| Macht Bier vielleicht doch sexy?: Während das Mädchen genau weiß was es will, kann sich der schlaksige Brillenträger kann sich kaum entscheiden, ob er lieber das brünette Mädchen küssen oder lieber noch einen Schluck kühles Blondes nehmen soll. Die Aufnahme entstand beim "Rock im Park"-Festival in Nürnberg im Mai 2002. |
Ratsch - pffft - aaah: So lecker kann Blech sein. Vor 75 Jahren erfand eine US-Brauerei die Bierdose - und löste damit ein Problem, das die Menschheit seit 6000 Jahren beschäftigte. Kein Wunder, dass Sammler für manche Exemplare bis zu 20.000 Dollar blechen.
Fast schien es, als wäre sie nie dagewesen. Als im 1. Januar 2003 das Dosenpfand eingeführt wurde, verschwand auch die Bierbüchse blitzartig aus den Ladenregalen. Das Alubehältnis, das noch im Jahr zuvor allein in Deutschland rund acht Milliarden Mal verkauft wurde, sollte sang- und klanglos von der PET-Flasche ersetzt werden. Doch die Durststrecke für Dosenfans blieb kurz: Mit der Umstellung des Pfandsystems im März 2006 rückten die Dosen ebenso schnell wieder in die Regale ein, wie sie daraus verschwunden waren.
Bei ihrer Rückkehr wurde die Dose von den Feuilletons gefeiert wie eine Boxlegende, die nach Jahren zurück in den Ring steigt. Das "Hamburger Abendblatt" freute sich über ein "Comeback", "Die Welt" besang den Zug aus der Blechhülse gar als "Protestgeste gegen die Bürokratisierung des Rauschs".
Kein Wunder. Die stumpf-braunen Plastikflaschen waren ein armseliger Ersatz für die kühl glänzenden Blechzylinder. Wer wollte schon eine Flasche aufschrauben, wenn er stattdessen der bündigen Komposition lauschen konnte, die beim Öffnen eines Dosenbiers erklingt: dieses wunderbar trockene Knacken, begleitet von einem verheißungsvollen Zischen. Damit nicht genug. Das Blechkleid macht den Genuss zu einem ganzheitlichen Erlebnis: Die kalte Büchse in der Hand, die sanfte Gewalt beim Hochdrücken des Dosenrings, das leichte Metall, das kühl die Unterlippe berührt - ein Vorgeschmack auf den ersten kräftigen Zug. Fußballfans und Punks waren sich darin ebenso einig wie die Grillgemeinschaft in der Gartenkolonie und der Kanzleiangestellte, der in der S-Bahn mit zufriedenem Seufzer sein Feierabendbier aus der Aktentasche zieht.
Mit einem Schlag löste die Dose außerdem ein Problem, das die Menschheit seit rund 6000 Jahren beschäftigt: Wie kann man Bier in angemessenen Einheiten sicher in den Park, vor das Fußballstadion, auf ein Festival oder - einige Jahrhunderte zuvor - mit auf einen Kreuzzug nehmen?
Die Poesie des Bieres
Fragile Tonkrüge und wuchtige Holzfässer waren nicht der Weisheit letzter Schluss, Flaschen ein guter Versuch - aber letztlich zu schwer und zerbrechlich. Erst mit der Erfindung der ebenso leichten wie stabilen Dose konnte Bier problem- und gefahrlos dorthin transportiert werden, wo es am meisten gebraucht wurde: auf Grillplätze, in Schwimmbäder, auf Waldlichtungen - kurz: unter den freien Himmel.
Ein Umstand, der in Jürgen Roth den Anwalt für ordnungsgemäßen Biergenuss weckt: "Bier in Weißblech zu zwängen und durch die Weltgeschichte zu karren, ist einfach nur ein Akt der Niedertracht", sagt der Autor. Roth hat ein Buch über "Die Poesie des Bieres" und ein Bierlexikon verfasst. Er gilt unter Kennern als Autorität in Sachen Gerstengebräu. Von 5000 Bieren, die weltweit existieren, hat Roth laut eigener Aussage etwa 3200 verkostet. Der Frankfurter ist ein entschiedener Gegner der Dose und hat auch gleich eine Begründung dafür parat: Bei der Herstellung von Dosenbier müsse das Bier vor dem Abfüllen pasteurisiert, also erhitzt werden. Dabei würden nicht nur alle Keime, sondern würde auch die geschmackliche Komplexität getötet. "Das Pasteurisieren von Bier ist ein Generalverbrechen. Das wird Ihnen jeder Brauer hinter vorgehaltener Hand bestätigen."
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