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Make-up und Gitarrensplitter: Die amerikanische Glam-Rock-Band Kiss hat sich seit jeher einen Namen mit spektakulären Bühnenshows gemacht. Klar, dass ihr Sänger und Gitarrist Paul Stanley, hier im Mai 2009 während des Finales der US-Fernsehsendung "American Idol", auch mal die eine oder andere Gitarre zerstückeln musste.
YouTube-Video von Paul Stanley, der auf der Bühne seine Gitarre zerkleinert |
The Who zertrümmerten vor, andere Bands zogen nach: Seit den Sechzigern gehört das Zerkloppen, Verbrennen und sogar Sprengen von Instrumenten zum guten Ton unter Rockern. einestages präsentiert die spektakulärsten Zerstörungsorgien der Musikgeschichte. Von Danny Kringiel
Moderator Tom Smothers platzte fast vor Aufregung: "Sie werden überrascht sein, was passiert!", versprach er der dem Publikum, als er am 17. September 1967 die Band The Who in seiner Sendung "Smothers Brothers Comedy Hour" ankündigte. Er wusste: Sie waren berüchtigt für ihre Zerstörungsorgien bei Auftritten. Gitarrist Pete Townshend pflegte seine Gitarren auf der Bühne herumzuwerfen, in Verstärker zu rammen und auf den Boden zu schmettern, bis von dem Instrument nur noch Splitter übrig waren. Drummer Keith Moon zerlegte ebenfalls regelmäßig am Ende des Konzerts sein komplettes Schlagzeug. Und heute, bei ihrem ersten Auftritt im US-Fernsehen, würden sich die Briten ganz sicher nicht in Zurückhaltung üben.
Aber welches Ausmaß die Zerstörung tatsächlich annehmen würde, konnte selbst Smothers nicht geahnt haben. Moon hatte sich nämlich einen besonderen Knalleffekt einfallen lassen: Statt der üblichen Ladung Silvesterböller, die er sonst als abschließendes Feuerwerk im Schlagzeug zündete, hatte er die zehnfache Menge Schwarzpulver in seine Bassdrum gestopft. Und so trommelte er den Hit "My Generation" buchstäblich auf einem Pulverfass. Zunächst lief das Chaos noch wie geplant: Townshend prügelte mit seiner Gitarre auf die Verstärker ein, und Moon trat seine Becken und Trommeln um. Bis plötzlich ein gewaltiger Blitz das Publikum blendete.
Eine Detonation erschütterte das Studio. Wo eine Sekunde zuvor noch Townshend vor dem Drumkit gestanden hatte, war nun nur noch die Rauchsäule zu erkennen, die aus der Bassdrum herausgeschossen war. Überall lagen Teile des Schlagzeugs. Das Publikum kreischte, Studiogast Bette Davis fiel in Ohnmacht. Aus dem Off torkelte Townshend zurück auf die Bühne, der noch immer versuchte, mit den Händen sein angesengtes Haar zu löschen. Leise erklang von irgendwo das Stöhnen Moons. Ein umherfliegendes Becken hatte seinen Arm aufgeschnitten.
So verheerend das Resultat des Auftritts auch war, The Who ließen sich nicht von ihren Zerstörungsorgien abbringen. Sie erhoben das Verwüsten von Instrumenten buchstäblich zur Kunstform - und riefen schon bald Nachahmer auf den Plan. Einer von ihnen sollte seine Vorbilder sehr viel schneller auf die Plätze verweisen, als ihnen lieb war.
Zerstörung als Markenzeichen
Begonnen hatten die Verwüstungsspektakel von The Who durch ein Missgeschick: Im September 1964, die Band war erst wenige Monate alt und noch völlig unbekannt, spielten sie in der Railway Tavern im Londoner Stadtteil Harrow. Auf einer kleinen Bühne unter eine tief hängenden Decke gezwängt, gaben sie alles, um das Publikum anzuheizen. Als Townshend seine Gitarre mitten im Stück energisch hochriss, geschah es dann: Er rammte die Kopfplatte versehentlich gegen die Decke und brach den Hals ab. In dem Buch "Rock and Roll: A Social History" erinnerte er sich 1996: "Ich war völlig schockiert. Aber niemand im Publikum reagierte." Das machte ihn wütend: "Ich war wild entschlossen, mir ihre Aufmerksamkeit zu erkämpfen." Und so machte er eine große Shownummer daraus, seine Gitarre weiter kaputtzumachen: "Ich prügelte auf die ganze Bühne mit ihr ein und schmiss die Bruchstücke auf den Boden." Anschließend spielte er seelenruhig mit seiner Ersatzgitarre weiter, als sei alles so geplant gewesen.
Die Showeinlage verfehlte ihre Wirkung nicht: Das Publikum konnte nicht glauben, wie ihm geschah. Zeitungen berichteten über den skandalösen Auftritt, und als die Band eine Woche später wieder in der Railway Tavern auftrat, wartete dort schon eine Menschenmenge, die erneut Townshends Vandalismus-Nummer sehen wollte. Der weigerte sich, nun auch noch seine Ersatzgitarre zu verschrotten. Da ergriff Schlagzeuger Keith Moon seine Chance: Am Ende des Auftritts zertrümmerte er unter Krachen und Scheppern sein Schlagzeug. Das Publikum war begeistert.
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