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Michael Jäckel
31. Oktober 2012, 00:36
Sehr geehrter Dr. Kaufmann,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Für mich war es peinlich WIE Sie Ihr Buch anpriesen. Der erste Satz ist einfach nicht richtig. Es gibt bereits seriöse Forschungen auf dem Gebiet. Vielleicht wäre es wahrhafter gewesen zu sagen: 'es gibt eine
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Ina Chen
23. April 2008, 21:56
Vielen Dank fuer diesen interessanten Beitrag.
Paul Hoffmann
23. April 2008, 23:05
Ich glaube, diese "Arier aus Tibet" Theorie hat ganz langen Bestand. Ich hab keine Ahnung, wie sie genau entstanden ist, aber der erste, prominente Auftritt dieser Theorie gabs in Richard Wagners "Die Wibelungen" aus dem Jahre 1848. Ich weiß nicht, wie ernst er das gemeint hat, aber er hat mit einer großen Selbstverständlichkeit den Ursprung der Menschheit in Tibet angenommen, die Sonnenmenschen, von einem Vater gezeugt, der als fleischliche Verkörperung der Sonne alles Göttliche innehat.
Da die ganze Schrift eigentlich sehr analytisch ist, er selbst auch oft eher psychoanalytisch argumentiert und darüber hinaus bekennender Atheist war und durchaus Anhänger der Theorie, dass der Mensch vom Affen abstammt, kann man es auch als Kunstgriff halten, aber ganz dahinter kommt man nicht.
Das Gedankenmodell der "reinen Rasse", vor allem kulturell, vom höchsten Berg hinuntergewandert und seitdem durch Vermischung degenieriert, zieht sich durch Wagners ganzen Gedankengang, ist aber unterm Strich eher psychisch, als wirklich rassisch (zum Beispiel im "Lohengrin" Vorspiel, wo sich das Licht dem dunklen Grund verbündet und einen sakralen Orgasmus hinlegt, der "Gral" als naive Liebe, als metaphysische Geschlechtlichkeit... man kommt hinter die Idee, die Wagner faszinierte und die sich auch in der Geschichtsarbeit "Wibelungen" niederschlug). Trotzdem blieb dieser Gedankengang bestehen und tauchte in den "Regenerationsschriften" wieder auf. Rückendeckung bekam er dabei von Gobineau, dem ersten, großen Rassentheoretiker, der es nun wirklich wörtlich nahm.
Und damit wurde diese spezielle Arier-vom-Tibet Theorie wirklich handfest. Über den Bayreuther Kreis ging es dann in die rassischen Zirkel, man konnte sich auf Wagner und Chamberlain berufen, und schließlich darüber auch zu Hitler. Und der setzte dann den ganzen Schmarrn in Bewegung.
Wobei Wagner, im Gegensatz zu seinen Apologeten, andere Eigenschaften mit den Rassen verband und die Idee, er als sexuell gestörter Frauenverspeiser und Frauenkleidertragender (und evtl. verklemmter Homosexueller), kurz als jemand, dem Sex nur Ärger eingebracht hat, fand natürlich die Idee einer Weltentsagung sehr schön und deswegen auch den Buddhismus sehr interessant (s. Drama "Die Sieger"). Dies ging natürlich im Militarismus, der Wagner schlussendlich immer fremd blieb, der Rechten etwas unter. Weltverneinung und Pazifismus passte nicht zum Eroberungskrieg.
Franz Wegener
23. April 2008, 23:28
Zwei Literaturhinweise zu dem Thema: Franz Wegener: Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis, 2. Auflage 2003 und allgemeiner: Franz Wegener: Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS, 2004.
Frank Jenning
24. April 2008, 04:59
Warum wird so getan, als sei die Expedition von 38 der einzige Besuch von SS-Leuten in Tibet?
War da nicht noch einer 7 Jahre in Tibet, der ebenfalls SS-Mann war? Ich glaube, da gibt's sogar ein Buch und 'nen Film drüber...
Wie paßt die langjährige Freundschaft zwischen dem Dalai Lama und Heinrich Harrer ins SS-Bild? Muß man nun den Dalai Lama als "braun angehaucht" betrachten? Wurde er indoktriniert? Darf man ihn überhaupt noch zitieren?
Fragen über Fragen, die ich mir als verantwortungsbewußter Staatsbürger stellen muß...
Andreas Raczek-Dick
24. April 2008, 08:58
Ja, so haben sie in Tibet kein Staubkörnchen bewegt, sich grenzenlos lächerlich gemacht.
