|
Aschenputtel oder Drogenopfer?
Als moderne Märchenprinzessin machten die Disney Studios Julia Roberts 1990 in der Romantikkomödie "Pretty Woman" berühmt: Roberts spielte die arme Prostituierte Vivian, die vom ebenso reichen wie attraktiven Geschäftsmann Edward (Richard Gere) für eine Woche gekauft wird. Edward führt das einfache Mädchen vom Lande in seine Welt der Sportwagen, Opern und Designerkleider ein, und beide verlieben sich unsterblich ineinander. So kennen wir das Ende: Nach einem Streit verlässt Vivian Edward und kehrt zutiefst verletzt in ihre ärmliche Behausung zurück. Doch als der zum Klang von "La Traviata" in seiner weißen Luxuslimousine vorfährt und - trotz seiner Höhenangst - mit einem Rosenstrauß zwischen den Zähnen ihre Feuerleiter erklimmt, erkennt sie, dass sie ohne ihren millionenschweren Märchenprinzen nicht leben kann. Zu schwelgenden Orchesterklängen fallen sich beide in die Arme. Und so... |
Alles hat ein Ende, nur der Film - hat zwei! Um den großen Kinohit zu landen, lässt Hollywood oft in letzter Sekunde noch einen völlig neuen Ausgang drehen - auch wenn der gar nicht zum Film passt. einestages verrät, wie "Pretty Woman", "Rambo" und Co. eigentlich ausgehen sollten. Von Danny Kringiel
Erinnern Sie sich noch an die romantische Komödie des Jahres 1990? Das beschwingte Hollywood-Märchen "Pretty Woman" mit Julia Roberts in der Rolle der Prostituierten Vivian, die am Wegesrand in Hollywood zufällig von Richard Gere aufgelesen wird? Wissen Sie noch, wie sie den gutaussehenden Millionär verzauberte, als sie im Sternerestaurant aus Versehen die Weinbergschnecken durch die Luft schleuderte oder lauthals in der Badewanne sang? Wie er sie im Abendkleid zur Oper ausführte, und "La Traviata" das leichte Mädchen zu Tränen rührte?
Und erinnern Sie sich auch noch, wie er ihr offenbarte, dass sie ihren neuen Pelzmantel jetzt zurückgeben muss und er sie zurück zum Straßenstrich fährt? Wie er sie aus dem Auto zerrt und zu Boden stößt, weil ihn ihr Geheule nervt? Wie er ein paar Geldscheine neben sie aufs Pflaster schmeißt und einfach wegfährt? Nein? Das liegt daran, dass die Produzenten des Films beschlossen, das ursprünglich geplante Ende von "Pretty Woman" durch ein zuckersüßes Happy End zu ersetzen.
Ursprünglich sollte die Romantik-Schmonzette "Pretty Woman" ein hartes, realistisches Drama über eine drogenabhängige Hure werden, die ein eiskalter Geschäftsmann in das Leben der oberen Zehntausend einführt und anschließend wieder fallen lässt. Drehbuchautor Jonathan Lawton hatte etliche Interviews mit Prostituierten geführt, sich ihre Geschichten über Missbrauch, Drogensucht und Perversionen angehört, um ein ungeschöntes Bild von ihrem Leben zu zeichnen. Dann kaufte Disney die Rechte.
Sitcom-Spezialist Garry Marshall wurde als Regisseur verpflichtet - und verwandelte das Drehbuch in eine luftig-leichte "Cinderella"-Neuauflage mit FSK-12-Altersfreigabe.
Vom Freier zum Märchenprinzen
Lawton war entsetzt darüber, wie Disney sein Prostituiertendrama mit Zuckerguss überzog. Und nicht nur er: Eine Schauspielerin nach der anderen lehnte die Rolle der Vivian ab, weil sie ihnen sexistisch und verlogen erschien: Meg Ryan und Michelle Pfeifer gefiel der Tonfall des Scripts nicht, Daryl Hannah schimpfte, die Rolle sei "eine Erniedrigung für alle Frauen", und Jennifer Jason Leigh explodierte förmlich vor Wut, als der Regisseur ihr erläuterte, Vivian mache "den Job erst ein paar Wochen, darum hat sie dabei noch richtig Spaß". Am Ende entschied man sich aus der Not heraus für Julia Roberts, die hartnäckig um die Rolle gebuhlt hatte - obwohl die Produzenten sie eigentlich gar nicht wollten: Sie glaubten nicht, dass man Roberts zur feinen Dame aufhübschen könnte.
Was ist mit Norman Bates' Mutter los? Und wer zum Henker ist...
"Star Wars" mit Zombies? "E.T." mit Blähungen? In den...
Warum brennt im Film bei Flugzeugen immer das linke...