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Städtebaulicher Superlativ: Der Fernsehturm, von Berlinern auch gern "Protzlatte" genannt, wurde nach knapp vier Jahren Bauzeit 1969 eingeweiht - mit 368 Metern ist er bis heute das höchste Bauwerk Deutschlands.
Auf der Luftaufnahme von 1985 ist die Straße Unter den Linden mit dem Palast der Republik, rechts, dem Dom, links, und dem Marx-Engels-Platz zu erkennen. |
Fernsehturm, Centrum-Warenhaus und bulgarische Stripperinnen: Mit aller Macht versuchten Walter Ulbricht und Erich Honecker ab den sechziger Jahren, Ost-Berlin auf "Weltniveau" zu bringen. Plattenbauten und ein pompöser Palast der Republik entstanden, während der Rest des Landes verfiel. Von Norbert F. Pötzl
Etikettenschwindel betrieben die Ost-Berliner Stadtplaner bei der Restaurierung der Husemannstraße in Prenzlauer Berg. Die Häuserzeile wurde in den frühen achtziger Jahren als "typische Arbeiterwohnsiedlung" rekonstruiert, obwohl sie, wie der amerikanische Berlin-Historiker David Clay Large anmerkt, "zu keiner Zeit vorwiegend von Arbeitern bewohnt", vielmehr "eine bürgerliche Enklave inmitten des proletarischen Bezirks" gewesen war.
Zudem habe "dieser proletarische Themenpark des Honecker-Regimes ein Wohnumfeld" gezeigt, "das in grellem Kontrast zu den abblätternden Fassaden und absackenden Balkonen der wirklichen Arbeiterwohnsiedlungen in den umliegenden Straßen stand". Die Kitsch-Restaurierung führte erst recht vor Augen, wie weit der real existierende Sozialismus von dem eigenen Anspruch entfernt war, "der großen Mehrheit seiner Bürger eine zufriedenstellende Wohnqualität bieten zu können".
Eine neue Attraktion schuf sich Ost-Berlin zum Stadtjubiläum 1987, im 750. Jahr nach der ersten urkundlichen Erwähnung: das wiederaufgebaute Nikolaiviertel, nach dem verantwortlichen Architekten Günter Stahn auch "Stahnsdorf" genannt.
Der Kiez um die Nikolaikirche wurde zu einer Art Freilichtmuseum. Denkmalpfleger, Historiker und Architekturtheoretiker in Ost und West runzelten die Stirn angesichts der künstlich geschaffenen Stadtidylle. Rund um die Kirche wurden Bürgerhäuser-Imitate noch Stein auf Stein gemauert, aber zum Rand hin stückelte man die historisierenden Fassaden aus vorgefertigten Betonplatten wie aus Legosteinen zusammen.
"Wilhelminisches Disneyland"
Der Ost-Berliner Dramatiker Heiner Müller sah darin ein "wilhelminisches Disneyland", aber Chefplaner Stahn rechtfertigte die kostensparende Methode: "Die Platte ist nun mal der Stein unserer Zeit."
Für den DDR-Brockhaus war das Jubiläumsjahr ein Etappenziel einer "Stadt, die weiter planvoll gedeihen wird: Man braucht gar nicht so viel Phantasie, sich vorzustellen, wie sie 1990 aussehen wird." Die Phantasie der Parteipropagandisten reichte nicht, die Wirklichkeit zu erahnen.
Letzte architektonische Großtat Honeckers, das "Ausrufezeichen beim Ausbau der Hauptstadt", sollte eine sozialistische Shopping-Mall an der Friedrichstraße werden, die "Friedrichstadt-Passagen". Wegen ihrer maurisch-gotischen Arabesken, spitzen Zinnen mit grünem Klinker, wurde sie von den Ost-Berlinern als "Tuntenbrosche" verspottet.
Bis zum Untergang der DDR wurden in das Renommierprojekt 130 Millionen Mark investiert, dann wurde die Bauruine für weitere 40 Millionen wieder abgerissen.
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