Er flog und flog und flog. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko sprang ein US-Amerikaner so weit, dass das Maßband der Kampfrichter nicht ausreichte. Zur Einstimmung auf London 2012 zeigt einestages zehn unvergessliche Olympia-Momente. In Teil vier: Bob Beamons unglaublicher Weitsprung-Rekord. Von Christian Gödecke
Lässig, fast teilnahmslos steht er da, die dünnen Arme hängen schlaff am dünnen Körper herab. Dann plötzlich schnellt der linke Arm nach vorn und mit ihm das rechte Bein. Bob Beamon rennt los.
Es ist der 19. Oktober 1968 im Estadio Olímpico Universitario von Mexiko City, der erste Durchgang des olympischen Weitsprungfinales. Beamon, ein 22-jähriger Schlaks aus Texas, der bei 1,91 Metern nur 70 Kilogramm wiegt, hat von seinen vergangenen 23 Wettkämpfen lediglich einen verloren. Er ist deshalb einer der Favoriten, Experten trauen ihm die Goldmedaille zu - und einen Sprung knapp über acht Meter.
Nach 19 kraftvollen Schritten stößt sich Bob Beamon vom Boden ab, er zieht seine Beine nach vorn und die Arme nach oben. Fotos während des Flugs zeigen ihn mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen - fast so, als könne er es selbst nicht glauben, wie weit es für ihn geht. Schon als er im Sand der Weitsprunggrube aufkommt, reißt er die Arme hoch. Ein Raunen geht durchs Stadion.
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