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Carl Bernstein und Bob Woodward, Journalisten
Die Enthüller: Die beiden "Washington Post"-Journalisten Bernstein und Woodward waren gerade mal Ende 20, als sie auf die Spur des heißesten Polit-Krimis der Geschichte kamen. Am 1. August 1972 erschien ihr erster Artikel zum Watergate-Einbruch. Die Reporter konnten zeigen, dass Wahlkampfspenden für US-Präsident Richard Nixon auf einem Konto eines der Einbrecher gelandet waren. Woodward und Bernstein (hier am 7. Mai 1973 in den Redaktionsräumen der "Washington Post") wurden für ihre bahnbrechenden Recherchen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. |
Am Anfang stand ein Einbruch, am Ende stürzte ein US-Präsident: 1972 begann die Watergate-Affäre, der schmutzigste Polit-Krimi der amerikanischen Geschichte. Aufgedeckt wurde er von Bob Woodward und Carl Bernstein. 40 Jahre danach erinnern sich die Reporter an den tiefen Fall Nixons und den Coup ihres Lebens.
5. Teil: Der Krieg gegen die Geschichte
Nixons letzter Krieg, der noch bis heute von ehemaligen Helfern und Revisionisten geführt wird, hatte das Ziel, die Bedeutung von Watergate herunterzuspielen und lediglich als Ausrutscher in Nixons Präsidentschaftsbilanz darzustellen. Nixon lebte nach seinem Rücktritt noch 20 Jahre, in denen er unermüdlich daran arbeitete, den Skandal zu bagatellisieren.
Auch wenn er eine Begnadigung von seinem Nachfolger Gerald Ford akzeptierte, bestand Nixon darauf, nie an irgendwelchen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. In einem Fernsehinterview von 1977 mit dem britischen Journalisten David Frost sagte Nixon, er habe "die Amerikaner enttäuscht", aber er habe nie die Justiz behindert. "Für mich war das keine Vertuschung, ich hatte nicht vor, etwas zu vertuschen. Lassen Sie es mich so sagen: Wenn ich etwas hätte vertuschen wollen, glauben Sie mir, dann hätte ich das auch getan."
In seinen 1978 veröffentlichten Memoiren "RN" (In Deutschland erschienen unter dem Titel "Memoiren"; Anm. d. Red.) beschrieb Nixon seine Rolle im Watergate-Skandal so: "Meine Handlungen und Unterlassungen, obwohl bedauerlich und womöglich unvertretbar, reichten nicht für eine Amtsenthebung." Zwölf Jahre später, in seinem Buch "In the Arena", prangerte er ein Dutzend "Mythen" über Watergate an und behauptete, er sei in vielen Anklagepunkten unschuldig. Einer dieser Mythen sei, dass er die Zahlung von Schweigegeld an Hunt und andere angeordnet hätte. Gleichwohl, eine Tonbandaufnahme vom 21. März 1973 beweist, dass er Dean zwölf Mal beauftragt hatte, das Geld zu beschaffen.
Entscheidende Fragen sind nicht mehr offen
Sogar heute gibt es noch alte Helfer und Verteidiger von Nixon, die die Bedeutung von Watergate herunterspielen oder behaupten, dass entscheidende Fragen bis heute nicht beantwortet seien. So hat Thomas Mallon, Direktor des Creative Writing Programs an der George Washington Universität, erst in diesem Jahr einen Roman mit dem Titel "Watergate" veröffentlicht. Eine streckenweise geistreiche und komplett fiktionale Geschichte, in der viele der realen Protagonisten auftauchen. Frank Gannon, ein ehemaliger Berater Nixons im Weißen Haus, der heute für die Nixon Stiftung arbeitet, schrieb eine Besprechung des Buches für das "Wall Street Journal".
"Aus Watergate erwächst ein akutes Gefühl dafür, wie viel wir immer noch nicht über die Ereignisse am 17. Juni 1972 wissen", schrieb Gannon. "Wer ordnete den Einbruch an? … Was war der eigentliche Zweck? Wurde er absichtlich vermasselt? Wie sehr war die CIA involviert? … Und wie konnte es ein Politiker, so zäh und gerissen wie Richard Nixon, zulassen, von einem 'drittklassigen Einbruch' gestürzt zu werden?"
"Ich weiß es auch nicht besser als Sie."
Natürlich hat Gannon Recht, wenn er anmerkt, dass es noch immer unbeantwortete Fragen gibt - aber es sind keine entscheidenden. Indem er sich darauf konzentriert, dass angeblich Details zum Einbruch vom 17. Juni 1972 fehlen, lenkt er uns von der viel größeren Geschichte ab.
