Über einestages

1950

Verrückte Erfindungen

Technik, die erheitert


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Hinter Gittern: Dieser Babyknast in schwindelerregender Höhe wurde in den dreißiger Jahren erfunden. Der Drahtkäfig sollte Familien, die keinen Garten haben, die Möglichkeit bieten, ihr Kleines an die frische Luft zu setzen. Dafür brauchte es allerdings ein tiefes Vertrauen in die Haltbarkeit der Konstruktion.

Ein Plastikbusen als Einschlafhilfe, Gewehre, die um die Ecke schießen können: Die Technikbegeisterung der fünfziger Jahre spornte Hobby-Erfinder und Abenteurer zu wahnwitzigen Innovationen an. Viele davon gingen nie in Serie. einestages zeigt die abstrusesten Konstruktionen. Von Benjamin Maack


Der Vogelmensch schwebt in der Luft. Die Beine ausgestreckt, einen Helm auf dem Kopf, einen Höhenmesser vor der Brust und zwei rote Holzflügel an den Armen. Es wäre ein majestätischer Anblick - würde sein Körper nicht an ein paar Drähten an einem Schaukelgerüst hängen.

150 Jahre nach dem legendären Schneider von Ulm wollte der französische Abenteurer Leo Valentin beweisen, dass der Mensch doch fliegen kann wie ein Vogel und damit einen der großen Träume der Menschheitsgeschichte wahrmachen. Mit seinen selbstgebauten Schwingen und einem Notfallschirm auf dem Rücken stürzte er sich todesmutig aus Flugzeugen. Es gab auch andere Männer, die sich in diesen Jahren mit selbstkonstruierten Flügeln in die Luft erheben wollten, doch keiner war so berühmt wie Valentin. Der ausgebildete Fallschirmspringer behauptete 1954, dass es ihm gelungen sei, mit seiner Konstruktion fast fünf Kilometer weit zu segeln - und unverletzt zu landen. Die Menschen glaubten ihrem Helden der Lüfte, die Presse feierte ihn als den "Birdman".

Warum auch nicht? In den fünfziger Jahren schien alles möglich. Das Fernsehen brachte auf wundersame Weise die Welt in jedes Wohnzimmer. Die Menschheit stand kurz davor, das All zu erobern. Und Plastik war noch der Stoff, aus dem die Zukunft gemacht war. Aus dieser Euphorie heraus begannen immer mehr Menschen Dinge zu erfinden, die die Welt verändern sollten. Nicht jeder von ihnen arbeitete für die Nasa oder hatte auch nur ein abgeschlossenes Ingenieursstudium. Doch was ihnen an Fachwissen fehlte, glichen sie mit geradezu grenzenloser Kreativität aus.

Jodelmeter und Musik-BH

Ein unbekannter Japaner etwa erkannte, dass Kinder am besten an der Brust ihrer Mutter einschlafen können. So erfand er als Schlummerhilfe einen Plastikbusen mit batteriebetriebenem Herzschlag. Ein anderer Erfinder ärgerte sich darüber, dass ihm die Erbsen beim Essen ständig von der Gabel fielen - und entwickelte eine spezielle Vorrichtung zur Zähmung des widerspenstigen Kullergemüses.

In ihrem Eifer fanden die Düsentriebe unter den Zukunftsbegeisterten auch Lösungen für Probleme, von denen die Welt noch gar nichts wusste. Etwa mit dem Jodelmeter, ein Messgerät, das die Qualität der hochalpinen Kehlkopfakrobatik auf einer Skala von eins bis hundert anzeigen sollte. Andere Hobby-Erfinder erdachten miauende Holzboxen gegen Mäuse oder einen Adapter, mit dem man zu zweit an einer Zigarette ziehen konnte. Es gab sogar ein Gerät, das angeblich die Schmerzen von Tomaten maß, während diese in Scheiben geschnitten wurden.

Die meisten dieser Neuheiten von einst gingen natürlich nie in Serie (auch wenn manch einer sich bestimmt über einen BH, der Musik spielt, gefreut hätte). Aber sie erzählen charmante Geschichten von der Technikbegeisterung der Zeit, in der sie entstanden.

Zum Glück waren wenige Erfindungen so gefährlich wie die Holzschwingen des Vogelmenschen Leo Valentin: Als er sich bei einer Flugshow in Liverpool einmal mehr todesmutig aus einem Flugzeug geworfen hatte, ging alles furchtbar schief. Beim Ausstieg schlug einer seiner Flügel gegen das Flugzeug. Ein Stück brach ab, der Fallschirm versagte.


Debatte

insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Ralf Bülow am 5. März 2010, 15:53
Meine Herren Redakteure, bitte mehr Ernst bei der Sache. Die Autowaschanlage (Dok. 25) ist keine, sondern der Roboter Tinker, den Dennis Weston 1966/67 in Leeds baute, einer der...


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