| Der "Wüstenfuchs": Feldmarschall Erwin Rommel in einem Gefechtsstand im Sommer 1942 in Afrika. Vorstöße und ein unbändiger Drang zur Offensive waren die Markenzeichen des wohl populärsten Generals im "Dritten Reich". In der zweiten Schlacht von El Alamein zwangen die Briten Rommels Truppen allerdings zum Rückzug. Im Frühjahr 1943 verließ er Nordafrika; sein Nachfolger Hans-Jürgen von Arnim musste bei Tunis kapitulieren. Die verbliebenen deutschen Soldaten kamen in Gefangenschaft, der Nordafrika-Feldzug war beendet. |
Die Briten narrte er mit Panzerattrappen, die Franzosen tauften seine blitzschnelle Einheit ehrfürchtig "Gespensterdivision": Erwin Rommel galt bei Freund und Feind als genialer Stratege. Er avancierte zur wirkungsvollsten Figur der NS-Propaganda - doch dann wurde er plötzlich als Verräter verdächtigt. Von Michael Sontheimer
Der britische General Bernard Montgomery durchbricht mit seinen Truppen, die über doppelt so viele Soldaten und Panzer verfügen wie das deutsche Afrikakorps und die verbündeten Italiener, am 2. November 1942 die Front. An diesem Tag zerbricht auch die Liebe zwischen Hitler und Rommel.
Als Rommel erkennt, dass Montgomerys Durchstoß bevorsteht, er selbst aber nur noch 35 Panzer zur Verfügung hat, will er den Rückzug antreten. Hitler aber gibt einen seiner gefürchteten "Durchhaltebefehle": "Ihrer Truppe können Sie keinen anderen Weg zeigen als den zum Siege oder zum Tode." Rommel gehorcht, einen Tag später genehmigt Hitler doch den Rückzug.
Rommel hat nicht verstanden, dass Nordafrika für Hitler nur ein Nebenkriegsschauplatz ist: Für Deutschland entscheidet sich der Krieg an der Ostfront.
Nach der Niederlage bei al-Alamein ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Alliierten das Afrikakorps aufreiben. Um Rommels Nimbus der Unbesiegbarkeit zu retten, holt ihn Hitler im März 1943 erst einmal heim ins Reich. Mitte Mai kapitulieren die Reste des Afrikakorps.
Rommel war nun ein kranker, depressiver Mann; die Niederlage hatte ihn gezeichnet. Dennoch ernannte Hitler seinen Schützling zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B in Norditalien. Als solcher ließ er - entgegen der Genfer Konvention - Hunderttausende entwaffnete italienische Soldaten nach Deutschland transportieren, wo sie als Zwangsarbeiter für die Kriegsproduktion versklavt wurden.
Ende 1943 wurde Rommel nach Frankreich versetzt. Doch als Anfang Juni 1944 die lange erwartete Operation "Overlord" begann und amerikanische und britische Fallschirmjäger über der Normandie absprangen, saß er im heimischen Herrlingen, um mit seiner Frau deren Geburtstag zu feiern.
Bereits fünf Tage nach dem D-Day - die Alliierten konnten ihren Brückenkopf immer weiter ausbauen - war Rommel davon überzeugt, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen sei. Jetzt könne man, äußerte er im Kameradenkreis, nur noch versuchen, einen Frieden mit den Amerikanern und Briten zu schließen, um gegen die Russen weiterzukämpfen.
Zehn Tage nach der Invasion, am 16. Juni 1944, kam Hitler nach Frankreich und ließ sich von Gerd von Rundstedt, dem Oberbefehlshaber West, und Rommel über die Lage unterrichten. Hitler bellte: "Hier gibt es kein Ausweichen und kein Operieren, hier gilt es zu stehen, zu halten oder zu sterben." Er lehnte Friedensverhandlungen ab und forderte "fanatischen Widerstand". Beim Abschied fragte Rommel: "Mein Führer, wie stellen Sie sich jetzt den Weitergang dieses Krieges vor?" Hitler war gar nicht amüsiert: "Das ist eine Frage, die nicht zu Ihren Obliegenheiten gehört. Das müssen Sie meine Sache sein lassen."
Rommel wünschte sich nun, Hitler solle zurücktreten; ein Attentat auf den Mann, dem er so viel zu verdanken hatte, lehnte er jedoch ab. Am Abend des 17. Juli 1944 griffen zwei britische "Spitfire"-Tiefflieger Rommels Kübelwagen in der Normandie an; er wurde aus dem Wagen geschleudert, schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf und erlitt einen schweren Schädelbruch. Sieben Tage später schrieb er an seine Frau: "Zu meinem Unfall hat mich das Attentat auf den Führer besonders stark erschüttert. Man kann Gott danken, dass es so gut abgegangen ist."
Durch Aussagen von Verschwörern des 20. Juli, mit denen er Kontakt hatte, geriet er in Verdacht, an dem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein. Nachdem Rommel als Oberbefehlshaber abgesetzt worden war, kam General Wilhelm Burgdorf, der Chef des Heerespersonalamtes, am 14. Oktober 1944 nach Herrlingen. Er stellte Rommel vor die Alternative: ein Verfahren vor dem Volksgerichtshof oder Selbstmord, der als Tod infolge einer Verwundung ausgegeben würde.
"Ich habe den Führer geliebt und liebe ihn noch", sagte Rommel, dann verabschiedete er sich von seiner Frau. Er ging mit dem General zu dessen Auto, in dem er auf eine Zyankali-Kapsel biss.
Bei dem Staatsbegräbnis am 18. Oktober 1944 hielt Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt in Vertretung Hitlers im Ulmer Rathaus die im Propagandaministerium geschriebene Trauerrede.
Darin hieß es, Rommel sei "vom nationalsozialistischen Geist" erfüllt gewesen, "der die Kraftquelle und Grundlage seines Handelns bildete". Rundstedt schloss mit den Worten: "Sein Herz gehörte dem Führer."
Darin lag - trotz all der Lüge - ein wahrer Kern.



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