| Einer nach dem Anderen: Kämpft der Held gegen eine Übermacht an Gegnern, greifen sie ihn nie gleichzeitig an, sondern immer nacheinander - der nächste rückt erst nach, wenn sein Kollege außer Gefecht ist. Daher durften sich die Ninja-Kämpfer 1991 in "American Fighter IV - Die Vernichtung" immer noch ein wenig ausruhen, bevor sie gegen David Bradley antreten mussten. |
Warum brennt im Film bei Flugzeugen immer das linke Triebwerk? Weshalb benutzen Hollywood-Polizisten immer Taschenlampen, aber nie den Lichtschalter? Und wieso rennen Schurken immer treppauf? einestages hat die größten Klischees der Kinogeschichte gesammelt- und erklärt ihre Hintergründe. Von Sven Stillich
Das Kino ist ein Ort der bestellten Lügen. Nirgendwo anders finden sich so viele Menschen aus nur einem Grund zusammen - um betrogen zu werden. Werden sie es nicht, dann sind sie enttäuscht oder zumindest verwirrt. Sollten zum Beispiel Raumschiffe in einem Science-Fiction-Film nicht in einem krachenden Feuerball explodieren, fehlt ihnen etwas - obwohl das im Vakuum des Weltalls eher nicht vorkommen wird. Lichtschwerter müssen immer "Bzzzz" machen, jedem Schalldämpfer in einem Hollywood-Film entfährt dasselbe, unrealistische "Plopp". Faustschläge müssen spätestens seit Bud Spencer immer so klingen, als sei gerade jemand mit einem Knäckebrot im Mund ungebremst gegen eine Wand gelaufen. Und an allen Bomben muss natürlich eine Digitalanzeige angebracht sein, die millisekundengenau angibt, wie viel Zeit der Held hat, sie zu entschärfen - auch wenn die Sekunden im Film dann zehn Minuten dauern.
Das alles ist gelernt, es wurde dem Publikum antrainiert. Mehr als hundert Jahre Filmgeschichte haben Hunderte von Klischees hervorgebracht, gegen die kein Filmemacher andrehen kann - und wenn er es versucht, weiß das Publikum, dass das als Zeichen zu verstehen ist und als Spiel mit seiner Erwartungshaltung.
Es genügen bereits Kleinigkeiten: Wer im Film hustet, wird bald darauf sterben. Bei Katastrophenfilmen wird immer das linke Triebwerk eines Flugzeugs zuerst brennen, und kommt einmal ein Tier ins Bild, wird es immer einen typischen Laut ausstoßen: Mäuse und Ratten fiepen, Katzen miauen, und nie wird der Geier über dem Westernpanorama stumm bleiben. Nie wird ein Radiowecker den Helden in der Mitte eines beliebigen Songs wecken - sondern immer, wenn der Moderator gerade "Guten Morgen, das wird ein wundervoller Tag in L.A.!" ruft. Sollte dem Filmhelden, der auf einer Insel gestrandet ist, mit der Zeit ein Bart wachsen, rückt das den Film bereits in die Nähe der Dokumentation - denn nie wachsen echten Helden Bärte, und Helden aus dem Mittelalter haben auch nie schlechte Zähne (im Gegensatz zu allen Gaunern).
Tod kurz vor der Rente
Das alles muss so sein in einem Blockbuster. Weil es das Millionenpublikum erwartet. Deswegen müssen Teenager sterben, die sich in einem Horrorfilm alleine auf den Dachboden wagen - genau so wie jeder Filmpolizist dem Tode geweiht ist, der nur noch eine Woche bis zur Rente hat. Überlebt einer der beiden, wäre das eine inszenierte Überraschung, eine absichtliche Abkehr vom Klischee - und die würde inzwischen natürlich wiederum als solche erkannt.



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