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1900-2012

Erfindung der Skyline "Wie hoch kannst du bauen, ohne dass es umfällt?"


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...nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 aus der Skyline verschwunden sind. Auf dem Ground Zero entsteht ein neuer Gebäudekomplex. Den Mittelpunkt stellt das One World Trade Center dar, das bei seiner geplanten Fertigstellung Ende 2013 mit 541,3 Metern das höchste Gebäude der USA sein soll.

Hauptsache höher! Ab Ende des 19. Jahrhunderts lieferten sich Architekten in Metropolen einen Wettlauf um die spektakulärsten Wolkenkratzer. Ein Zufallsprodukt dieser Entwicklung sind beeindruckende Skylines. einestages zeigt wachsende Städte wie Hongkong, New York und Shanghai - heute und vor dem Höhenwahn. Von Solveig Grothe und Philine Gebhardt


Der Horizont hat Ecken und Kanten. Brüchig und schroff zeichnet sich die dunkle Silhouette vor der untergehenden Sonne ab. Nicht so, als würden sich Himmel und Erde sanft berühren. Es scheint vielmehr, als hätte jemand beides ineinander gesteckt - mit massiven Stiften aus Beton und Stahl. Fast filigran wirken dagegen die Dreimaster im Vordergrund, Schiffe im Hafen von New York an der Mündung des Hudson River, Ende des 19. Jahrhunderts.

Noch wenige Jahre zuvor war allein die Upper Bay, Amerikas größter Umschlagplatz für Güter aus aller Welt, das wohl sichtbarste Zeichen der wirtschaftlichen Prosperität des Landes. Am Ufer entlang wuchsen die Geschäftshäuser. Den Neuankömmlingen, Geschäftsreisenden aus Europa und all jenen, die den Alten Kontinent für immer hinter sich gelassen hatten, konnte nicht entgehen, dass hier nicht Kirchen, Dome und Schlösser das Stadtbild prägten, sondern die Zweckbauten einer Zeitung und einer Telegrafengesellschaft, der "Tribune" und der Western Union Company. Etwa 20 Jahre lang war das so, dann schienen beide Häuser verschwunden: New Yorks erste Wolkenkratzer waren kaum mehr auszumachen in der langen Kette steinerner Riesen am Horizont.

1896 veröffentlichte das "New York Journal" einer Farblithografie, die ein Panorama des Hafens zeigte: "The Sky Line of New York" stand unter dem Bild von Charles Graham. Es war das wahrscheinlich erste Mal, dass jemand dem von Menschenhand geformten Horizont einen Namen gab.

Und in New York begann man sich damals zu fragen, ob all das noch gut sein konnte für das Ansehen der Stadt. Von einer "architektonischen Vision" könne keine Rede sein, bemerkte der Kulturkritiker Montgomery Schuyler in einem Aufsatz mit dem Titel "The Sky-Line of New York" im März 1897 in "Harper's Weekly". Die Erfindung von Aufzügen und die Verwendung von Stahlskeletten habe den fast unbegrenzten Bau von Hochhäusern möglich gemacht und unter den Bauherren einen Wettlauf in den göttlichen Himmel ausgelöst, den wohl nur eine gesetzliche Verordnung stoppen könne.

Es gab nur einen Weg: nach oben!

Tatsächlich aber herrschten hier vor allem die Gesetze des Marktes: Selbst wenn ein Architekt darauf hätte Rücksicht nehmen wollen, dass auch das Gebäude seines Nachbarn zur Geltung kommt - sein Bemühen wäre wohl von einem Dritten zunichte gemacht worden. Auch wenn es auf Grahams Bild imposant aussah, New Yorks Silhouette war nicht das Ergebnis einer malerischen Komposition. Was die enorme Eindrücklichkeit ausmachte, war nicht die individuelle Gestalt der Gebäude - sondern ihre schiere Masse. Wer hier als Architekt herausstechen wollte, durfte sich nicht mit schnörkeligen Bögen, Kuppeln und Dekor aufhalten. Um aufzufallen, gab es nur einen Weg: den nach oben.


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"Wie hoch kannst du bauen, ohne dass es umfällt?", soll der Investor John Raskob 1929 den Architekten William Lamb gefragt haben. Und dann legten sie los. Lamb konnte ziemlich hoch: 381 Meter ragt das Empire State Building seit Anfang der dreißiger Jahre in den New Yorker Himmel. Die Höhe genügte, um das etwa zur gleichen Zeit entstehende Chrysler Building zu übertreffen - und einen Weltrekord zu halten, zumindest für die folgenden vier Jahrzehnte.

Der Wettstreit um die höchsten Gebäude hatte längst auch Chicago und weitere Städte Amerikas erfasst. Er machte nicht Halt an nationalen Grenzen und fand auch dann kein Ende, als Experten in den achtziger Jahren vorrechneten, dass der Profit bei Stockwerk 132 endet. Wenn die Wolkenkratzer einem Zweck dienten, dann war es vor allem der, ein Bild von enormer wirtschaftlicher Potenz zu vermitteln - der ihrer Bauherren und der einer ganzen Stadt.

Die Skyline von Manhattan, so schrieb der amerikanische Autor Elwyn Brooks White, sei für die Nation, "was der Kirchturm fürs Dorf" gewesen sei: ein "sichtbares Symbol für Glauben und Streben", in diesem Fall ein Streben nach Wohlstand und wirtschaftlichem Erfolg. Das rasante Wachstum der Skylines rund um die Welt zeigt, wie sich dieser Glaube von New York aus verbreitet hat.


Debatte

insgesamt 8 Beiträge zur Debatte
Tilmann Jörg am 11. Dezember 2012, 15:43
Beim Bild auf Mexikos gar so smogumwölkte Skyline darf man aber nicht außer Acht lassen, dass das Foto durch einen Maschendrahtzaun geschossen wurde. Ließe man den...

Friedhelm Dohmann am 10. Dezember 2012, 21:03
>100 Jahre Wettstreit um den höchsten Turm: Wie war das nochmal mit Babylon und San Gimignano?

Durchaus richtig. Geschichte älter als ein Jahrhundert paßt...


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