Er schuf die "Satansweiber von Tittfield" und die "Supervixens", seine Schauspielerinnen brauchten mindestens 105 Zentimeter Oberweite. Doch Russ Meyers Werk ist alles andere als Sextrash. einestages über seine Filme, Frauen - und warum er als erster feministischer Regisseur der USA galt. Von Benjamin Maack
Es könnten auch einfach nur doofe Bumsfilmchen sein. In Deutschland wurden Russ Meyers Filme meist unter halb witzigen, halb unterirdischen Trash-Titeln wie "Die Satansweiber von Tittfield", "Lorna - Zuviel für einen Mann", "Drunter, drüber und drauf" oder "Die Liebestollen Hexen" veröffentlicht. Klingt nicht gerade, als würden seine Streifen sich von verklemmten deutschen Vögel-Komödien wie "Liebesgrüße aus der Lederhose" oder "Schulmädchen-Report" unterscheiden.
Weit gefehlt: Russ Meyer wird "der Fellini der Erotik" und "Eisenstein des Sexfilms" genannt. Die "Süddeutsche Zeitung" entdeckte in Meyers Filmen gar "die großen Gefühle griechischer Tragödien", wenn auch "im Playmate-Format". Und als RTL plus 1991 mal wieder mit ein paar Sex-Streifen des Regisseurs Quote machen wollte, war sich der SPIEGEL nicht zu schade, die durchsichtige Programmentscheidung des Privatkanals als eine "Russ-Meyer-Retrospektive" zu überhöhen.
Der Meister selbst betrachtete sein Werk stets mit trockenem Understatement. Sein Rezept für einen guten Film beschrieb er so: "Jeder Film beginnt mit mir. Ich muss bei der Idee einen Harten bekommen." Der Mann - berühmt für seine freizügigen Sujets voller Sex und Gewalt - nannte sich selbst schlicht einen "Tittenfetischisten" und bekannte in Interviews gern, dass ihm keine Frau mit einem Brustumfang von weniger als 105 Zentimetern ins Bett kommt.
Wer Bier holt, soll wen bumsen sehen
Wer sich dennoch wünschte, dass der Meister sein Werk interpretierte, biss meist auf Granit. Als Meyer 1981 durch Deutschland tourte, um die Wiederaufführung einiger alter Filme zu promoten, notierte die Presse voll diebischer Freude, mit wie viel gradlinigem Pragmatismus er auf das Interesse allzu interpretationsfreudiger Filmfans reagierte:
Frage: Warum im "Tal der Superhexen" der Priester so schlecht wegkomme? "Sind Sie antireligiös eingestellt?"
Antwort: "Ich mag den Priester genauso wenig wie den Vergewaltiger."
Frage: "Warum drehen Sie in schwarzweiß?"
Antwort: "Ich hatte zu wenig Geld, um in Farbe drehen zu können."
Frage: "Warum gibt es eine taubstumme Frau in dem Film?"
Antwort: "Die Darstellerin kam aus Deutschland, ihr Akzent hätte schlecht in eine Südstaaten-Geschichte hineingepasst, und Frauen mögen es nun mal nicht, wenn man ihre Stimme synchronisiert."
Ein anderer Cineast wollte wissen, was die Prinzipien seiner Erzählstruktur seien. Darauf Meyer: "Meine Filme werden häufig auf Partys gezeigt. Wenn einer in die Küche geht und Bier geholt hat, muss er beim Reinkommen wieder ein paar Leute beim Bumsen sehen."
"Ich arbeite für Lust und Profit"
Seinen ersten Film drehte Russ Meyer 1959. "Der unmoralische Mr. Teas" handelt von einem Mann, der sich zwanghaft alle schönen Frauen, denen er begegnet, nackt vorstellt. Was nach heutigen Standards nach dem Stoff für eine ziemlich mittelmäßige Sexklamotte klingt, ließ damals Dämme brechen. Denn im verklemmten Amerika der späten fünfziger Jahre gab es noch keine Nacktfilme. Die steigende Nachfrage nach Erotik auf der Leinwand wurde mit fadenscheinigen Dokumentationen über Freikörperkultur mehr schlecht als recht befriedigt. Wie viele andere hatte auch Meyer keine Lust darauf, unattraktive Frauen und Männer zu bespähen, die sich in abgelegenen Camps tummeln und ihre Scham mit Volleybällen verdecken. "Mr. Teas", den Meyer in nur vier Tagen mit einem Freund in der Hauptrolle für knapp 24.000 Dollar realisierte, traf den Zeitgeist - und spielte mehr als eine Million Dollar ein.
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