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1958

Kuba

Castros langer Schatten


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Die Enttäuschung nach der Revolution: Vor 50 Jahren feierten ein Guerillero, ein politikverrückter Journalistensohn und ein Student aus deutscher Unternehmerfamilie Fidel Castros Machtübernahme auf Kuba. Dann gerieten sie ins Kreuzfeuer seiner Diktatur - und hoffen nun auf die Rückkehr nach Havanna. Von Helene Zuber




Auch Matos, den Fidel beauftragt hatte, die Zuckerprovinz Camagüey zu verwalten, konnte nicht akzeptieren, dass die Kommunisten Che Guevara und Raúl Castro die Oberhand gewannen. Fidel gab dem Vertrauten zu verstehen, dass er sein Versprechen von freien Wahlen nicht einzuhalten gedenke.

Dem selbsternannten Máximo Líder schrieb Matos im Oktober 1959 einen Brief, in dem er um Entlassung bat. Er wolle als Zivilist wieder nach Hause zurückkehren und als Lehrer arbeiten. Er mahnte den früheren Freund, dass "die Revolution nur triumphieren wird, wenn sie auf ein geeintes Volk" zählen könne. Dazu müsse Castro die Bedürfnisse der Kubaner erfüllen.

Raúl, inzwischen zum Verteidigungsminister ernannt, verlangte daraufhin, Matos standrechtlich zu erschießen. Camilo Cienfuegos sollte ihn ablösen. Doch der verteidigte Matos. Ende Oktober verschwand der beim Volk beliebteste unter den Comandantes spurlos. "Mord", glaubt Matos bis heute. Im Dezember wurde er im ersten Schauprozess des Castro-Regimes zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Revolutionsführer selbst trat als Hauptzeuge auf und warf dem Helden von Santiago Verrat, konterrevolutionäre Umtriebe und Sabotage der Agrarreform vor. Matos hat die Strafe bis zum letzten Tag unter physischer und psychologischer Folter abgesessen. Mit Hilfe der Regierung von Costa Rica konnte er endlich im Oktober 1979 in das Land ausreisen, in dem seine Familie lebte.

"Kein Abschied forever"

Weniger dramatisch war der Abschied von Kuba für Lomnitz. Als Castro im Mai 1959 mit der Agrarreform begann, war der Vater "durchaus einverstanden" mit dem Plan der Regierung, brachliegendes Land aufzukaufen und bestellen zu lassen. Nur dazu kam es nie. Die von der Firma Lomnitz und anderen Unternehmern gestifteten Landmaschinen verrosteten. Federico begleitete den Vater gar zu Che Guevara, um einen Antrag für Investitionen einzureichen.

Doch Mitte 1960 verstaatlichte das Regime zunächst alle US-Unternehmen, dann ausländische Banken. "Das Geld, das wir dort deponiert hatten, und auch die Aktien waren futsch", berichtet Lomnitz. Privatvermögen wurde limitiert. Auch alle Immobilien mit Ausnahme der Wohnung wurden konfisziert.

Federico sollte deshalb nach Bonn an die Universität gehen, bis sich das Chaos in Havanna lichten würde. "Ein Glück", gibt Lomnitz zu bedenken, denn viele seiner Freunde aus Kindertagen ließen sich bald vom CIA für die Schweinebuchtinvasion im April 1961 anwerben, die innerhalb von 48 Stunden niedergeschlagen wurde. "Da wäre ich wahrscheinlich dabei gewesen."

Die Eltern Lomnitz verließen bald darauf das Land mit nichts weiter als zwölf Koffern voller Kleider. Ihr Haus in Kohly samt Einrichtung wurde beschlagnahmt. In einem Pappkarton hat der Kaufmann die Unterlagen über das zerstörte Lebenswerk seines Vaters aufbewahrt. Auf sechs Millionen Euro beliefen sich seine Ansprüche an Kuba - der einzige deutsche Entschädigungsfall. "Es war kein Abschied forever", sagt Lomnitz, er schluckt und blickt lange in seinen verschneiten Garten in Bad Homburg. "Aber ich kehre nicht nach Havanna zurück, solange die Herrschaften dort noch am Leben sind."

Fidel "der menschliche Waschlappen"

Montaner dagegen hofft, mit seiner Frau das Alter auf Kuba zu verbringen. 1990 hat er in Miami die Partei "Unión Liberal Cubana" gegründet, mit der er zum "friedlichen Übergang" in seiner Heimat beitragen will. Der stehe unmittelbar bevor. Nach Fidel Castros Tod, so glaubt der Autor, werden die Kubaner, enttäuscht von ihren politischen Führern, erst einmal den Kommunismus infrage stellen. Da müsse man der Bevölkerung beweisen, dass Demokratisierung Nutzen bringt.

Der Sozialismus hat das drittreichste Land Lateinamerikas 1958 wirtschaftlich abstürzen lassen. Doch Montaner vertraut auf die gute Schulbildung der Jugend auf Kuba. "Mit dem richtigen System kann sich das Land schnell erholen."

Ein Jahrzehnt werde es nach dem Wechsel dauern, so glaubt Huber Matos, bis Kuba den Aufschwung schafft. Ungebrochen durch die Kerkerjahre zeigt sich der Greis überzeugt, "den menschlichen Waschlappen" Fidel zu überleben, der die Revolution in eine "Prostituierte verwandelt" habe. Castros Untertanen seien gezwungen, in ständiger Angst vor allgegenwärtigen Spitzeln zu lügen und sich zu verstellen. Doch das "Ende der Tyrannei" sei nahe. Dann will der alte Mann auf seine Insel zurückkehren und seinen Landsleuten wieder "die moralischen Werte der Republik" predigen.



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insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Ernst Pelzing am 14. April 2009, 10:44
Während eines Besuchs Kubas im Jahre 1986 besuchten meine Frau und ich u. a. einen Kindergarten in Havanna. Dabei wurden wir auch zu einer Gruppe von Kindern im Alter von etwa...


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