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Alexander Günther
30. November 2011, 18:17
PS: Dieser Bus mit der Nummer 72 ist der erste auf dem Foto des Deckblattes des Buches Freigekauft. Denn mein Vater sein Bus war ein Automatik, und war ganz leicht an der schwarzen Frontmaske zu erkennen, den der Bus dahinter nicht hatte. Die Nummerschiler wurden über einen Schalter im Cockpit
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Jens Richter
25. Oktober 2011, 11:16
Moin, als Beteiligter einer Familienzusammenführung würde ich mich gern bei Herrn Ludwig A. Rehlinger bedanken. Er hat mein Leben entscheident beeinflusst. Gibt es die Möglichkeit? Es gäbe zu diesem Thema noch so viel zu berichten - ich wüsste nicht einmal wo ich anfangen soll. Mit freundlichen Grüßen, J. Richter
Siegfried Wittenburg
25. Oktober 2011, 12:06
Noch ein Tipp: Es gibt sogar ein Foto vom Nummernschild des Wunderbusses, unter Gefahr heimlich fotografiert.
Ralf Koch
25. Oktober 2011, 12:40
Für mich ein nach wie vor sehr bewegendes Thema!
Ich wurde Mitte 1988 verhaftet, auf einer Zugreise in die CSSR mit Ziel Bratislava.
Die Fahrt endete noch in der DDR, ein zuvor abgelehnter Ausreiseantrag machte mich zum Verdächtigen.
$213, Vorbereitung zum ungesetzl. Grenzübertritt (nach Österreich), 14 Monate Haft und doch gerade erst erwachsen geworden.
Erst in der U-Haft erfuhr ich von der Möglichkeit der kostenfreien Verteidigung durch Anwalt Vogel bzw. seinen Vertretern auf Bezirksebene.
So kam es dann auch.
Nach drei Monaten U-Haft ging es zum Vollzug nach Zeithain bei Risa. Sechs Tage die Woche wurde im Stahlwerk gearbeitet, Dreischichtbetrieb.
Monatlich gab es teils schwere Arbeitsunfälle zu vermelden.
In Zeithain gab es etwa 500 Häftlinge, davon viele 213er. Die einzige Hoffnung bestand in einem wöchentlichen Ereignis:
Zwischen fünf und zehn Personen wurden morgens gezielt aussortiert und dann nie wieder gesehen.
Ein geschlossener Lieferwagen holte die Betroffenen ab, alle wussten um deren Schicksal.
Alle Häftlinge rechneten sich Ihre Chancen aus, reicht die eigene Haftzeit bei dieser wöchentlichen Quote aus?
Zufriedener waren die, die 24 Monate hatten, meine 14 Monate waren eigentlich viel zu kurz.
Anfang Dezember 1988 stoppten diese Transporte, es machte sich unglaublicher Frust breit. War es das Ende aller Hoffnungen? Gab es neue Absprachen mit der Bundesregierung? Was war passiert? Auch im Januar 1989 gab es keine Transporte mehr.
Am Morgen des 31 Januar wurde völlig überraschend mein Name aufgerufen, kein Arbeitseinsatz, offiziell zur Klärung eines Sachverhaltes!
Noch am Vormittag bestieg ich den Robur-Transporter, zusammen mit weiteren Mitgefangenen, es ging nach Karl-Marx-Stadt.
Auf dem Kasberg, der Untersuchungshaftanstalt der Stasi, dauerten die Formalitäten noch eine Woche. Persönliche Gespräche sollten den Häftling von seinem Ziel abbringen.
Für etwa 99 Ostmark wurde dann die Bahn-Fahrkarte nach Gießen ausgestellt, dazu ein Ausweis zur einmaligen Ausreise.
Am 6.Feb 1989 brachte dann ein Barkas zwei Gruppen von je 6 Personen zum Bahnhof in Karl-Marx-Stadt, zwei Personen der Stasi führten uns zum Zugabteil, es gab ganz klare Instruktionen.
In Leipzig blieben nur wenige Minuten zum Umsteigen in den Interzonenzug. Keine Zeit oder Möglichkeit, die Familie zu informieren. So ging es nach Fulda und weiter nach Gießen, mit einer nahezu leeren Reisetasche, zwei Unterhosen, zwei belegten Broten und ohne einen Pfennig Geld. Rosemontag 1989.
Bis heute bin ich dafür dankbar!
Matthias Maetsch
25. Oktober 2011, 13:22
Sorry, aber das ist eine scheinheilige Debatte! Mal wieder wird die Geschichte schwarz-weiß gemalt, mit linksrheinischer Perspektive.
