|
…mag die Szene aus "Shining" auch bekannt vorgekommen sein. Denn bereits 1921 hat Victor Sjöström in seinem Stummfilm "Der Fuhrmann des Todes" die gleiche Szene gezeigt. Ein Mann (übrigens gespielt vom Regisseur selbst), der durchdreht und versucht, sich mit der Axt Zugang zu dem Zimmer zu verschaffen, in dem sich seine Frau vor ihm in Sicherheit gebracht hat.
Es ist wahrscheinlich, dass Kubrick diese Szene kannte. Schließlich gilt Sjöström vielen Filmemachern und Kinokennern als einer der wichtigsten Innovatoren des Stummfilms und dieser Horrorfilm als sein Meisterwerk. Auch Ingmar Bergmann war ein Fan des Regisseurs und drehte 2000 sogar den TV-Film "The Image Makers" über die Dreharbeiten zu "Der Fuhrmann des Todes". Sjöström hätte sicher nichts gegen Kubricks grandios gefilmtes Zitat gehabt. Schließlich hat er sich vermutlich selbst zu der Axtszene inspirieren lassen. Von einem anderen Meisterregisseur der Stummfilmzeit:… |
Mit fremden Lorbeeren auf den Film-Olymp: Die Axtszene aus "Shining" schrieb Kinogeschichte. Dabei hatte Stanley Kubrick sie aus einem anderen Film geborgt. Er ist nicht der einzige. Etliche Star-Regisseure kupferten bei Kollegen ab und schufen so herrliche Hommagen, aber auch dreiste Kopien. einestages präsentiert unvergessliche Filme - und ihre vergessenen Vorbilder. Von Benjamin Maack
Dieses von Wut und Wahnsinn verzerrte Gesicht. Wie er mit den Fäusten an die verschlossene Tür schlägt, am Knauf rüttelt. Seine Frau, die auf der anderen Seite um ihr Leben bangt, nackte Angst in ihren Augen. Und dann der Moment, der sich Millionen Kinobesuchern ins Gedächtnis gebrannt hat: Wie der Irre sich die Axt greift, weit ausholt, Hieb um Hieb ein Loch in die massive Holztür schlägt und schließlich mit wildem Blick durch die zersplitterte Öffnung stiert.
Die Axtszene aus "Shining" mit Jack Nicholson ist eine der bekanntesten Sequenzen der Kinogeschichte. Wer Stanley Kubricks Film gesehen hat, kriegt diese Bilder nie mehr aus dem Kopf. Dem Meisterregisseur muss es genau so gegangen sein - als er den Stummfilm sah, aus dem er die Szene vermutlich geborgt hat.
"Der Fuhrmann des Todes" ist so etwas wie das "Shining" der zwanziger Jahre. Der Horrorfilm von 1921 war damals zwar kein sonderlicher Erfolg an den Kinokassen. Doch mit seinen intensiven Bildern, einer komplexen Erzählstruktur voller Rückblenden und seiner stilprägenden Tricktechnik wurde das Werk des Schweden Victor Sjöström zu einem Klassiker unter Kinokennern und Filmemachern. Sein Landsmann Ingmar Bergmann etwa sagte einmal, er habe "Der Fuhrmann des Todes" das erste Mal mit 15 gesehen und von da an mindestens einmal pro Jahr.
Film: genial! Story: geklaut
Auch wenn Kubrick nie erwähnte, dass Sjöströms Film ihn inspiriert hat, gleicht seine Version dem mutmaßlichen Vorbild sogar bis in einige Schnittfolgen. Sjöström hätte das sicher nicht gestört - denn er selbst hatte sich die Idee zu der Szene sehr wahrscheinlich von einem anderen Regiestar der Stummfilmzeit ausgeliehen. 1919 hatte D.W. Griffith in seinem Film "Broken Blossoms" einen Mann gezeigt, der versuchte, mit einer Axt die Tür zu einem Zimmer einzuschlagen, in dem sich eine verängstigte Frau vor ihm in Sicherheit gebracht hatte. Und niemand kann behaupten, dass ein visionärer Regisseur wie Sjöström freiwillig den neuesten Geniestreich des Chef-Filminnovators Griffith verpasst hätte.
Die Filmgeschichte ist voll von Zitaten - und alle ehren ihre Vorlagen. Egal, ob es sich bei den Originalen nun um einen längst vergessenen Stummfilm, einen unerreichbaren Klassiker oder ein obskures B-Movie handelt. Natürlich sind manche wunderbare Hommagen und andere nur ein mieser Abklatsch. Doch bei jeder zitierten Kameraeinstellung, jeder nachgedrehten Szene und jedem ausgeliehenen Filmplot muss man sich einen Regisseur vorstellen, der einen Film gesehen hat und dachte: genial!
Das dachte auch der italienische Regisseur Sergio Leone, als er in den sechziger Jahren einen Brief von seinem großen Idol Akira Kurosawa erhielt. Der japanische Regisseur hatte ihm einen Glückwunsch zu seinem Western "Für eine Handvoll Dollar" zukommen lassen. Stolz wie ein Kind zeigte Leone den Brief überall herum. Dabei war der Inhalt eigentlich wenig schmeichelhaft. "Sie haben einen sehr schönen Film gemacht", hatte Kurosawa seinem Kollegen geschrieben, "aber es ist mein Film."
Mammuts halfen beim Pyramidenbau, Frankreichs König Ludwig...
Zu brutal! Zu kirchenfeindlich! Zu pornografisch! In der...
Den Oscar mit zehn, Kokain mit 15: Den Sprung vom süßen...