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...dem "Großen Bruder", dem allgegenwärtigen Herrscher des totalitären Ozeanien, zu huldigen.
In Michael Radfords Verfilmung von George Orwells Science-Fiction-Klassiker "1984" aus dem Jahr 1949 befindet sich die Welt im ständigen Krieg - und die Bewohner Ozeaniens werden durch Gehirnwäsche, Gedankenkontrolle und Folter auf Linie gehalten. Glücklicherweise entpuppte sich die Realität als weit weniger düster - auch wenn die stundenlange Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1984 für den einen oder anderen Fernsehzuschauer ebenfalls an Folter gegrenzt haben mag. |
Zeitreisen! Androiden! Killercomputer! Beim Blick in die Zukunft beweisen Regisseure enorme Phantasie. Aber dann kommen 2001 oder 2012 - und die Menschheit ist immer noch nicht zum Jupiter geflogen oder im Chaos versunken. einestages über Science-Fiction-Filme, deren Blick nach vorne voll daneben lag. Von Danny Kringiel
Was haben wir alles erlebt in diesem Jahr! Erinnern Sie sich noch, wie Bundespräsident Christian Wulff nach seiner Kredit-und-Medien-Affäre ins Blitzlichtgewitter trat, um seinen Rücktritt zu verkünden? Die US-Präsidentschaftswahlen? Oder an den Skandalauftritt der russischen Punkrock-Band Pussy Riot, für den drei Gruppenmitglieder hinter Gitter landeten? Aber das alles ist noch nichts gegen das, was diesen Freitag erst los sein wird.
Völlig unerwartet wird sich an der Westküste der USA die Erde auftun und Menschen, Häuser, ganze Städte verschlucken. Wir werden staunen, wenn sich der Yellowstone-Nationalpark unvermittelt in den größten aktiven Vulkan der Welt verwandelt und glühende Felsbrocken kilometerweit ins Land spuckt. Und erst recht, wenn ein Megatsunami um die Welt rollt und einen US-Flugzeugträger direkt in das Weiße Haus schleudert. Nur gut, dass die G8-Staaten rechtzeitig riesige Hightech-Archen gebaut haben, auf die genug Menschen fliehen können, um den Fortbestand unserer Spezies zu sichern.
So jedenfalls schilderte Regisseur Roland Emmerich vor drei Jahren in seinem Katastrophen-Blockbuster "2012" die Vorweihnachtszeit dieses Jahres. Wirklich wahrscheinlich ist dieses Szenario allerdings nicht. Wahrscheinlich hält auch dieses Jahr nur wieder die üblichen kleinen Katastrophen bereit: Schon wieder viel zu spät dran mit den Geschenken, schon wieder viel zu viele Menschen im Einkaufszentrum, schon wieder Essig mit weißer Weihnacht. Eigentlich schade - wäre doch viel aufregender gewesen, auf einem futuristischen Schiff über die postapokalyptische Erde zu schippern, als sich bei Douglas um das letzte Fläschchen "Eternity" zu prügeln.
Autobahnmaut statt Killerautos
Immerhin soll zu Emmerichs Ehrenrettung gesagt sein: Seine filmische Zukunftsvision wäre nicht die erste, die im Nachhinein betrachtet gehörig danebenlag. Wäre es nach Hollywood gegangen, so hätte 1977 zum Beispiel nicht die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" die Welt erschüttert - sondern ein B-Waffen-Krieg zwischen China und der Sowjetunion, der praktisch alles menschliche Leben ausgelöscht hätte. Und schlimmer noch: Die wenigen Überlebenden wären zu ebenso lichtscheuen wie mörderischen Monstern mutiert - so hatte es jedenfalls 1971 der Science-Fiction-Film "Der Omega-Mann" prognostiziert.
Und selbst wenn diese Mutantenbedrohung an der Menschheit vorbeigegangen wäre: Laut Kathryn Bigelows Film "Strange Days" von 1995 wäre eine düstere Jahrtausendwende auf sie zugekommen. Die Prognose des Films: Kriminelle zeichnen 1999, während sie Verbrechen begehen, ihre Hirnströme auf und verkaufen die technisch konservierten Erlebnisse auf dem Schwarzmarkt an das gemeine Volk, das nach den Aufzeichnungen giert wie nach einer Droge. Tatsächlich hatte die Menschheit 1999 mit ganz anderen Problemen zu tun: Microsoft brachte Windows 98 Second Edition heraus - und in "Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung" feierte ein sprechender Weltraumfrosch namens Jar Jar Binks Kinopremiere.
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