| Die Lolita: Schon als Zehnjährige hatte Brooke Shields (hier in "Goldjagd", 1985) ihren ersten Sexskandal. Der Fotograf Garry Gross schoss eine heftig umstrittene Serie von Nacktfotos. Drei Jahre später, 1978, spielte sie in "Pretty Baby" eine Kinderprostituierte. Der Film wurde ein Kritikererfolg - doch einige Nacktszenen mit der Zwölfjährigen wurden nach Publikumprotesten herausgeschnitten. Ihren Durchbruch erlebte die Kindfrau 1980. In diesem Jahr erschien sie als jüngstes Model aller Zeiten auf dem Cover der "Vogue", war der Star einer kontrovers diskutierten Kampagne für Calvin-Klein-Jeans, in der Starfotograf Richard Avedon sie nackt ablichtete (der Slogan: "Nothing comes between me and my Calvins"), und spielte Emmeline in "Die blaue Lagune", einem Film wie ein feuchter Teenietraum. Kritiker verrissen die Teenager-Romanze, die Kirche verdammte ihn als Kinderpornografie - und das Publikum rannte die Kinos ein. "Die blaue Lagune" wurde zum erfolgreichsten Blockbuster des Jahres 1980, Brooke Shields wurde für Millionen zum Sexsymbol. Shields selbst allerdings ... |
Ob Brooke Shields, Madonna oder Elle MacPherson; ob Richard Gere, Tom Selleck oder Mickey Rourke: Für die Stars der Achtziger war ihr Körper ihr Kapital. einestages zeigt die Sexsymbole des Pop-Jahrzehnts - und was aus ihnen geworden ist. Von Benjamin Maack
Ein Mann und eine Frau im kalten Licht einer offenen Kühlschranktür. Sie trägt nichts als ein weißes Handtuch. "Schließ die Augen", sagt er und beginnt, sie zu füttern. Pralle, rote Erdbeeren wandern in ihren Mund, Honig ergießt sich auf ihre Zunge, Milch läuft ihr über das Kinn.
Am 21. Februar 1986 wurden zwei Sexsymbole geboren. Es war eine geplante Geburt, eingeleitet von Adrian Lyne, erfolgreicher Werbefilmer und Regisseur von "Flashdance". Die Hebamme hieß "9 1/2 Wochen".
Im Wesentlichen zeigte der Film Kim Basinger und Mickey Rourke beim Sex. Sex vor dem Kühlschrank, auf verregneten New Yorker Kellertreppen und in einem Yuppie-Apartment, so unheimlich wie ein Geisterhaus. Sex in Stöckelschuhen und Strapsen. Sex mit Augenbinde, mit Peitsche und in Handschellen. Wall-Street-Börsenmakler John und Elizabeth, die Managerin einer Kunstgalerie in Soho - zwei sexy Oberflächen, zwei Skulpturen aus idealen Proportionen und makelloser Haut.
Regisseur Lyne hatte die beiden als perfekte Gefäße für die Phantasien der Zuschauer inszeniert. Furchtbar gut gekleidet, trendy - und unglaublich leer.
Männer für gewisse Stunden
Die achtziger Jahre waren die Dekade des Körpers. Gestählte Bodys wurden in Designeranzügen mit Schulterpolstern noch männlicher, Frauen toupierten sich die Haare zu wahren Mähnen und ließen ihre Gesichter hinter knalligem Make-up verschwinden. Stars wie Grace Jones und Madonna erklärten ihre Kurven zu Kunstwerken und Erotik zur Performance. Für Männer wie Richard Gere, Mel Gibson oder Tom Selleck wurden Sixpack und Grübchenkinn zum Kapital.
In den Siebzigern war das noch ganz anderes. Kaum vorstellbar, dass Frauen sich fragten, ob Antihelden wie Robert DeNiro und Dustin Hoffmann oder smarte Sonnyboys wie Paul Newman und Robert Redford möglicherweise ein Bäuchlein unter ihren Hemden verbargen. Statt guter Bodys brauchten die Helden im Jahrzehnt von Vietnam-Krieg und Watergate-Affäre vor allem gute Gründe dafür, das zu tun, was sie auf der Leinwand taten. Gefragt waren Loyalität, Anteilnahme und Charakterfestigkeit.
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