| Frau Hitler für einen Tag: Bei der Mutter eines SS-Haupsturmführers stellten die Amerikaner bei Kriegsende 28 Rollen mit 16-Millimeter-Agfacolorfilmen sicher - die Privatfilme der Hitler-Geliebten Eva Braun. |
Eva Braun war die Geliebte Adolf Hitlers und für knapp 40 Stunden seine Ehefrau. Sie galt als unpolitisch und unbedarft - die erste wissenschaftliche Biografie über Frau Hitler will das Bild vom dummen Blondchen an der Seite des Massenmörders jetzt korrigieren. Von Klaus Wiegrefe
Die Feldforschung zu den Feinheiten im Verhältnis zwischen Adolf Hitler und Eva Braun begann noch zu Lebzeiten des Diktators. Der "Führer" war ein Langschläfer, und wenn er am späten Vormittag sein Schlafzimmer mit der Verbindungstür zum Gemach Brauns verlassen und das Personal die Bettwäsche abgezogen hatte, beugten sich die neugierigen Angestellten über Laken und Bezüge - auf der Suche nach Indizien für das Geschehen der vergangenen Nacht.
"Wir haben damals in den Betten herumspioniert", gestand Jahrzehnte später der Verwalter des Berghofs, Herbert Döhring, einem Fernsehteam. Man habe aber nichts gefunden - woraus Waffen-SS-Mann Döhring schloss, das Verhältnis des Diktators zu der 23 Jahre jüngeren Frau müsse ein platonisches gewesen sein.
Döhring zählte im "Dritten Reich" zu jenem kleinen Kreis Eingeweihter, die überhaupt von der Nähe Brauns zu Hitler wussten. Die Öffentlichkeit erfuhr erst nach Kriegsende, dass der Diktator über viele Jahre hinweg von einer attraktiven Blondine aus München begleitet worden war, die er Stunden vor dem gemeinsamen Freitod am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker noch geehelicht hatte.
Die Geheimnistuerei beruhte auf politischem Kalkül. "Viele Frauen hängen an mir, weil ich unverheiratet bin", glaubte Hitler, "es ist so wie bei einem Filmschauspieler: Wenn er heiratet, verliert er für die ihn anhimmelnden Frauen ein gewisses Etwas, er ist nicht mehr so sehr ihr Idol."
Entsprechend groß war denn auch die Neugier des Publikums auf die Tochter eines Münchner Berufsschullehrers, die rund anderthalb Jahrzehnte an seiner Seite geweilt hatte - zumeist auf dem Berghof auf dem Obersalzberg, selten auch in Berlin. Doch bereits die ersten Antworten fielen ernüchternd aus. Der britische Historiker und Geheimdienstoffizier Hugh Trevor-Roper, der unmittelbar nach Kriegsende die Entourage Hitlers befragte, kam zu dem Schluss, Eva Braun sei "uninteressant". Und noch jeder bedeutende Hitler-Biograf hat diesen Befund bestätigt.
Aber stimmt er auch?
Die Berliner Historikerin Heike Görtemaker ist nun angetreten, das Bild zu korrigieren. Im renommierten Beck-Verlag legt sie die erste wissenschaftliche Biografie Brauns vor; populäre Darstellungen hatte es schon diverse gegeben.
Der streng akademische Ansatz lässt Görtemaker auf viele jener Anekdoten verzichten, über die sich das Publikum in den vergangenen Jahrzehnten gruselnd-schauernd amüsiert hatte. Etwa dass Eva Braun im Führerbunker angeblich geklagt habe, es gebe ständig Streit mit Adolf übers Essen. Der sendungsbewusste Vegetarier habe von ihr verlangt, ebenfalls nur noch Haferschleimsuppe oder Pilztunke zuzusprechen, was ihr zuwider gewesen sein soll ("Ich kann dieses Zeug nicht essen").

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