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Coole Kühlerfigur: Dieses Foto zeigt meinen Trabi und meine Bekannte Sandra aus Chemnitz.
Ich fahre seit Jahren Trabant und habe den Wagen kontinuierlich aufgebaut. Im Jahr 1993 erwarb ich meinen Führerschein und bekam gleich den Trabi meiner Eltern (Baujahr 1988). Das erste Zwickauer Trabi-Treffen brachte mich dann endgültig auf den Trabi-Trip. Im September 1994 kaufte ich von einem Frührentner, der im Lotto (!) ein neues Auto gewonnen hatte, einen Trabant 1.1 (Baujahr 1991) im absoluten Originalzustand. Dem älteren Herrn hatte das Fahrzeug genügt, um zwei Mal in der Woche zum einkaufen und einmal jährlich an die Ostsee zu fahren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Tachozähler nicht mehr als 25.000 Kilometer anzeigte. Mit 2.500 DM hatte der Vorbesitzer auch keine übertriebenen Wertvorstellung seines Vehikels. Der Lack (papyrusfarben) war aber schon ziemlich matt und verwittert und ließ Schlimmes befürchten. Doch trotz optischer Mängel war die Substanz in einem exzellenten Zustand. Das machte eine Totalzerlegung überflüssig. Eine Woche später war das komplette Fahrzeug geschliffen (eine Sauarbeit!), anschließend waltete der Lackierer seines Amtes. Er färbte das Trabi-Häuschen mittels eines "Exclusiv-Matallic-Perleffekt"-Lackes um. Gleichzeitig wurde der Unterboden versiegelt und eine aufwendige Hohlraumkonservierung vorgenommen, um den Trabi für die nächsten Jahre haltbar zu machen. Um nicht länger wie der "Storch im Salat" dazustehen, verpasste ich ihm im Frühjahr 1995 flach bereifte Titan-Alus (175/45/13). Zur besseren Füllung der Radhäuser klemmen zwischen Rädern und Bremstrommeln Distanzscheiben, was hinten zwangsläufig Karosseriearbeiten und eine Sturzkorrektur mit sich brachte. Aufgrund eines leichten Auffahrunfalls wurden die Stoßstangen von Stahl auf Kunststoff umgerüstet, was das Gefährt ebenfalls optisch aufwertete. Im Laufe der Zeit tauschte ich dann noch die klobigen 1.1er Rückleuchten gegen 601er aus. Die Motorhaube ersetzte ich, nachdem sie sich einmal bei Tempo 60 geöffnet hatte (Schreck lass nach!) durch eine neue mit Airbrush-Motivv. "Im Interesse der Chirurgie" blickt der Fahrer in meinem Trabi den Geschehnissen der Straße nun durch eine neue Verbundglasscheibe mit Blaukeil entgegen . Nachdem ich mit der äußeren Optik ganz zufrieden war, war im Innenraum aber noch alles im Originalzustand geblieben. Das passt natürlich überhaupt nicht zusammen. Also hielt 1996 im Innenraum ein neu bezogenes Recaro-Gestühl Einzug, das auch ausschlaggebend für das Design der Seitenverkleidung war. Die Fensterrahmen füllt nun getönt-verspiegeltes Glas, und für ein besseres Innenraumklima im Sommer baute ich ein Glasdach ein. Bekanntlich macht immer einer Musik dazu. In diesem Fall ist es der Verbund von RC-RDS-Pioneer mit Organic EL-Display und 6-fach CD-Wechsler im Kofferraum, 2 Endstufen (Heco 300 Turbo, Powerconcept 280), 6 Lautsprecher (zum Teil Visaton) und ein Infinity-Subwoofer. Die selbstgezimmerten Anti-Chaos-Ecken im Kofferraum habe ich mit beigefarbenem Teppichboden bezogen. Beim TÜV-Termin zeigte sich der gestrenge Prüfer beeindruckt und vermerkte zu meiner Freude in großen Lettern "Sehr guter Zustand". Um der Platzverschwendung im Radkasten entgegenzuwirken, wurden Koni-Gasdruckdämpfer und härtere Federn eingebaut. Damit kam die Karosserie um 35 Millimeter runter. Anfang 2004 erneuerte ich den Motor, versah ihm mit Einspritzanlage und 5-Gang-Getriebe und passte die Bremsanlage dem Leistungszuwachs an. Das also ist mein Trabi. Tja, aber so schön er ist - ich habe mir trotzdem einen Porsche zugelegt. |
Stotternder Motor, fehlende Federung und der Spott der Passanten: Früher oder später ist fast jeder Trabi-Fahrer auf ein echtes Auto umgestiegen. Kein Wunder, wenn man die Vorher-Nachher-Fotos sieht.
Ein Porsche ist ein schönes Auto. Ein BMW auch. Ein Trabi... na ja. Experten schätzen, dass seit der Erfindung des Automobils im Jahr 1886 rund um den Globus etwa 1,4 Milliarden Pkw gebaut wurden, und irgendwie haben es auch drei Millionen Trabis geschafft, dazugezählt zu werden. Das ist bemerkenswert, aber nicht unbedingt logisch. Immerhin gilt der Trabant, der zwischen 1957 und 1991 in Zwickau zusammengeklebt wurde, vielen Zeitgenossen eher als Schikane denn als Auto. Andererseits ging die bereifte Streichholzschachtel im Arbeiter- und Bauernstaat nicht nur als Sehnsuchtsobjekt der Massen durch, sondern erfreute sich nach dem Kollaps der DDR auch bei Nostalgikern, Bastlern und Oldtimer-Liebhabern großer Beliebtheit.
Dennoch: Wer die spöttischen Blicke der Passanten irgendwann leid ist, zu chronischen Rückenschmerzen neigt oder hin und wieder ganz gern mal ohne Panne von A nach B fährt, ist längst umgestiegen: auf ein echtes Auto.
Man muss den Trabi deshalb ja nicht gleich in die ewigen Jagdgründe schicken. Als Blumenkübel im Vorgarten oder als Freizeit-Zweitwagen macht er durchaus eine respektable Figur. Und was gibt es für einen eingefleischten Automobilisten Schöneres, als der Welt da draußen zwei Wagen vorzuführen, die man nicht nur selbst besessen hat, sondern die auch kaum unterschiedlicher sein könnten? Eben. Das ist die herrliche Genugtuung, den Aufstieg von der Pappe zum Porsche, BMW oder VW geschafft zu haben.
Sind Sie auch vom Trabi auf ein anderes Auto umgestiegen - oder sogar umgekehrt? Haben Sie Fotos von den beiden Wagen? Zeigen Sie sie einestages! Zeigen Sie sie der Welt da draußen.
har
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