Alexander Jata
24. April 2008, 10:57
@ Paul Hoffmann:
Anbei 3 vielleicht sehr interessante Links, die die Tibet-Euphorie der Nazis
meiner Meinung nach gut erklären können. Der erste Link in Deutsch,
die 2 weiteren (leider) in Englisch, diese beschäftigen sich mit Anthroposophie
und den spirit. Wurzeln des Nazismus. (Jede Ideologie "braucht" wohl einen
spirituellen Überbau ...)
http://www.berzinarchives.com/web/de/archives/advanced/kalachakra/shambhala/mistaken_foreign_myths_shambhala.html
http://www.orgonomie.net/hdoeng12.htm
http://greyfalcon.us/restored/Thule%20Gesellschaft.htm
Dolf Straub
24. April 2008, 13:02
Es ging bei dieser Expedition nebenbei auch darum, auf dem Weg nach Tibet die militärischen Stellungen der Engländer zu dokumentieren. Dies berichtete zumindest einer der Teilnehmer.
Es wäre auch wert zu untersuchen, inwieweit die himmlersche Tibet-Fantasie mit der Schwärmerei der Deutschen Glaubensgemeinschaft und deren Vordenker Jacob Wilhelm Hauer zusammenhängt. Der Tübinger Religionswissenschaftler, Indologe und Begründer des pietistisch fundierten "Köngener Bundes" jedenfalls war fest davon überzeugt, dass die Wiege der arischen Rasse in Indien gestanden und die pietistische Spiritualität indische Wurzeln hatte. "Deutscher Glaube", die von ihm herausgegebene Monatsschrift der Deutschen Glaubensbewegung, trug auf dem Titel übrigens dieselbe Swastika wie meine "Taufbibel", die Prachtausgabe von "Mein Kampf" (aus Anlaß des 50. Geburtstags von Hitler besonders aufwändig gestaltet).
Nils Trebing
25. April 2008, 01:35
Sehr interessanter Artikel. Aber man muß nun wirklich kein "linker Ideologe" sein und kann trotzdem anzweifeln, daß der Dalai Lama irgendeine moralische Autorität besitzen sollte. Womit kann man etwa rechtfertigen, daß er noch 1994 den besagten wegen Beihilfe zu 86-fachem Mord verurteilten Bruno Beger empfangen <http://www.mdr.de/kultur/film/1376801-hintergrund-1376705.html> und sich zusammen mit ihm hat ablichten <http://www.salzburger-fenster.at/rubrik/meinungsforum/2707/haus-der-natur-ein-handfester-skandal_6528_2.html> lassen? Ein jeder möge selbst urteilen, ob man es wirklich der chinesischen Regierung zumuten kann, sich mit einer solchen Person treffen zu müssen.
Jan Rosser
25. April 2008, 16:19
Also, zu der Arier-Tibet-Verknüpfung würd ich gern was sagen:
Überhaupt die Idee der Arier als Ur-Volk (welches natürlich allen anderen überlegen ist) kam aus der Ariosophie von Guido von List. Wahrscheinlicher Ursprung dieses Volkes war ein versunkener Kontinent (je nach Legende dann Atlantis, Thule oder Hyperborea), und ihre Nachfahren waren Europäer, im höchsten Maße Germanen. Arische Werte und Arisches Wissen war jedoch von einer Geheimorganisation, der Armanenschaft, bis in die Gegenwart übermittelt worden. Himmler war überzeugter Anhänger dieser esoterischen Rassenlehre, und er baute die SS zu seiner Version der Armanenschaft aus.
Tibet passte in dieses Bild da man annahm daß die Arier in vor-buddhistischer Zeit Asien erobert hatten, z.B. den Nahen Osten und Persien (daher auch überhaupt der Name "Arier", dies benannte ja ursprünglich die indo-europäische Sprachfamilie). In Tibet sollte das Arische Blut möglicherweise weniger verwässert worden sein als anderswo außerhalb Deutschlands, Tibeter also arischer als Perser oder Inder; dies sollte die Expedition untersuchen.
Wolfgang Dr. Kaufmann
7. März 2010, 11:08
Dr. Wolfgang Kaufmann
Über das Thema Nazis und Tibet wird seit Jahrzehnten auf mehr oder weniger wissenschaftliche Weise spekuliert. Deshalb kann man derzeit Wahrheit und Legende kaum noch auseinanderhalten. Um Klarheit in diese Thematik zu bringen und gleichzeitig die Brisanz des Ganzen zu illustrieren, habe ich zehn Jahre in Archiven recherchiert. Das Ergebnis liegt nun vor: Mein Buch "Das Dritte Reich und Tibet. Die Heimat des 'östlichen Hakenkreuzes' im Blickfeld der Nationalsozialisten". In diesem Buch im Umfang von 962 Seiten werden alle relevanten Aspekte der Thematik behandelt und es dürften damit keine nennenswerten Fragen mehr offen sein (das betrifft auch die in der bisherigen Diskussion gestellten). Nur so viel an dieser Stelle zu den Ergebnissen: Tibet war nicht nur als vermutliches Rückzugsgebiet von "Urariern" interessant, sondern ebenso als mögliches Schlachtfeld des Dritten Weltkrieges der weißen Rasse unter deutscher Führung gegen die "Gelben" unter japanischer Führung. Das war einer der Gründe, warum man bis zum 8. Mai 1945 Tibetforschung betrieb!
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