Zuerst einmal darf man mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten verlangen, dass die "wem nützt es" Frage beantwortet wird. Zu schreiben, die DDR betrieb MenschenVERKAUF (Sklavenhandel) und die Bundesrepublik war der humanitäre Held, der nicht anders konnte, ist mehr als abwegig.
Warum also zahlte die Bundesregierung Geld? Warum nahm die DDR-Regierung Geld oder Waren für die Freilassung von Häftlingen in den Westen?
Der Hintergrund ist sehr einfach: Es waren in der Mehrzahl gut ausgebildete Menschen, gerade die politischen Häftlinge hatten überdurschnittlich oft Hochschulabschlüsse. Nahezu jeder DDR-Bürger hatte mindestens einen Berufsabschluss. Und die Volkswirtschaft, die diese Ausbildungen finanziert hatte, wollte einen Ausgleich dafür. Ehrlich gesagt sind 20.000 Euro nicht besonders viel.
Die Bundesrepublik erhielt leicht integrierbaren deutschen Bevölkerungszuwachs im besten Erwerbsalter und hatte keinerlei Kosten (Kindergeld, Gesundheitssystem, Schul- Berufs- und Hochschulkosten etc.).
Die DDR war schlecht integrierbare Bürger (aufmüpfig, andersdenkend, gefährlich aus deren Sicht) los und erhielt einen Teil deren Ausbildungskosten zurück.
Ich nenne sowas eine Win-Win-Situation. Und nur weil es eine war, hat jede DDR- und jede Bundesregierung daran festgehalten. Mit Moral oder Politik hatte das weniger zu tun, das war einfach ein Tauschgeschäft mit zwei Gewinnern.
Und nun noch eine Anmerkung zu dem Unsinn - Zitat:
"Die Bundesregierung, räumt Rehlinger ein, sei bald dahinter gekommen, dass die DDR-Führung die Einnahmen aus dem Häftlingsfreikauf nicht dem eigenen Volk zugute kommen ließ."
Sorry, aber wie definiert dieser Mann "dem Volke zugute kommen" lassen? Nur wenn das Geld in die Konsumtion (Autos, Bananen, Kassettenrekorder) geht? Eine Reinvestition in die Wirtschaft, wo ständig Devisenmangel herrschte und nötige Ersatzteile nicht beschafft werden konnten, kam bestmöglich der Volkswirtschaft zugute und somit der Bevölkerung. Die Sichtweise des Autors ist reichlich naiv. Honecker und Co. bunkerten im Gegensatz zu den Bänkern, Gaddafis und Auslandskontenbesitzern keine Gelder für private Zwecke. Sie lebten recht bescheiden in Häusern und mit Autos, die sich im Westen jeder Prokurist einer kleinen GmbH leisten konnte. Im Osten übrigens jeder geschäftstüchtige Handwerker und Bauer auch (wenn auch halblegal).
Im Übrigen: Ich saß auch im Stasi-Knast und bin vor der Wende über Ungarn in den Westen, um nicht in eine Uniform gesteckt zu werden und einen Fahneneid auf den Sozialismus leisten zu müssen. Dennoch kotzt mich die Geschichtsfälschung heute genauso an, wie damals in der DDR-Schule. Ohne Betrachtung der Ausbildungskosten macht der Häftlingsfreikauf keinen Sinn, ohne geheime Währungsreform und Hyperinflation der Reichsmark im Osten nicht die Berlin-Blockade, ohne das Wissen um das Einverständnis aller 4 Alliierter zur Mauer nicht deren Bau. Geschichte zu vereinfachen bedeutet sie zu fälschen, bewusst oder aus Mangel an Wissen - egal!
Ines Drechsler
25. Oktober 2011, 13:43
>Der Hintergrund ist sehr einfach: Es waren in der Mehrzahl gut ausgebildete Menschen, gerade die politischen Häftlinge hatten überdurschnittlich oft Hochschulabschlüsse. Nahezu jeder DDR-Bürger hatte mindestens einen Berufsabschluss. Und die Volkswirtschaft, die diese Ausbildungen finanziert hatte, wollte einen Ausgleich dafür. Ehrlich gesagt sind 20.000 Euro nicht besonders viel.
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>Die Bundesrepublik erhielt leicht integrierbaren deutschen Bevölkerungszuwachs im besten Erwerbsalter und hatte keinerlei Kosten (Kindergeld, Gesundheitssystem, Schul- Berufs- und Hochschulkosten etc.).
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>Die DDR war schlecht integrierbare Bürger (aufmüpfig, andersdenkend, gefährlich aus deren Sicht) los und erhielt einen Teil deren Ausbildungskosten zurück.
