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1968

Vollgasfilme

Schnell, schneller, Bullitt


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Keine Chance: Die Nummer mit dem Hubschrauber und dem Magneten ist gemein, zugegeben, aber unglaublich spektakulär. ("James Bond 007- Man lebt nur zweimal", GB 1967, Regie: Lewis Gilbert)

Wilde Verfolgungsjagden mit acht Zylindern und 335 PS: Im Kultfilm "Bullitt" donnerte Hollywood-Legende Steve McQueen vor 40 Jahren durch San Francisco. Die erste High-Speed-Hatz ohne Studioaufnahmen war der Beginn von ganz großem Auto-Kino. einestages zeigt die schönsten Szenen atemloser Raserei durch die Kinogeschichte. Von Sebastian Heilig


Ein Ford Mustang schießt mit quietschenden Reifen auf eine Straßenkreuzung. Der Fahrer reißt das Lenkrad rum, ein Augenzwinkern lang bricht das Heck aus, fängt sich wieder, und 335 PS peitschen den Boliden mit aufjaulendem Motor eine hügelige Hauptstraße von San Francisco hinauf. Ungebremst fliegt der Wagen über den Kamm der Straße, setzt auf, Funken sprühen. Eine Passantin springt in letzter Sekunde zur Seite, bevor der Fahrer mit angezogener Handbremse und eingeschlagenem Lenkrad in die nächste Seitenstraße schliddert. Der Wagen verschwindet in einer Wolke aus Staub, Abgas und versengtem Gummi.

Das sind nur fünf Sekunden aus einer der spektakulärsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte. "Bullitt" mit Steve McQueen sorgte 1968 in den Kinos für Furore. Mit über zehn Minuten Gesamtlänge war diese Hochgeschwindigkeitshatz nicht nur jahrelang die ausgedehnteste Straßenjagd überhaupt, sie setzte auch neue Maßstäbe im Genre der Car-Chase-Filme. Dabei erfand Regisseur Peter Yates keine durch die Luft wirbelnden Chevys, keine Massenkarambolagen mit zerknautschten Polizeiwagen, keine unmöglichen Rallye-Kunststücke. Ganz im Gegenteil: Yates besann sich auf das Wesentliche - die Perspektive über die Schulter, den Blick in den Rückspiegel, die Hand auf dem Schaltknüppel, das Auto, die Straße.

Und dann war da noch der Rest des Films. Mal ehrlich, an die Handlung erinnert sich kaum jemand mehr. Korrupte Politiker, namenlose Tote und Mafia-Kronzeugen in Lebensgefahr - viel zu kompliziert. Was im Gedächtnis blieb, sind fliegende Radkappen, quietschende Reifen, berauschender Motorlärm und natürlich Hauptdarsteller Steve McQueen. Mit seinen stahlblauen Augen und seinem Ruf als draufgängerischer Rennfahrer - auch im echten Leben - machte er die Rolle des Polizisten Frank Bullitt zur Legende. Seine Bühne: San Francisco, Kalifornien.

16 Gänge, Radkappen bis zum Abwinken

Die Hippie-Metropole an der Westküste mit ihren steilen Hügeln und engen Kurven war der perfekte Ort, um die physischen Belastungsgrenzen der schwerfälligen, PS-strotzenden Ami-Schlitten auszutesten. Zum allerersten Mal wurde eine komplette Verfolgungsjagd außerhalb des Studiogeländes gefilmt. Zuvor wurden solche Szenen meist kostengünstig und schnell realisierbar per Rückprojektion gedreht. Erst "Bullitt" holte die Leinwandboliden auf die Straße.

In einem dreiwöchigen Drehmarathon wurde jede einzelne Einstellung aus mehreren Perspektiven gefilmt und später im Studio zu den zehn Minuten zusammengeschnitten, die Filmfans zum Frohlocken bringen - und jeden logisch denkenden Menschen in den Wahnsinn treiben. Denn am Schneidetisch wurde das gefilmte Material mit Wiederholungen und ohne viel Rücksicht auf die ursprüngliche Reihenfolge kompiliert - ein gefundenes Fressen für Film-Nerds. Mit Strichlisten bewaffnet sitzen sie vor ihren Home-Video-Systemen, um ihre akribischen Fehleranalysen später im Internet zu veröffentlichen. Die Ungereimtheiten, auf die sie dabei stießen, sind in der Tat atemberaubend:

- Der pechschwarze Dodge Charger, den Bullitt verfolgt, verliert deutlich mehr Radkappen, als Räder am Auto sind. Allein beim letzten Stunt fallen gleich alle vier ab.

- Bullitt alias Steve McQueen schaltet während der zehnminütigen Jagd insgesamt 16-mal hörbar rauf, ohne auch nur einmal einen Gang zurückzuschalten - doch selbst das Schaltgetriebe eines 1968er Mustang GT 390 hat natürlich nur vier Gänge.

- Einmal wird ein 67er Pontiac Firebird überholt, der in der nachfolgenden Szene plötzlich im Gegenverkehr auftaucht. Ein und derselbe grüne Käfer wird sogar gleich viermal überholt.

Doch das ist Erbsenzählerei. Es geht nicht um Logik, sondern um Geschwindigkeit. Regisseur Yates hatte es geschafft, den Zuschauer mit seiner spektakulären Autojagd zu packen. Das war nun die neue Messlatte, die es zu toppen galt - eine benzingeschwängerte, ölverschmierte Herausforderung an alle Regisseure, die folgten.

