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1923

85 Jahre Muttertag "Ich habe nichts so lieb wie Dich, mein Mütterlein"


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Der junge Dichter: Der Junior der Familie hatte sich zum Muttertag 1986 etwas Besonderes einfallen lassen. Die Mutter war gerührt.

Blumenstrauß und Kitschgedicht: Im Mai 1923 führte die Weimarer Republik den Muttertag in Deutschland ein. Erfunden hatte ihn eine Amerikanerin - die fortan Blumenhändler, Schokoladenfabriken und Parfumhersteller mit Prozessen überzog, um die Komerzialisierung ihrer Idee zu verhindern.



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Der Muttertag geht auf die US-Amerikanerin Anne Jarvis zurück: Als deren geliebte und verehrte Mutter am 9. Mai 1905 starb, warb sie für einen Tag im Jahr zu Ehren der Mütter. Neun Jahre war die selber kinderlos gebliebene Frau für die Idee aktiv, bis der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson 1914 verfügte, dass alljährlich am zweiten Sonntag im Mai Muttertag sei.

Die Kirchen, die internationale Muttertagsgesellschaft, die Heilsarmee und geschäftstüchtige Blumen-, Parfüm- und Haushaltswarenverkäufer nahmen sich der Sache an und verschafften dem Muttertag erstaunliche Popularität - gegen den erbitterten Widerstand von Anne Jarvis. Die opferte ihr ganzes, beträchtliches Vermögen, um Blumengeschäfte, Schokoladenfabrikanten und Duftwasserhersteller mit Prozessen zu überziehen.

Doch vergebens: Der Muttertag blieb. Anne Jarvis starb 1943 blind, verbittert und bettelarm in einem Altersheim in Philadelphia.

"Unser aller Mutter ist Deutschland"

Die Muttertagsindustrie traf auf eine eigenartige Gefühlsmischung aus Dankbarkeit, Sentimentalität und schlechtem Gewissen. Anne Jarvis' Vermächtnis eroberte die westliche Welt. Einen "Mothering Day" gab es schon vor mehr als 350 Jahren in Großbritannien. Eine Chronik von 1644 berichtet, dass sich alljährlich am Mitfastensonntag Kinder und Enkel bei Mutter und Großmutter zusammenfanden, Geschenke mitbrachten und einen Mothering-Kuchen verspeisten. In den Kalendern des ehemaligen Ostblocks suchte man den Tag vergeblich.

1923 hielt der Muttertag in Deutschland Einzug; zynische Danksagung an die Frauen, die ihre Söhne auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges verloren hatten. Mit Orden und völkischem Eifer machten sich Deutschlands Nationalsozialisten den Muttertag zu eigen. Adolf Hitler brauchte Soldaten, und so wurden kinderreiche Mütter für ihre Gebärleistungen mit Kreuzen behängt.

Die Leiterin der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF), Gertrud Scholtz-Klink, schwor 1935 die Radiohörerinnen ein: "Wenn nun am heutigen Tag ein gesamtes Volk einen Ehrentag für die Mütter begeht, so dass hinter der Ehrung einer einzelnen Mutter die Besinnung eines ganzen Volkes auf seine ureigenste Mutterkraft steht. Wenn es uns aber gelingt, den einzelnen Menschen an dem Tag, an dem er seiner leiblichen Mutter doch einmal seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen möchte, daran zu erinnern, dass wir alle eine gemeinsame Mutter haben, der wir gehören und der wir Dank schulden: unser aller Mutter ist Deutschland."

Das jähe Erwachen aus dem großdeutschen Alptraum ließ den Muttertag in den Jahren nach der nationalsozialistischen Diktatur ein verschämtes Dasein führen. Zwischenzeitlich sollte er abgeschafft werden und einem Familientag weichen, doch auch diese Irritationen überstand der Muttertag: Er wird weiterhin am zweiten Sonntag im Mai begangen.



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insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Siegfried Schreiber am 11. Mai 2008, 15:28
"[...] In den Kalendern des ehemaligen Ostblocks suchte man den Tag vergeblich. [...]"
Dieser Satzt ist schlicht und ergreifend nicht richtig! In der ehemaligen DDR gab...


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