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Um zu verstehen, wie die Kreuze verschwinden konnten, muss man wissen, wie sie überhaupt ins Bild gekommen sind: Die Fadenkreuze befanden sich bei den Fotoapparaten auf einer dünnen Glasplatte zwischen Film und Linse. Sie sorgten dafür, dass an diesen Stellen der Film nicht belichtet wurde. Diese Kreuze dienten dazu, später Entfernungen und Größen von Objekten berechnen zu können.
Schossen die Astronauten allerdings Motive mit sehr hellen Stellen, konnte es passieren, dass das in die Linse einfallende Licht die dünnen Linien einfach überstrahlte, wie man auf diesem Bildausschnitt der amerikanischen Flagge gut erkennen kann. |
Seit der ersten Mondlandung sammeln Verschwörungstheoretiker Beweise für eine absurde Behauptung: Die Amerikaner waren nie auf dem Mond, sondern hätten alles nur nachgestellt. einestages hat die überzeugendsten Argumente gesammelt - und widerlegt sie. Von Benjamin Maack
War der kleine Schritt für einen Menschen nur eine aufwendige Fernsehproduktion für die Menschheit?
Eine kleine, aber hartnäckige Gruppe von Verschwörungstheoretikern rund um den Globus behauptet genau das steif und fest: Als am 20. Juli 1969 600 Millionen Menschen gebannt den Bildern der Mondlandung zusahen, bestaunten sie eine Fälschung. Immerhin eine erstklassige: Regie führte angeblich Stanley Kubrick, Walt Disney stand dem Filmteam als Berater zur Seite. Disney hatte die Expertise, schließlich hatte er ja schon einmal in den fünfziger Jahren mit dem Raketentechniker und Weltraumvisionär Wernher von Braun zusammengearbeitet - bei einer Fernsehfilmreihe über die Zukunft des Menschen im Weltraum.
Gedreht wurde die gefälschte Mondlandung übrigens in den riesigen Hallen der Nasa-Basis Moffett-Field bei San Francisco. Ach nein, in den englischen Shepperton Studios auf dem Filmset von "2001 - Odyssee im Weltraum". Oder doch in einem unterirdischen Hangar auf der Area 51?
Geheimnisvolle Schatten und verschwundene Sterne
Zugegeben, in diesem Detail sind sich die Hobbywissenschaftler nicht ganz einig. Seltsam eigentlich, denn im Mondlandeverschwörungsgeschäft sind Nebensächlichkeiten eigentlich die Hauptsache. Allein die Fotos, die Neil Armstrong und Co. auf den Mondmissionen schossen, sind ein gefundenes Fressen für die detailvernarrten Verschwörungsfans: Da werden Schatten analysiert, geheimnisvolle Buchstaben auf Steinen entdeckt und Sterne vergeblich gesucht.
Der Vater des Ganzen Spuks ist der Autor Bill Kaysing. Nach einem Leitfaden mit dem Titel "Eat Well On A Dollar A Day" und einem Handbuch über Motorradfahren für Anfänger veröffentlichte er 1974 sein Buch "We Never Went To The Moon: America's Thirty Billion Dollar Swindle" - zunächst im Selbstverlag. In ihm vertrat er die These, dass die Nasa 1969 noch gar nicht die technischen Möglichkeiten hatte, um zum Mond zu fliegen. Und er hatte Beweise dafür, dass die Mondlandung auf einem Filmset nachgestellt wurde. Unter anderem überführte er die Nasa mit der im Vakuum wehenden US-Flagge und dem Fehlen eines Kraters unter der Mondlandefähre. Schließlich hätte das Triebwerk bei der Landung doch Tonnen von Mondstaub aufwirbeln müssen. Mission geglückt - sein Buch wurde zum Standardwerk für die langsam wachsende Mondverschwörergemeinde.
Ganz abwegig haben seine Theorien Mitte der Siebziger Jahre sicher nicht geklungen. Schließlich waren die US-Bürger gerade durch die Watergate-Affäre tief in ihrem Vertrauen in das System erschüttert worden. Wenn Nixon die Demokratische Partei ausspioniert hatte, wäre er dann nicht auch fähig gewesen, die Welt mit einer gefälschten Mondlandung zu täuschen? Schließlich stand es Ende der sechziger Jahre bei der Eroberung des Weltraums zwei zu eins für die Russen. Sie hatten bereits den ersten Satelliten und den ersten Menschen ins All geschossen. Zwei arge Tiefschläge mitten im Kalten Krieg.
Mit einem Faustschlag gegen die Verschwörungstheoretiker
Trotzdem blieb die Idee einer Mondlandeverschwörung lange Zeit relativ unpopulär. Erst mit der Verbreitung des Internets setzten sich immer mehr Menschen mit Kaysings Theorie auseinander. Die größte Popularität erreichte sie, als 2001 der US-TV-Sender Fox die Dokumentation "Conspiracy Theory: Did We Land On The Moon?" ausstrahlte. Der Hauptzeuge in der Sendung: Bill Kaysing. Nach der Sendung sollen laut Umfragen 30 Prozent der Amerikaner die Mondlandung für eine Fälschung gehalten haben.
Dies bringt so manchen auf die Palme. Zum Beispiel den amerikanischen Astrophysiker Philip Plait. Auf die Fox-Dokumentation antwortete er mit seiner Website badastronomy.com. Auf ihr zerpflückt er genüsslich jedes Argument, das in der Dokumentation angeführt wurde. Eine noch ausführlichere Seite unterhält Matthias Lipinski. Auf apollo-projekt.de hat er mittlerweile Gegenbeweise für über 30 Argumente der Mondlandeverschwörer gesammelt. Zum Teil sieht sich der Deutsche wegen seines Hobbys mit absurden Anschuldigungen konfrontiert. "Ich habe auch schon Mails bekommen, in denen stand, dass ich jeden Monat einen Gehaltsscheck von der Nasa bekomme", sagt Lipinski, "aber die meisten Leute, die mir schreiben, sind freundlich."
Ein prominenter Mondexperte äußerte sich 2003 erstmals zu diesem Thema: Ein besonders dreister Mondlandeverschwörungstheoretiker hatte dem ehemaligen US-Astronauten Buzz Aldrin eine Bibel hingehalten und ihn aufgefordert, auf sie zu schwören, dass er wirklich auf dem Erdtrabanten gelandet ist. Da wurde es dem zweiten Mann auf dem Mond zu bunt. Der 72-Jährige holte aus und streckte sein Gegenüber mit einem Fausthieb nieder. Aldrin war am 20. Juli 1969 auf dem Mond gelandet - der Fragesteller landete 2003 auf dem Bürgersteig.
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