Diese Meinungsäußerung zeugt von einer Riesen- portion Umwissenheit (und/oder Ostverblendung), denn zum einen erhielt die Bundesrepublik mit jeder "Ladung" freigekaufter Häftlinge noch so 2-3 Asoziale obenauf, zum anderen zeigt auch die Statistik, dass sich ein Großteil der freigekauften eben nicht so leicht in das westliche Leben integrieren ließen, denn es waren mitnichten größtenteils Akademiker, die sich auf dieses riskante Spiel einließen.
Es war leider auch nicht hundertprozentig sicher, dass ein Häftling freigekauft wurde, obwohl im Westen Himmel und Hölle zu diesem Zweck in Bewegung gesetzt wurde. Es bestand somit immer ein Risiko, dass der Mensch nach verbüßter Haft wieder in die DDR entlassen wurde mit verheeerenden Folgen für das weitere Leben dort.
Ich hatte das Glück, meinen gescheiterten Fluchtversuch schon direkt nach meinem Abi im Jahre 1983 durchgeführt zu haben und dann nach 12 Monaten Haft und Freikauf fast sofort im Westen studieren zu können- so beschissen, wie die 12 Monate Haft waren, war es doch die beste Entscheidung meines Lebens. In der DDR wäre aus mir dank der dortigen Studienzulassungspolitik nie was vernünftiges geworden- hier schon.
Von daher: auch nochmal Danke an Herrn Rehlinger!
Siegfried Wittenburg
25. Oktober 2011, 14:06
"Es waren in der Mehrzahl gut ausgebildete Menschen... Und die Volkswirtschaft, die diese Ausbildungen finanziert hatte, wollte einen Ausgleich dafür. Ehrlich gesagt sind 20.000 Euro nicht besonders viel."
Das klingt wie ein Verkaufsargument auf dem Sklavenmarkt. Fehlt nur noch der Hinweis auf einen muskulösen Körper und gesunde Zähne.
Kattayil Menon
25. Oktober 2011, 14:12
Ein ganz ausgezeichneter Artikel.
Wollen wir niemals vergessen welches menschenverachtende Regime unser Nachbarstaat unter seinem (saarländischen) Anführer hervor gebracht hat. Leider hat im Wiedervereinigungsrausch nie eine Aufarbeitung so stattgefunden wie nach 1945 im Westen.
Diesen Artikel sollte man ausdrucken und unbedingt noch einmal lesen, bevor man das nächste Mal wählt.
Hut ab vor Herrn Rehlinger!
Matthias Maetsch
25. Oktober 2011, 14:18
>Diese Meinungsäußerung zeugt von einer Riesen- portion Umwissenheit (und/oder Ostverblendung), denn zum einen erhielt die Bundesrepublik mit jeder "Ladung" freigekaufter Häftlinge noch so 2-3 Asoziale obenauf, zum anderen zeigt auch die Statistik, dass sich ein Großteil der freigekauften eben nicht so leicht in das westliche Leben integrieren ließen, denn es waren mitnichten größtenteils Akademiker, die sich auf dieses riskante Spiel einließen.
1. mit Beleidigungen gewürzt wird Ihre Meinung nicht überzeugender
2. der Westen konnte sich die Leute aussuchen (siehe Artikel), Assis (wie Sie sie nennen) hätten sie nicht freikaufen müssen
3. auf welche Statistik beziehen Sie sich?
Und selbst wenn nur jeder 10. ein Akademiker war (was ich sehr bezweifele), so hatten alle anderen auch Ausbildungen, deren Gegenwert der Bundesrepublik das Geschäft auch volkswirtschaftlich sinnvoll erscheinen lassen musste. 20.000 Euro sind nichts im Vergleich zu den realen volkswirtschaftlichen Kosten, einen Menschen zu bilden und aufwachsen zu lassen. In der Regel übersteigt das auch heute eine 6-stellige Summe. Das mag heute in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit weniger wichtig erscheinen, in den 1960er und 1970er Jahren war das aber noch ganz anders. Auf beiden Seiten. Und ehrlich gesagt würde auch heute eine Bundesregierung sicher gerne 20.000 Euro für einen ausgebildeten deutschsprachigen Zuwanderer zahlen. Bekommen tun wir in der Regel nur noch gratis welche, die aber meist nicht ausgebildet sind, unsere Sprache nicht sprechen und obendrein oft unsere Sozialsysteme zusätzlich belasten. Keine Win-Win-Situation.
Jens Richter
25. Oktober 2011, 14:18
So einfach ist das nicht. Bei einem Besuch ´77 haben die Grenzer versucht, meinen Bruder zur Rückkehr zu überreden. Er hatte im Westen Mathe und Informatik studiert. Die wußten scho um den"Wert".
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