Als die Soldaten gingen, blieb nur eine leere Hülle: In der gigantischen Kaserne Vogelsang lebten bis 1994 Zehntausende sowjetische Soldaten. Fotograf Jörg Rüger hat die verfallenen Wohnhäuser, Kinos und Arrestzellen der Anlage besucht - und ihre bedrückende, aber auch nostalgische Atmosphäre in faszinierenden Bildern eingefangen.
Vogelsang ist ein kleines Dorf nordöstlich von Berlin, knapp hundert Einwohner, eine Bahnstation. Ein ruhiger Ort.
Im angrenzenden Wald versteckt liegt jedoch noch ein anderes Vogelsang. Eine eigene, von der Umgebung völlig autarke Stadt mit Wohnhäusern, Hallen, Kinos und einer Schule. 15.000 Menschen lebten einst dort, ruhig war es selten. Vogelsang war die Heimat sowjetischer Soldaten, in den Hallen standen Kampfpanzer, Haubitzen und Geländefahrzeuge, in den Kinos amüsierten sich die Angehörigen.
Vogelsang war eine der größten Sowjet-Garnisonen außerhalb der Sowjetunion, Stützpunkt der 25. Panzerdivision, fast 40 Jahre lang lebten hier Soldaten der "Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland", bis sie 1994 abzogen.
Seither verfällt Vogelsang, die verlassene "Stadt im Wald". Doch auch heute, fast zwei Jahrzehnte später, gibt es noch Leben dort. Wer über das Gelände streift, begegnet Damwild, Waschbären und wild lebenden Schafen oder Ziegen. Auch von den sowjetischen Soldaten, die hier einst den sozialistischen Bruderstaat DDR beschützen sollten, sind noch Spuren sichtbar.
Die meisten Häuser auf dem Gelände der Kaserne, so viel wird schnell klar, waren Unterkünfte für Soldaten. Von außen gleicht eines dem anderen, doch drinnen offenbaren sich Unterschiede. Denn an der Art der Heizung zum Beispiel lässt sich noch heute festmachen, ob die Bewohner einfache Soldaten oder Offiziere waren. Mannschaftsdienstgrade mussten mit "Kanonenöfen" leben, die Bessergestellten fanden in ihren Stuben schmucke, gekachelte Öfen vor. Besonders auffällig: die Fenstergitter in Form einer strahlenden Sonne, oftmals aber wenig kunstvoll ausgeführt.
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