| Netz und News: Bereits am 25. Oktober 1994 konnte man auch den SPIEGEL im Internet finden. SPIEGEL ONLINE war damit das weltweit erste Nachrichtenmagazin, das im WWW erschien. Einen Tag später folgte das "Time"-Magazin. Neben den Texten der Printausgabe veröffentlichte die Online-Redaktion bald auch eigene Beiträge. Das Bild zeigt die Homepage von SPIEGEL ONLINE im Jahr 1996. |
Datenautobahn, Highway oder sogar Information-Superhighway: Das klang nach Hochdruck, Tempo und Geradlinigkeit. Doch viele der ersten Web-Auftritte bremsten den Nutzer Anfang der Neunziger aus. einestages erinnert an die Debüts von Amazon, Ebay und Co. - und wie sie sich mit der Zeit veränderten. Von Karin Seethaler
Ich downloade, du downloadest, er hat downgeloadet - die Liste der Vokabeln, die der Mensch in den vergangenen 20 Jahren zu lernen hatte, ist lang. Vage geisterten Anfang der neunziger Jahre Begriffe wie "Hypertext" und "Browser" durch das kollektive Bewusstsein und mischten sich mit der rätselhaften "Domain" oder dem ebenso mysteriösen "Server". Wer damit etwas anzufangen wusste, konnte sich als "Weiser im globalen Dorf" betrachten, wie der SPIEGEL 1994 in einem Artikel bemerkte, der einen Vorgeschmack auf die vernetzte, multimediale Zukunft geben sollte:
"Wie ein Händler auf dem Börsenparkett, der per Handzeichen Aktienbewegungen am anderen Ende der Welt auslöst, schaltet der 'Web'-Benutzer zwischen Knotenpunkten in Australien, Russland oder Costa Rica hin und her, häufig ohne zu wissen, mit welchem Erdteil er gerade verbunden ist."
Was sich hier bereits nach globalem Geschwindigkeitsrausch anhört, ähnelte in der Praxis jedoch oft dem verzweifelten Versuch, in einem ständig wachsenden Informationsdickicht einen halbwegs gangbaren Weg zu finden. Frühe Nutzer erinnern sich an Internetseiten, die wahre Labyrinthe waren: bunte Balken, die sich über den gesamten Bildschirm verteilten, Text in langen Spalten, der kaum mit der Lupe zu entziffern war, Links, die ins Leere führten. Im Rückblick wirken diese ersten Web-Angebote heute wie anarchischer Wildwuchs. Wer darin gezielt nach einer bestimmten Information suchen wollte, musste ausreichend Zeit und Nerven mitbringen.
Trotzdem denken viele Nutzer inzwischen mit Nostalgie an ihre ersten WWW-Erfahrungen zurück - an Tage, als das Internet noch ein großer Spielplatz war und aus der Telefondose kam. "Weißt du noch", liest man in Blogs und Foren, "diese schnarrenden Pieptöne, die das Modem beim Einwählen machte? Dieser krasse Sound?" Und überhaupt ging das ja damals noch alles furchtbar langsam. Da reichte oft ein einziges Bild, um das Laden einer Seite ins Unerträgliche zu verlängern.
WWW stehe für "weltweites Warten", kalauerten Skeptiker deshalb in den Kindertagen des Web. Die sind inzwischen endgültig vorbei. In Zeiten von Breitbandverbindungen und drahtlosen Netzwerken ist es nicht nur selbstverständlich im Internet Musik zu hören, Bilder zu verschicken und Filme zu schauen. Es ist auch der Ort, wo man sich zuerst informiert, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, wo man Bankgeschäfte erledigt, Einkäufe tätigt und seine Freundschaften organisiert.
Zum 20. Geburtstag des WWW dreht einestages die Zeit zurück und zeigt, wie der Hypertext aussah, als er wirklich noch vor allem aus Text bestand. Und wie daraus innerhalb weniger Jahre das Multimedianetz wurde, das heute weite Teile unseres Alltags bestimmt.

Drei Buchstaben, die Millionen versprachen: Zwei Amerikaner...
Die wichtigste Regel: Es gibt keine Regel! Vor zehn Jahren...
Am Anfang war der Quatsch: Als das WWW populär wurde, war...