Und an dieser Geschichte gibt es keine Zweifel.
Im Sommer 1974 waren es weder die Presse noch die Demokraten, die sich gegen Nixon wendeten, sondern die eigene Partei des Präsidenten, die Republikaner.
Am 24. Juli entschied der Oberste Gerichtshof mit acht zu null Stimmen, dass Nixon die Tonbänder wie verlangt an den Sonderermittler übergeben müsse. Drei der von Nixon für das Gericht Ernannten, der Präsident des obersten Gerichtshofs, Warren E. Burger, Richter Harry Blackmun und Richter Lewis Powell, schlossen sich der Entscheidung an. Der letzte, Richter William Rehnquist, erklärte sich für befangen.
Drei Tage später schlossen sich im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses sechs republikanische Abgeordnete den Demokraten an, mit 27 zu elf Stimmen wurde beschlossen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Nixon wegen Behinderung der Justiz in der Aufklärung von Watergate einzuleiten.
"Großes Verlangen nach politischer Macht"
Im August stand Nixons Amtsenthebungsverfahren fest. Eine Gruppe von Republikanern unter Führung von Senator Barry Goldwater tat sich zusammen und erklärte die Präsidentschaft Nixons für beendet: "Zu viele Lügen, zu viele Verbrechen", sagte Goldwater.
Am 7. August besuchte die Gruppe Nixon im Weißen Haus.
Wie viele Stimmen hätten wir bei einer Abstimmung im Senat, fragte der Präsident.
"Ich habe heute mal gezählt", erwiderte Goldwater, "und ich konnte nicht mehr als vier sichere Stimmen von alten Südstaatlern finden. Viele machen sich Sorgen darüber, was gerade vor sich geht und sind noch unentschieden. Ich bin einer von ihnen."
Am nächsten Tag gab Nixon in einer Fernsehansprache bekannt, dass er zurücktreten werde.
In seinen letzten Anmerkungen zu Watergate als Senator stellte der 77-jährige Sam Ervin, ein von beiden Seiten respektierter und geschätzter Verfassungsrechtler, eine letzte Frage: "Warum kam es zu Watergate?"
Der Präsident und seine Berater, so Ervin, hätten ein großes "Verlangen nach politischer Macht" gehabt. Und dieses Verlangen, erklärte er, hätte sie "blind gemacht für ethische Abwägungen und gesetzliche Bestimmungen. Und für den aristotelischen Aphorismus, dass das Wohl der Menschen das Ende der Politik sein muss."
Ein flüchtiger Blick auf etwas sehr viel Schlimmeres
Nixon hatte seine moralische Autorität als Präsident verloren. Die geheimen Tonbänder - und was sie enthüllten - werden wahrscheinlich sein am längsten währendes Erbe bleiben. Auf den Bändern spricht er fast endlos darüber, was gut für ihn sei, über seinen Platz in der Geschichte und vor allem über seinen Groll, seine Feindseligkeiten und seine Rachepläne. Was hingegen nie zu hören ist sind Gespräche darüber, was für das Wohl der Nation gut und notwendig sein könnte.
Das Watergate, über das wir von 1972 bis 1974 in der "Washington Post" schrieben, ist nicht das Watergate, wie wir es heute kennen. Es war lediglich ein flüchtiger Blick auf etwas sehr viel Schlimmeres. Als er schließlich gezwungen war zurückzutreten, hatte Nixon einen Großteil des Weißen Hauses in eine kriminelle Organisation verwandelt.
An dem Tag, an dem er ging, am 9. August 1974, hielt Nixon eine sehr emotionale Rede vor seinen Mitarbeitern, seinen Freunden und seinem Kabinett. Neben ihm stand seine Familie. Zum Ende hin wedelte er mit dem Arm, um noch zu betonen, was ihm am wichtigsten war: "Erinnert euch immer", sagte er, "andere mögen euch hassen, aber die, die euch hassen, werden nicht gewinnen, es sei denn, ihr hasst sie ebenfalls, und dann macht Ihr euch selbst kaputt."
Sein Hass hatte zu seinem Niedergang geführt. Nixon begriff das offensichtlich, aber da war es zu spät. Er hatte sich bereits selbst zerstört.
Dieser Text stammt aus der "Washington Post". Mit freundlicher Genehmigung der dapd Nachrichtenagentur. Den Originaltext finden Sie hier.
Übersetzung: Gesche Sager, Christian Gödecke
Mitarbeit: pit
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