durch das Olympia-Stadion von Atlanta, es ist Nacht und in ihrer rechten Hand hält sie die olympische Fackel. 85.000 Zuschauer stehen auf ihren Plätzen bei dieser Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 1996, sie jubeln der Schwimmerin zu wie auch die Sportler aus allen Nationen, die ihr unten auf dem Feld applaudieren.
Die Kamera folgt Evans die Steigung hinauf in Richtung der Bühne, wo gleich die olympische Flamme entzündet werden wird. Aber von wem? Neben den Besuchern im Stadion und den Athleten warten drei Milliarden Menschen weltweit an den Fernsehbildschirmen, wem Janet Evans die Fackel übergeben wird.
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Als sie das Podest fast erreicht hat, betritt ein älterer, schwarzer Mann in einem weißen Trainingsanzug langsam die Bühne. Im Stadion ist die Lautstärke plötzlich ohrenbetäubend, denn jeder erkennt sofort, wer da steht. Seine rechte Hand hält die Fackel, seine linke zittert stark, als Evans das Feuer übergibt. Dann steht er kurz einfach so da, die Fackel ausgestreckt in Richtung der jubelnden Zuschauer. "Ali, Ali", rufen sie.
Muhammad Ali ist schon schwer gezeichnet von seiner Parkinson-Erkrankung, als er an diesem 19. Juli 1996 die Fackel entgegennimmt. Man kann sich das heute fast nicht mehr vorstellen, aber damals war der vielleicht größte Sportler der Geschichte in Vergessenheit geraten. Zwölf Jahre zuvor, bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, hatte man ihn nicht mal eingeladen.
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Atlanta ist sein Comeback - und er hat sich dafür, ganz Ali, die größtmögliche aller Bühnen gewählt: Olympia. Es fließen viele Tränen an diesem Abend, auch im Stadion, wo die Kameras auf der Tribüne einen völlig aufgelösten US-Präsidenten Bill Clinton einfangen. Und Ali? "Meine linke Hand zitterte wegen Parkinson, die rechte vor Angst", gab der Champ später zu, der 1960 in Rom Gold gewonnen hatte. Mit beiden Händen schaffte er es schließlich, die Flamme zu entzünden. Und die Welt atmete mit ihm auf.
Zur Einstimmung auf die Olympischen Spiele hat einestages zehn unvergessliche Momente der vergangenen Jahrzehnte gesammelt. Morgen: Der äquatorial-guineische Schwimmer Eric Moussambani, der die 100 Meter nur knapp schaffte - und trotzdem gewann.