Über einestages

1960

Tod des Torwand-Erfinders Das Runde muss ins Runde


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Enttäuschender Auftritt: Als Fußballlegende Pelé am 26. September 1970 im "Sportstudio" auf die Torwand schoss, traf er trotz besonders gründlicher Aufräummaßnahmen des Moderators vor dem Schuss ("Wenn mer schon so a Festtag ham...") nur ein einziges Mal aus sechs Versuchen.

Er wollte nur ein paar Sportfestbesuchern die Zeit vertreiben - und schuf ein deutsches Heiligtum: Die legendäre Torwand. einestages erinnert an den Erfinder Heinrich Klein, der nun mit 92 Jahren gestorben ist - und an die besten Geschichten, die seine gelochte Spanplatte in 50 Jahren schrieb. Von Christian Gödecke und Danny Kringiel


Heinrich Klein hätte berühmt werden können, vielleicht auch reich, wie so viele Erfinder vor ihm. Immerhin prägte seine so simple wie geniale Erfindung die deutsche Fernsehlandschaft wie wenige andere. Eine Platte mit zwei Löchern, grün angemalt mit weißer Umrandung, die seit 1963 im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF stand und dort TV-Geschichte schrieb: die Torwand.

Aber Heinrich Klein wurde nicht berühmt. Er blieb unerkannt und unbekannt - bis ihn die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 2009 besuchte. Der Erfinder sprach erstmals öffentlich über die löchrige Wand und wie sie ihren Weg ins deutsche Fernsehen gefunden hatte. Klein lebte in einem Altenheim in Dortmund. Er hatte 90 Jahre alt werden müssen, bis man Notiz von ihm nahm.

Die Geschichte, die Klein an jenem Tag erzählte, ist die eines Tüftlers, der seine größte Erfindung eher zufällig macht: Klein, der seit 1954 als Halleningenieur in der Dortmunder Westfalenhalle angestellt ist, arrangiert beim jährlichen Sportpressefest auch den Prominentenwettbewerb. Dazu organisiert er etwa ein Eisstockschießen oder lässt Besucher aus elf Metern auf ein Handballtor schießen, in dem ein berühmter Torwart steht. Auch der Bundestrainer Sepp Herberger sei dabeigewesen, erzählt Klein.

"Ich habe mir damals nichts dabei gedacht"

Doch das Handballtor ist zu klein, der Torwart hält jeden Ball. Klein findet, das sei kein Zustand. Er nimmt eine Spanplatte, zwei Meter hoch, drei Meter breit, schneidet oben links und unten rechts jeweils ein Loch mit 50 Zentimetern Durchmesser hinein - und fertig ist die Torwand. "Drei Schüsse auf das untere Loch, drei Schüsse auf das obere Loch - das haben wir von Anfang an so gemacht", erzählt Klein in der "FAZ". Die Erfindung wird 1960 ein Erfolg beim Sportpresseball, doch keine feste Institution. "Ich konnte doch nicht immer dasselbe für die Leute anbieten", sagt Klein. Im nächsten Jahr macht er etwas anderes.

Als 1963 mit dem Start der Fußball-Bundesliga das "Aktuelle Sportstudio" ausgestrahlt wird, sind auch die Moderatoren Wim Thoelke und Werner Schneider dabei. Und die Mitglieder der Westdeutschen Sportpresse haben etwas mitgebracht: Kleins Torwand. Fortan werden der öffentlich-rechtliche Sender und die löchrige Platte untrennbar miteinander verbunden sein, die Torwand wird zum Markenzeichen des "Sportstudios" und findet sich irgendwann auch auf Spiel- und Fußballplätzen. Sie ist in der Lebenswelt der Menschen fest verankert - so wie viele der größten Erfindungen.

Ihr Erfinder hingegen blieb immer Schatten. Niemand nannte seinen Namen, Klein selbst ging ebenfalls nicht an die Öffentlichkeit. "Ich war Bediensteter bei der Westfalenhalle", sagt er in der "FAZ", die Sportpresse sei der Kunde gewesen: "Da kann ich doch nicht hingehen und irgendwelche Forderungen stellen." Dass seine Torwand Fußballgeschichte schreiben würde, habe er ohnehin nicht ahnen können, sagt Klein. "Das ist sie erst mit der Zeit geworden. Ich habe mir damals nichts dabei gedacht."

Das ungelöste Rätsel

Heute ist die Torwand nicht mehr die gleiche wie damals, als Klein sie aus einer Spanplatte baute. Kunststoff hat sie abgelöst, aber sonst hat sich überraschend wenig verändert. Nicht der Durchmesser der Löcher und auch nicht die Entfernung, aus der jeden Samstagabend geschossen wird: sieben Meter. Seit 50 Jahren steht sie im Mainzer Studio und schreibt die schönsten Geschichten. Wie die von Franz Beckenbauer, der den Ball auf ein volles Weizenglas legt und trotzdem unten rechts trifft. Oder die von Gerd Müller und Lothar Emmerich - die Stürmer von Bayern München und Borussia Dortmund schießen aus Kanonen auf die beiden Löcher.

Doch eins ist auch in 50 Jahren noch nicht passiert: Kein einziger Gast hat es je geschafft, alle sechs Bälle in der Torwand zu versenken. Günter Netzer traf fünfmal, ein paar machten es ihm nach. Sechs ist die magische Zahl, das ungelöste Rätsel. Heinrich Klein hat Zeit seines Lebens darauf gewartet, dass es jemand knackt. Jetzt ist er am 1. August 2011 im Alter von 92 Jahren gestorben.


Debatte

insgesamt 4 Beiträge zur Debatte
Roland Grosser am 4. August 2011, 11:11
hier sind die mit den Stöckelschuhen
http://www.youtube.com/watch?v=_dk6WdBmR3c

M R am 4. August 2011, 10:49
Die coolsten AKtionen an der Torwand waren ja wohl die von Wynton Rufer. Leider gibt es davon kaum Bildmaterial. Einmal auf einem Fuß zur Wand jongliert und dann reingelupft...


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