Der drogenverseuchte New Yorker Untergrund

In "French Connection - Brennpunkt Brooklyn" nahm Regisseur William Friedkin den Kampf 1971 an. Um das schmutzige, drogenverseuchte New York, in dem sich der verdeckte Ermittler Jimmy "Popeye" Doyle (Gene Hackman) bewegt, authentisch in Szene zu setzen, bedient sich der Film Stilmitteln, die bis dahin Independent-Regisseuren vorbehalten waren. Teilweise wurde mit wackliger Handkamera gefilmt, Hauptdarsteller Hackmann improvisierte selbstbewusst am Drehbuch vorbei.

"Raus! Ich brauche ihr Auto!"

"Wann kriege ich es zurück? Hey!"

Mit diesem atemlosen Dialog beginnt in "French Connection" eine Verfolgungsjagd, gegen die der Vollgasmarathon aus "Bullitt" nur noch Disneyland ist. Detective Popeye braucht einen Wagen, und zwar sofort. Schließlich muss er einen Drogendealer verfolgen, der ihm in einer Hochbahn davonfährt. In einem Pontiac LeMans rast Popeye mit Vollgas durch den Stadtverkehr, zwischen den stählernen Pfeilern der Hochbahn hindurch. Immer wieder muss er dabei entgegenkommenden Wagen ausweichen und sich haarscharf an Lkw vorbeischlängeln. Als ihm ein Kinderwagen in die Quere kommt, verliert der Detective für Augenblicke die Kontrolle und rast ungebremst durch einen Müllberg.

Bei den Dreharbeiten hatte das Team um Regisseur Friedkin zwar daran gedacht, die Straße unter New Yorks Hochbahnpfeilern zu sperren, vergaß allerdings, die Anlieger zu warnen. Während der Jagd rammt Popeye einen Wagen, der aus einer Ausfahrt kommt. Der Unfall, einer der spektakulärsten Momente im Film, war echt. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Um den cineastischen Höllenritt noch rasanter wirken zu lassen, setzte Friedkin verschiedene Kniffe ein. Die Kamera lief bei den Aufnahmen etwas langsamer, damit die Wagen später auf der Leinwand noch schneller wirkten. Außerdem setzte er den Geschwindigkeitsrausch mit verschiedenen Kameras gleichzeitig in Szene. Eine Kamera war auf der vorderen Stoßstange so nah am Boden wie möglich montiert - der Asphalt rast nur so unter dem Wagen entlang. Mit einer anderen wurde durch die Windschutzscheibe gedreht, in der sich das Gitter der über Popeye hinwegfegenden Schienenschwellen spiegelt. Eine dritte Kamera war über Hackmanns Schulter montiert, um einen Eindruck aus Fahrersicht zu vermitteln.

Eine gewaltige Explosion

Diese Aufnahmetechniken sind bis heute State of the Art. Allerdings sind die Budgets gewaltiger. Für die Verfolgungsjagd durch Paris im Actionfilm "Die Bourne Identität" mit Matt Damon von 2002 wurden mal eben 15 Mini Cooper verschlissen. Natürlich rasen hier inzwischen auch computergenerierte Bilder mit. Im Fall von Filmen wie "Terminator 2", in dem ein gigantischer Lkw einem Motorrad hinterherjagt, mag man dieser Entwicklung sogar etwas abgewinnen. Leidenschaftliche Muscle-Car-Romantiker wie "Pulp Fiction"-Regisseur Quentin Tarantino lehnen solchen Firlefanz natürlich trotzdem prinzipiell ab.

Tarantino gelang es mit seinem Film "Death Proof" 2007, einen Parkplatz im Olymp der grandiosen Verfolgungsjagden zu ergattern. Selbstverständlich konnte sich der Großmeister des Filmzitats auch hier eine Verbeugung vor seinen Helden nicht verkneifen. Den weißen 1970er Dodge Challenger R/T, in dem sich ein Girlie-Trio um Abernathy (Rosario Dawson) eine atemberaubende Straßenschlacht mit Stuntman Mike (Kurt Russell) liefert, kennen echte Aficionados aus einem weiteren Klassiker der Car-Chase-Filmgeschichte: In "Fluchtpunkt San Francisco" brachte Regisseur Richard C. Sarafian das Genre schon 1971 auf den Punkt. Wegen einer Wette will darin der Rennfahrer Kowalski (Barry Newman) in 15 Stunden über alle Staatsgrenzen hinweg von Denver bis nach San Francisco rasen - für Filmfans bedeutet das 95 Minuten qualmende Reifen und ein bis zum Anschlag durchgetretenes Gaspedal.

Und was gehört an das Ende jeder guten Verfolgungsjagd? Richtig: Eine gewaltige Explosion.

Selbst wenn neunmalkluge Physiker uns immer wieder versichern, dass Autos niemals explodieren wie in Hollywood-Filmen - der Feuerball bleibt der Knalleffekt zum Schluss.



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insgesamt 14 Beiträge zur Debatte
joerg biester am 19. Juli 2010, 14:23
es gibt nur den 'vanishing point', 'la Strada' und für einige wenige 'Wilde Erdbeeren'.

cleavon

Anja Heim am 13. November 2008, 21:51
Ach ja... Convoy...
Einfach genial.
Würde auch gut in eine Serie "beste Filmmusik" passen, finde ich.

Mir fehlt in der Liste übrigens noch K.I.T.T..
Ich...


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